Steuerte in einem der letzten Spiele ihrer Karriere gegen Mainz einen Treffer bei: Luchse-Linksaußen Melissa Luschnat. Foto: rin

Handball-Luchse sind zurück im Bundesliga-Alltag und mühen sich zu 30:25-Erfolg gegen Mainz 05

Buchholz. Vom absoluten Emotionshighlight mussten die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten am Mittwochabend wieder in den Bundesliga-Alltag abtauchen. Kein ganz leichtes Unterfangen für den DHB-Pokalfinalisten, der aber am Ende einen nie gefährdeten 30:25-Erfolg gegen den Vorletzten, 1. FSV Mainz 05, nach Hause brachte und damit alle Chance auf den Relegationsplatz wahren konnte.
Es war für die Luchse allerdings kein ganz leichter Weg. Denn dass die mental und körperlich anstrengenden Pokalspiele viele Körner gekostet hatten, offenbarte sich spätestens in der zweiten Halbzeit: Es schlichen sich viele Unkonzentriertheiten ein, Bälle wurden zu einfach abgegeben und auch in der Abwehr fehlte manchmal der letzte Schritt. Verdenken mag es dem Team nach den Strapazen und dem dritten Spiel in fünf Tagen aber sicher nicht.
Konterspiel war Erfolgsgarant
Zu Beginn trug die Euphoriewelle die Luchse aber noch sauber: Vor allem die Außen sorgten durch Tempogegenstöße für viele leichte Tore. Mainz mühte sich im Angriff, aber Abwehr und Torhüterin Zoe Ludwig waren auf dem Posten. Die Keeperin konnte Würfe des FSV sogar fangen und leitete damit viele Konter ein, die Alexia Hauf und Julia Herbst eiskalt abschlossen.
Beim 6:2 nach sieben Minuten zog Florian Bauer, Trainer der Mainzerinnen, erstmals die Reißleine und nahm eine frühe Auszeit. Doch der Luchse-Express rollte weiter bis zur 17. Minute: Julia Herbst markierte das 12:6, ehe die Luchse drei Gegentreffer in Folge hinnehmen mussten. Dubravko Prelcec und Matthias Steinkamp verschafften ihrem Team Zeit zum Verpusten mit einem Time-out – mit Erfolg: Das Aufkommen der Gäste auf 9:12 und 13:15 bogen die Luchse bis zur Pause mit einem 4:0-Lauf auf 19:13.
Die Luchse-Trainer hatten früh begonnen durchzuwechseln. Im Rückraum fehlte mit Louise Cronstedt (Wadenbeinbruch) zwar eine wichtige Alternative, aber alle vier Außen bekamen reichlich Spielanteile, und auch Fatos Kücükyildiz, Sarah Lamp und Kim Berndt im Rückraum sowie Evelyn Schulz am Kreis bekamen viel Zeit zum Verschnaufen auf der Bank. Gerade bei der noch am Wochenende überragenden Schwedin lief gegen Mainz nicht viel zusammen: Fatos Kücükyildiz wirkte fast überspielt, wollte zu viel und traf nur selten glückliche Entscheidungen. Sie war das Paradebeispiel dafür, dass die Luchse auch mental im Pokal Schwerstarbeit geleistet hatten.
Schon im ersten Spielabschnitt konnten die Luchse nicht genügend Profit aus den weiten Räumen der offensiven Deckung der Gäste schlagen. Immer wieder stellte Mainz den Passweg auf der halblinken Position zu. Im Positionsangriff lief das Bewegungsspiel der Gastgeberinnen etwas holperig.
Luchse-Fehler hielten Mainz im Spiel
Was sich schon im ersten Abschnitt angedeutet hatte, wurde in der zweiten Halbzeit noch sichtbarer: Die Abwehr arbeitete zwar weiter ordentlich, aber ins Luchse-Spiel schlichen sich immer mehr Unaufmerksamkeiten ein. Eine ganze Reihe technischer Fehler und unkonzentrierter Abschlüsse bei Kontern oder klaren Einwurfmöglichkeiten sorgten dafür, dass Mainz gut im Spiel blieb. Zudem hatte TSV-Youngster Julie Jacobs einen starken Tag erwischt und traf auch relativ einfach aus dem Rückraum.
Lisa Borutta erzielte dann direkt nach einem Time-out von Mainz noch das 23:16 (40. Minute). Da war gerade viel Bewegung im Rückraum, sodass die Luchse-Linkshänderin zweimal ganz frei über die Mitte zum Abschluss kam. Mit einem Steal gelang Fatos Kücükyildiz zehn Minuten später die 26:20-Führung. Der Mainzer Coach zog seine letzte Auszeit. Und die zeigte Wirkung: Sein Team nutzte nun Fehler der Luchse im Aufbau zu den ersten Tempogegenstößen im Spiel überhaupt und verkürzte in der 57. Minute auf 25:27.
Das war vielleicht ein Weckruf für die Luchse. Das Team besann sich in einer Auszeit auf seine Fähigkeiten und spielte Julia Herbst auf Rechtsaußen frei, die für die 28:25-Führung sorgen sollte. Zurück in der Deckung eroberte die Linkshänderin, die sich in bestechender Form präsentierte, den nächsten Ball. Mainz ging in eine offene Manndeckung, die Alexia Hauf und Sarah Lamp aber clever auseinanderspielten. Den Schlusspunkt setzte erneut Julia Herbst mit Pass auf Kim Berndt, die per gelungenem Kempatrick zum 30:25 mit der Schlusssirene traf.
Trainerstimmen zum Spiel
Mainz war sicher kein Tourist
Florian Bauer, 1. FSV Mainz 05: Erst einmal Danke an die Trommler: Das war ja fast ein bisschen wie normaler Handball von der Stimmung her. Glückwunsch auch an Rosengarten. Meinem Team mache ich keinen Vorwurf. Wir haben heute ohne Sieben gespielt. Trotzdem hat die Mannschaft gezeigt, dass sie sich hier nicht ergeben wollte, sondern alles rausgeholt. Am Ende waren wir sogar auf zwei Tore dran. Also: Für uns ist alles gut. Wir wussten natürlich dass wir spielfrei hatten, die Luchse dagegen zwei Spiele vom Pokal zu verkraften mussten. Deswegen haben wir versucht, schon in unserer Abwehr Druck mit unserer offensiven Formation auf den Gegner aufzubauen und die Luchse damit zum Laufen zu zwingen.
Dubravko Prelcec und Matthias Steinkamp, Handball-Luchse: Die Mainzerinnen waren sicher nicht als Touristen hier, sondern haben in der zweiten Hälfte toll gespielt. Mit der ersten Halbzeit sind wir zufrieden, da haben unsere Tempogegenstöße für viele leichte Tore gesorgt, die es uns einfacher gemacht haben. Insgesamt war diese Begegnung nach der Pokaleuphorie sicherlich für uns eines der schwierigsten Spiele der Saison. Wir waren wohl die klar bessere Mannschaft, was sich allerdings nicht im Ergebnis widerspiegelt. In der Defensive hat Natalie Axmann für uns ein tolle Spiel gemacht. Und auf unsere vier Außen ist auch Verlass. Jetzt haben die Physios viel Arbeit vor sich, um alle für Sonnabend fit zu bekommen. Von Kathrin Röhlke