Jessica Inacio (links) kann in dieser Szene Berlins Tina Wagenlader abschütteln. Foto: Schlikis/Beautiful Sports

Buchholz 08-Rosengarten verliert erstes Relegationsspiel gegen Berlin

Buchholz. Meilenweit entfernt von der Leistung der Vorwochen präsentierten sich die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten im wichtigen ersten Relegationsspiel gegen die Füchse Berlin. Am Ende sackten die Füchse einen nicht unverdienten 24:22-Erfolg ein, der den Hauptstädterinnen für das Rückspiel am Mittwoch, 2. Juni, eine prächtige Ausgangssituation für den Aufstieg in die 1. Bundesliga verschafft. Für die Luchse wird dagegen der Klassenverbleib im deutschen Oberhaus zur Schwerstaufgabe.
Vor allem die zuletzt wichtigen Leistungsträgerinnen im Luchse-Rückraum kamen an diesem Tag überhaupt nicht in die Spur. Viele technische Fehler sowie schwache Abschlüsse aus der zweiten Reihe ließen die Luchse nie in den gewohnten Flow kommen. Auch der Abwehr fehlte über weite Strecken die Bissigkeit, die das Team zuletzt so stark gemacht hatte. Einzige Ausnahmen: Torhüterin Zoe Ludwig, der es zu verdanken war, dass die Luchse nicht schon früh ins Hintertreffen gerieten, und die frisch verheiratete Jessica Inacio, geborene Oldenburg, die als einzige für Rückraumtreffer sorgte.
Es war ein zäher Start in eine Partie, die von den Defensivreihen bestimmt war. Nach sieben Minuten stand es gerade mal 4:1 für die Luchse. Da hatte Zoe Ludwig schon zwei Strafwürfe unschädlich gemacht, und auf der anderen Seite Kim Berndt einen Siebenmeter versemmelt. Ein wunderschöner Heber von Rechtsaußen Julia Herbst, ein Konter von Melissa Luschnat, ein erweiterter Gegenstoß von einer überzeugt abschließenden Marleen Kadenbach folgten. Nach zehn Minuten legten die Luchse ein 6:3 vor.
Luchse auf der Suche nach ihrer Sicherheit
Doch es sollten den Luchsen nicht gelingen, aus diesem Vorsprung Sicherheit für ihr Spiel zu generieren. Vielleicht funktionierte das nicht, weil auch die Abwehr nicht so engagiert arbeitete wie in den Begegnungen zuvor. So stand die Luchse-Deckung phasenweise zu passiv und zu tief. Das seitliche Verschieben klappte bei den Luchsen nicht wie zuletzt, auch die Unterstützung der Nebenspielerinnen fehlte – ebenso wie die großen Emotionen. Erst die Umstellung auf einen defensivere 5:1-Variante sorgte dafür, dass der Berliner Rückraum nicht mehr aus neun Meter abschließen konnte.
Trotzdem: Die mutigen Gäste erzielten nicht nur den Ausgleich, sondern auch die 7:6-Führung und trieben die Luchse in die erste Auszeit trieben. Doch es blieb bei einem fehlerbehafteten Angriffsspiel der Gastgeberinnen, denen es auch an Giftigkeit, Körpersprache und Selbstvertrauen fehlte. Ein bisschen bummelig, auch im Kopf, gelang es den Luchsen viel zu selten, den Weg in die Tiefe zu finden. Dazu waren die Füchse in der Abwehr zu munter auf den Beinen. Sie nahmen die Zweikämpfe mit perfektem Timing an und hielten dagegen.
In den letzten fünf Minuten vor der Pause war plötzlich ein Aufbäumen bei den Luchsen zu spüren. Jessica Inacio (2), Lisa Borutta und, nachdem die Luchse endlich mal Tempo machten, Kim Berndt warfen eine vielleicht etwas schmeichelhafte 14:10-Pausenführung für die Luchse heraus. Wer nun allerdings meinte, das bedeute den Umschwung, sah sich getäuscht. Nach einer ausgelassenen Doppelchance der Luchse, in der zunächst Jessica Inacio den Ball ans Berliner Torgehäuse setzte und anschließend auch Julia Herbsts Nachwurf nur an den Pfosten klatsche, war die Unsicherheit der Luchse zurück. Nach sieben torlosen Minuten im zweiten Durchgang und dem 14:14 gingen die Luchse-Trainer Dubravko Prelcec und Matthias Steinkamp ins Time-out.
Die Trainer-Ansprache zeigte Wirkung: Marleen Kadenbach (2) und Maj Nielsen trafen zum 17:14, als Melissa Luschnat bei einem Tempogegenstoß von Ex-Nationalspielerin Nina Müller, geborene Wörz, gefoult wurde. Sie sah dafür die Rote Karte. Beim 18:14 für die Luchse legte Berlins Trainerin Susann Müller, ebenfalls langjährige Nationalspielerin, die Grüne Karte auf den Zeitnehmertisch.
Keine Lösungen vom Luchse-Angriff
Berlin stellt nun eine aggressive 5:1-Abwehr, gegen die die Luchse an diesem Tag kaum Lösungen hatte. Immer wieder fanden sich die bisweilen etwas hilflos wirkenden Luchse im Zeitspiel wieder. Beim 21:20 übernahmen die Gäste wieder die Führung. Rechtsaußen Maj Nielsen konnte die Berliner Führung beim 22:22 vier Minuten vorm Abpfiff noch einmal egalisieren. Aber die Körpersprache der Luchse machte deutlich, dass in diesem Spiel nicht mehr viel gehen würden. Das Team verkrampfte zusehends, rieb sich in vielen Zweikämpfen auf, statt Ball und Gegner laufen zu lassen. Mit zwei weiteren Treffern setzten die Füchse eine Ausrufezeichen hinter ihr Leistungsvermögen und ihren Kampfgeist – beides normalerweise auch Tugenden der Luchse. Doch die konnten sie in diesem Spiel nicht abrufen. Von Kathrin Röhlke