Bürgermeisterkandidat Jens Schnügger (FDP): „Die Stadt Hamburg darf auf keinen Fall ihre Raststätte auf das Gebiet der Gemeinde Seevetal bauen.“ Foto: po

Bürgermeisterwahl: Der Seevetaler Kandidat Jens Schnügger (FDP) engagiert sich für eine Mischung von Wohnansiedlung und Gewerbe

Seevetal. Der fünfte Kandidat für das Bürgermeisteramt in Seevetal ist da: Für die Liberalen geht Jens Schnügger aus Fleestedt ins Rennen. Der FDP-Ortsverband hat ihn nominiert. Wie berichtet, bewerben sich auch schon Manfred Eertmoed (SPD), Emily Weede (CDU), Timo Röntsch (Freie Wähler Seevetal) und Thilo Bock (Grüne) um den Chefsessel im Seevetaler Rathaus. Was will Jens Schnügger dort bewirken? Im WA-Interview spricht er über seine Ziele und Ideen. Wer der neue Bürgermeister oder die Bürgermeisterin wird, entscheiden die Bürger bei der Wahl am 12. September.

WA: Warum haben Sie sich für das Bürgermeisteramt beworben?
Schnügger: Unser Motto heißt „Seevetal kann mehr“. Seevetal sollte einen Bürgermeister erhalten, der sich mit den örtlichen Gegebenheiten auskennt und die Metropolregion versteht und dabei Hamburg deutlich macht, dass die Gemeinde kein Stadtteil von Hamburg ist.

Was gab den Anstoß für Ihre jetzige Kandidatur?
Die anderen Kandidatinnen und Kandidaten haben mich nicht überzeugt. Außerdem kann ein frischer Wettbewerb von Ideen und Kandidaten nur zum Wohle der Gemeinde sein. Die Gemeinde, für die ich arbeiten möchte, soll bürgernah, transparent und in der Sache flexibel agieren. Aufgrund des Klimawandels stehen in Zukunft ökologische Themen natürlich im Fokus. Aber wir müssen bei diesen stets auch die Lebenssituationen der Menschen im Blick behalten. Ideologie alleine verändert hier nichts.

Wie stellen Sie sich Ihr neues Amt vor?
Ich erwarte eine sehr abwechslungsreiche Aufgabe. Ich möchte mich den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber als Problemlöser anbieten. So verstehe ich jetzt schon mein Geschäft als selbstständiger Auditor und Unternehmer. Gegebenheiten annehmen, Lösungen suchen und Kompromisse zum Wohle der Allgemeinheit finden und umsetzen.

Was gehört zu Ihren ersten Zielen?
Die Gemeinde Seevetal muss alles daran setzen, ihre Attraktivität zu behalten. Mein Ziel ist es, den Bürgern Ortskerne anzubieten, in denen man gerne lebt und einkauft sowie die Freizeit verbringt. Seevetal muss außerdem von Dienstleistern aus anderen Städten im Kreis unabhängiger werden. Die Prüfung, ob ein eigenes Gemeindewerk für Seevetal sinnvoll ist, muss wieder aufgenommen werden, damit wir mit eigenem Strom Geld für die Gemeinde Seevetal verdienen können. Bei Projekten der Gemeinde Seevetal wird künftig auch der CO2-Fußabdruck eine entscheidende Rolle spielen.
Wie wichtig ist Ihnen die Ansiedlung von neuem Gewerbe?
Die Gemeinde Seevetal braucht eine gesunde Mischung aus Gewerbe- und Wohnansiedelung. Nur eine gesunde Mischung kann die Gemeinde sicher durch Krisen bringen. Unter Gewerbe verstehe die Ansiedelung von kleinen und mittelständischen Betrieben, die Arbeitsplätze für unsere Gemeinde schaffen. Die Ansiedelung von Logistikunternehmen, die viel Platz, aber keine Mitarbeiter benötigen, lehne ich ab. Betriebe, die innovativ, technologieoffen und klimaschonend produzieren, sollen in Seevetal angesiedelt werden. Die Nähe zu Hochschulen und Start-ups in der Metropolregion eröffnet uns in Seevetal viele Möglichkeiten.

Mehr Wohnungen und Gewerbeflächen führen zu mehr Verkehr. Wie wollen Sie damit umgehen?
Wenn wir kleinere Unternehmen ansiedeln können, schaffen wir Arbeitsplätze in der Gemeinde, das entlastet uns von den Pendlerströmen nach Hamburg. Das berufliche Pendeln wird aber immer ein Bestandteil Seevetals sein, da Hamburg wie ein Magnet auf Arbeitskräfte wirkt. Tolle Arbeitsmöglichkeiten in unserer Gemeinde verkürzen die Arbeitswege, steigern die Lebensqualität der Arbeitnehmer und schonen die Umwelt. Bezahlbarer Wohnungsbau ist weiterhin eines der wichtigsten Themen in der Gemeinde.

Wie soll es mit der maroden, derzeit gesperrten Decatur-Brücke weiter gehen?
Die Brücke ist ein wichtiger Verbindungspunkt zwischen den Ortschaften in Seevetal. Die Möglichkeit der Sanierung ist vorhanden und die Kosten für die Instandsetzung stehen fest. Die Brücke sollte für weitere 20 Jahre für alle nutzbar sein. Nach Instandsetzung sollte die Diskussion neu geführt werden, wie die Gemeinde diese Brücke in das Eigentum der Deutschen Bahn oder des Landes Niedersachen übergeben kann.

Die geplante Autobahn-Raststätte bei Meckelfeld erregt ebenfalls die Gemüter. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Ein eindeutiges „Nein“ für den Bau dieser Raststätte. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um zu verhindern, dass die Stadt Hamburg „Ihre“ Raststätte auf das Gebiet der Gemeinde Seevetal verschiebt. Es kann nicht sein, dass Hamburg alles, was der Stadt nicht gefällt in das Umland verlagert. Wir sind doch nicht der Parkplatz von Hamburg. Wenn Stillhorn ersetzt werden muss, dann bitte in Hamburg.

Wie wollen Sie sich dem demografischen Wandel stellen?
Die Gemeinde Seevetal muss für junge Menschen ebenso interessant werden, wie sie es für etwas ältere Menschen bereits ist. Eine Maßnahme muss sein, dass wir mehr Wohnraum für junge Familien – Wohnungen und gern auch Einzelhäuser – schaffen. Wir stehen zwar einem demografischen Knick gegenüber, aber auf der anderen Seite steigen auch aktuell die Geburtenzahlen. Eine vorausschauende Politik richtet ihren Blick daher auf beides: Die aktuelle Situation und die Situation, der wir uns tatsächlich in zehn bis 15 Jahren gegenübersehen. Vielleicht ist es an der Zeit, einfach mal neu zu denken. Von Christa-M. Brockmann

Unternehmensberater und Sozial-Auditor Jens Schnügger (57) ist seit 27 Jahren verheiratet und arbeitet als Unternehmensberater für Arbeitnehmerrechte und Sozial-Auditor. Er verfügt über zwölf Jahre politische Erfahrung – unter anderem als Mitglied im Ortsrat Fleestedt, Glüsingen, Beckedorf und Metzendorf. Auf der großen Politikbühne engagierte er sich von 2016 bis 2018 als Mitglied des FDP-Landesvorstands. Seine Hobbys sind Lesen und Kochen. Vor der Corona-Pandemie reiste er mit seiner Frau zu entfernten Zielen überall in der Welt. So war das Ehepaar in Hongkong und fuhr mit dem Auto durch die USA.