Der Trainerstab mit Matthias Steinkamp weiß, was er an Sarah Lamp hat. Foto: rin

Buchholz 08-Rosengarten schafft Klassenerhalt in der 1. Bundesliga

Buchholz/Berlin. Was für ein Herzschlagfinale! In einem echten Handball-Krimi setzten sich die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten am Mittwochabend in Berlin im entscheidenden Relegationsspiel gegen die Füchse mit 27:25 durch. Damit darf das Team dank der mehr erzielten Auswärtstore noch eine weitere Saison in der 1. Bundesliga auflaufen.
Bis das allerdings erreicht war, hatten die Luchse einen steinigen Weg zurückzulegen. Die 22:24-Heimniederlage von Sonntag setzte das Team des Trainergespanns Dubravko Prelcec und Matthias Steinkamp gewaltig unter Druck. Das stramme Restprogramm in der Liga mit der Teilnahme am Olymp Final4 ließ wohl jeden Luchs – inklusive der Trainer – auf der letzten Rille laufen. „Wir rollen ehrlich gesagt nur noch bergab“, bestätigte ein am Ende überglücklicher Matthias Steinkamp, dass die letzten Wochen regelrechte Energievampire gewesen seien – körperlich wie auch mental.
Luchse-Abwehr greift beherzt zu
Dass die Luchse aus dem doch sehr verkrampften Hinspiel gelernt hatten, zeigte die Startphase der Begegnung in Berlin: Mit Evelyn Schulz, Kim Berndt, Fatos Kücükyildiz und Marleen Kadenbach trafen vier Leistungsträgerinnen, die am Sonntag nicht überzeugen konnten. Vor allem auch die 6:0-Defensivreihe der Luchse kaufte den Füchsen den Schneid ab: Beherztes Zugreifen, gegenseitiges Unterstützen und prächtiges Verschieben sorgten für Ballverluste und Verzweifelungswürfe der Berlinerinnen aus dem Rückraum, die sichere Beute von Torhüterin Zoe Ludwig waren. Jede gelungene Aktion in der Defensive wurde emotional von allen Spielerinnen inklusive der Bank gefeiert.
Erst ein Strafwurf in der neunten Minute ließ die Füchse das erste Mal jubeln. Das stand es 5:1 für die Gäste. Berlins Trainerin und Ex-Nationalspielerin Susann Müller zog das erste Time-out. Sie schickte mit Ehepartnerin Nina Müller die spielentscheidende Akteurin ihres Teams auf die Platte. Die 40-Jährige sollte das Spiel der Gäste mit der Routine aus 197 Länderspielen lenken. Sie bestimmte das Tempo, die Spielzüge und war am Ende als zehnfache Torschützin der Faktor im Berliner Spiel, der die Luchse ins Wanken bringen sollte.
Auch die offensivere 5:1-Deckung von Berlin stellte die Luchse nun wie im Hinspiel vor Aufgaben. Zwar konnten die Gäste aus der Nordheide zunächst noch durch das Auflösen an den Kreis oder durch Einläufer von Außen Bewegung in die Berliner Abwehr bringen, aber die Luchse taten sich im Offensivspiel zunehmend schwerer. Statt Ball und Gegner laufen zu lassen, verstrickten sich Luchse in viele Einzelaktionen. Zudem waren Rückraumtreffer Fehlanzeige, und plötzlich ließen auch die zuletzt treffsicheren Außenspielerinnen der Luchse einiges liegen.
Ex-Nationalspielerin der Füchse gibt Takt von
Die Füchse hatten ihre Anfangsnervosität abgelegt, machten weniger Fehler und schlossen effektiver ab. Beim 6:8-Anschlusstreffer (17. Minute) unterbrachen die Luchse-Trainer das Spiel mit ihrer ersten Grünen Karten. Trotzdem blieben die Berlinerinnen am Zug. Vier Tore in Folge nach zweifelohne unorthodooxen Abschlüssen von Nina Müller sorgten für die 12:11-Führung der Füchse und trieben die Luchse zweieinhalb Minuten vor der Pause schon in die zweite Auszeit. Zoe Ludwig parierte im Anschluss einen Konter, Marleen Kadenbach vergab auf der anderen Seite ihren zweiten Strafwurf, ehe Melissa Luschnat nach guten Überzahlspielspiel von linksaußen den 12:12-Pausenstand erzielen konnte.
Tiefes Durchatmen war bei den Luchsen angesagt. Drei schnelle Tore nach dem Wiederanpfiff zum 15:12 ließen die Luchse-Trainer ihre letzte Option einer Auszeit schon in der 33. Spielminute zücken. Die Trainer gönnte Zoe Ludwig, die einige unglückliche Gegentreffer kassiert hatte, danach eine Verschnaufpause auf der Bank und stellten Ariela Witthöft für ein paar Minuten zwischen die Pfosten. Und fürs Feld brachten sie ihre Geheimwaffe für den Rückraum.
Kleingruppenspiel der Luchse funktioniert
Und Jessica Inacio lieferte nicht nur in Form von drei Treffern, sondern auch im Zusammenspiel mit ihren Teamkollgeinnen. Die Aufholjagd leitete Fatos Kücükyildiz per Expresspass aus elf Meter an den Kreis an Evelyn Schulz, die zum 13:15 traf, ein. Nun klappte das Kleingruppenspiel auf der linken Angriffsseite der Luchse immer besser: Fatos Kücükyildiz initierte immer wieder Abläufe mit Jessica Inacio und Evelyn Schulz, dadurch öffneten sich auch Räume für Kim Berndt und Maj Nielsen.
Auch die Abwehr funktionierte nun besser: Fatos Kücükyildiz spielte eine offene vorgezogene Position, stellte Passewege zu und störte das Berliner Aufbauspiel, Jessica Inacio gelangen mehrere Steals. Beim 19:18 (40. Minute) hatten die Luchse die Führung zurückerobert. Von dem Flow ließ sich das Team auch nach einer glatt Roten Karte gegen Kim Berndt nach einem Foul bei einem Konter nicht abbringen. Vielmehr schien es, dass diese unglückliche Situation noch mal letzte Kräfte mobilisierte. Die Luchse zogen auf 24:20 (49.) weg.
Nun zauberte die Luchse-Trainer auch Alexia Hauf aufs Feld. Ihr verletzter Muskel hatte einem letzten Belastungstest standgehalten, und so konnte Melissa Luschnat kurz pausieren. Sechs Minute vorm Abpfiff nahm Fatos Kücükyildiz Nina Müller in kurze Deckung. Die Partie war nun durch einige Fehlwürfen zerfahren. Beim 23:25 fünf Minuten vorm Abpfiff waren die Füchse wieder in Schlagdistanz. Klar war schon da, dass ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung aufgrund der mehr geworfenen Auswärtstore für die Luchse reichen würde.
Nun wurde es richtig spannend: Zoe Ludwig, die in dieser Saison mit Doppelspielrecht auch schon für die Füchse zwischen den Pfosten gestanden hatte, packte ihr ganzes Können aus und parierte einen Strafwurf von Leona Svirakova. Auf der anderen Seite wurde ein Angriff von Lisa Borutta als Stürmerfoul abgepfiffen, aber der Luchse-Mittelblock stand und entschrärfte den Berliner Angriff. 58. Minute: Jessica Inacio wurschtelt sich durch und bedient Evelyn Schulz, die zum 26:23 trifft. Team-Time-out von Berlin.
Bo Dekker machte per glücklichem Heber das 24:26. Noch eine Minute zu spielen. Lisa Borutta tankte sich durch, legte im Gewühl auf „Evi“ Schulz ab und die das 27:24 war. Noch 30 Sekunden! Mit einem Unterarmwurf gelang Nina Müller noch das 25:27. Doch der Rest war Jubel der Luchse. Sie hatten den Klassenerhalt in der Tasche!
Berlin schaltet Kamera ab
Die Füchse Berlin brachen sprichwörtlich enttäuscht zusammen und saßen enttäuscht und weinend auf dem Hallenboden, während die Luchse ein Freudentänzchen hinlegten. Sehen konnte der Zuschauer das im Livestream bei sportDeutschland.TV nicht: Berlin hatte die Kamera abgeschaltet, eine obligatorische Pressekonferenz gab es ebenfalls nicht. Verlieren will eben auch gelernt sein.
Die Luchse feierten auf der Rückfahrt im Bus standesgemäß – nicht nur mit Selter – und spülten alle Anspannung weg. Die gefranzten Glitzerjäckchen, die auch schon nach dem Pokalfinale der Stimmung der I-Tüpfelchen aufgesetzt hatten, passten perfekt.
„Uns wurde in dieser Saison wirklich nichts geschenkt. Wir haben uns das Momentum des Glücks erarbeitet“, bilanzierten die glücklichen Luchse-Trainer Dubravko Prelcec und Matthias Steinkamp nach überstandener Sektdusche. „Nach dem 8:3 machte der Druck im Kopf die Beine bei unseren Mädels lahm. Da war die Abwehr nicht mehr so beweglich, und der letzte Schritt fehlte zu oft. Um so prächtiger, wie sich das Team zurückgekämpft hat. Wir haben jetzt noch Gänsehaut!“ Und der scheidende Matthias Steinkamp fügte an: „Die Mädels haben mir in dieser Saison sechs Kilo mehr Bauch und jede Menge grauer Haare beschert. Aber auch eine unglaubliche Liebe zu dem gesamten Team entfacht!“ Von Kathrin Röhlke

Personalplanung Sarah Lamp bleibt ein Luchs Ihre starke Saison hat Sarah Lamp zu einer wichtige Leistungsträgerin in Reihen der Luchsen gemacht. Und auch sie darf Trainer Dubravko Prelcec auf für die neue Saison zählen. Die zweikampfstarke Rückraumspieerin verlängerte ihren Vertrag jetzt m eine weotere aison. „Hier ist mein Handball-Zuhause“, sagt Sarah Lamp über die Handball-Luchse. 2012 kam sie von Kooperationspartner Buxteuder SV zu Luchsen; 2016 ging sie für eine saison zur SVG Celle, kam aber postwendend zu den Luchsen nach der Insolvenz der Cellerinnen nach Buchholz zurück. „Sarah ist so unglaublich wichtig für die Mannschaft, wenn sie mit so viel Kampfgeist und Willen immer wieder dort hingeht, wo es wehtut“, sagt Prelcec zu seiner Rückraumwaffe. „Es gibt kaum eine Spielerin mit so viel Willenskraft. Besonders in engen Spielen ist sie ein unverzichtbarer Faktor, um dem Spiel mit ihrer unbekümmerten Art eine Wende zu geben. Sarah Lamp war von Beginn an eine feste Säule und hat mit ihrer Routine und Erfahrung Verantwortung übernommen. Mit ihrem Optimismus und stets positiver Ausstrahlung ist sie ein Vorbild besonders für die jungen Spielerinnen.“