Bentley Baxter Bahn wurde in Hamburg geboren, wuchs in Fliegenberg auf und schoss den FC Hansa Rostock mit seinem Elfmetertor gegen den VfB Lübeck vergangenes Wochenende in die 2. Liga. Foto: Danny Gohlke/dpa

Fliegenberger Bentley Baxter Bahn schießt Hansa Rostock in 2. Liga

Fliegenberg/Rostock. Nach exakt 200 Spielen in der 3. Liga hat Bent­ley Baxter Bahn sein sportliches Ziel erreicht: Mit seinem Elfmetertor zum 1:1-Ausgleich gegen den VfB Lübeck schoss er am vergangenen Sonnabend den FC Hansa Rostock zurück in Liga 2. Doch auch privat läuft es beim 28-Jährigen richtig gut. Im Dezember heiratete er seine Jugendliebe Tanja, vor wenigen Wochen kam Sohn Lio Lennox zur Welt. Mit dem WA sprach der gebürtige Fliegenberger, der seine ersten Fußballschuhe für die SG Elbdeich schnürte, über die ereignisreichen Monate und gab Einblicke in die Aufstiegsfeierlichkeiten mit dem Traditionsverein.
„Uns ging echt die Düse“, gestand der Mittelfeldspieler mit Blick auf das wichtige letzte Saisonspiel gegen die bereits abgestiegenen Lübecker. „Wir hatten die letzten vier Wochen richtig Druck und wurden am Ende echt nervös, dass wir doch noch in die Relegation müssen. So ein Endspiel hatten noch nicht viele von uns, und du trägst da schon einen großen Rucksack mit dir rum.“ Genau das sah man den Rostockern auch fast das gesamte Spiel über an. Die Lübecker Führung trug ihren Teil dazu bei. Nur einmal blitzte im ersten Durchgang die spielerische Klasse des Tabellenzweiten auf, prompt holte Stürmer John Verhoek einen Elfmeter heraus.
Abgezockt wie Robert Lewandowski
Und für Strafstöße haben die Rostocker einen Experten aus dem Landkreis Harburg in ihren Reihen. In bester Robert-Lewandowski-Manier verzögerte Bahn seinen Anlauf und wartete da­rauf, dass sich der Keeper bewegt, um locker in die andere Ecke einzuschieben. Angst vor einem Fehlschuss hatte der 28-Jährige nicht. „Ich hatte ein gutes Gefühl und bin meiner Art einfach treu geblieben“, so der abgezockte Schütze. Was ihm in diesem Moment allerdings noch nicht bewusst war: Es sollte das entscheidende Tor zum Aufstieg sein, denn das Spiel endete 1:1.
„Wir haben bis zum Schluss gezittert, aber es ist ja zum Glück irgendwie gut gegangen“, berichtete Bahn von den letzten Minuten des Spiels. Als der erlösende Schlusspfiff ertönte und die Mannschaft mit den 7500 Fans im Stadion nach neun Jahren Drittklassigkeit den Wiederaufstieg feierte, hatte der 28-Jährige zunächst nur seine Frau und seinen Sohn im Kopf. „Ich bin direkt in die Kabine gerannt und habe bei ihnen angerufen“, berichtete Bahn. Da Lio Lennox erst wenige Wochen alt ist, mussten die beiden das Spiel von zu Hause aus verfolgen. „Aber immerhin beide im Rostock-Trikot“, lachte der Familienvater. Nach dem kurzen Telefonat ging es dann aber zurück zum Feiern mit den Fans – erst im Stadion, anschließend auf den Marktplatz. „Auf den Rathaus-Balkon durften wir nicht, weil die Lage dann wohl eskaliert wäre“, berichtete Bahn. Trotzdem konnte mit reichlich Anhängern gefeiert werden, auch wenn das nicht unbedingt zu den Stärken des 28-Jährigen zählt. „Ich bin kein Feierbiest, und das werde ich auch nicht mehr. Dafür gibt es andere im Team.“
So richtig genießen konnte er den Erfolg nach eigenen Angaben auch erst wenige Tage später. „Zunächst war es nur eine riesengroße Erleichterung, da ist viel Ballast abgefallen. Nach zwei bis drei Tagen habe ich dann aber realisiert, was wir da geschafft haben“, gestand der Mittelfeldspieler, der mit einem Auge auch noch auf die Meisterschaft in der 3. Liga geschielt hatte. „So ein Pokal wäre natürlich das i-Tüpfelchen gewesen, aber mit Platz 2 kann ich auch ganz gut leben“, lachte Bahn. Für ihn geht mit dem Aufstieg auch eine lange Drittliga-Reise zu Ende. 200 Spiele absolvierte der 28-Jährige in der Spielklasse und lief dabei für Stuttgarter Kickers, FSV Frankfurt, FSV Zwickau, Hallescher FC und seit dieser Saison für Hansa Rostock auf. Mit seinen sieben Toren und sieben Vorlagen war er auch mit seiner persönlichen Ausbeute zufrieden. „Ich hatte zwar schon eine Saison mit Halle, in der ich mehr Scorer-Punkte auf dem Konto hatte, aber damals sind wir nur Vierter geworden. Da ist mir so eine Saison wie jetzt mit Rostock natürlich lieber.“
Vorfreude auf Highlightspiele gegen HSV und St. Pauli
Bevor der gebürtige Fliegenberger durch die 3. Liga tingelte, schnupperte er nach vielen Jahren in der HSV-Jugend beim FC St. Pauli schon Zweitliga-Luft. Ihm ist daher bewusst, was auf sein Team, bei dem er noch ein Jahr Vertrag hat, zukommt. „Das ist natürlich ein riesengroßer Sprung für uns. Gerade nächste Saison ist das eine Wahnsinns-Liga, die vielleicht sogar attraktiver ist als die Bundesliga“, schmunzelte Bahn. Auf zwei Mannschaften freut er sich verständlicherweise besonders: den Hamburger SV und St. Pauli. „Hamburg ist meine fußballerische Heimat, das sind für mich die absoluten Highlightspiele. Ich hoffe, dass wir die Partien auch richtig mit Zuschauern genießen können.“
Mit dem Aufstieg in die 2. Liga hat der gebürtige Fliegenberger ein großes Etappenziel geschafft, aber die neuen Ziele sind schon formuliert. „Ich will mich mit Rostock und als Spieler in der neuen Liga etablieren“, so Bahn. Denn ans Aufhören denkt der Familienvater noch lange nicht. „Ich lebe sehr professionell und hoffe, dass sich das auszahlt und ich noch einige Jahre auf dem Niveau kicken kann.“ Jetzt genießt er allerdings erst einmal die Sommerpause – und das zum ersten Mal als stolzer Vater. Denn bei allem sportlichen Erfolg ist Bahn auch ein Familienmensch. Sein Highlight der vergangenen Monate muss er daher nicht lange suchen. „Der Aufstieg, die Hochzeit – das waren tolle Momente. Aber nichts geht über die Geburt des eigenen Kindes.“ Von Dominik Heuer