Marcus Armitage heißt der Überraschungssieger der Porsche European Open 2021. Foto: Tobias Kuberski

Marcus Armitage schnappt sich Sieg bei Porsche European Open und feiert größten Erfolg seiner Karriere

Luhdorf. Er hatte eine sensationelle Schlussrunde gespielt. 65 Schläge, also sieben unter Par, auf dem extrem schweren Nord Course der Golfanlage Green Eagle in Luhdorf. Und dann hieß es Warten für Marcus Armitage aus England. Er ging in ein Zelt, dann auf die Driving Range, um vor lauter Aufregung noch ein paar Bälle zu schlagen.
Lange war ihm sein Landsmann Matthew Southgate auf den Fersen. Er hätte am 18. Loch ein Birdy gebraucht, um zumindest ein Stechen zu erzwingen. Doch Southgate setzte den ersten Schlag auf dem Par-5-Loch ins Wasser und büßte so alle Chancen ein.
Damit war klar: Marcus Armitage heißt der Überraschungssieger der Porsche European Open 2021. Insgesamt benötigte er 208 Schläge (72, 71, 65). Am letzten Tag, die Veranstaltung war auf drei Runden verkürzt worden, spielte er nicht weniger als sechs Birdies, gar einen Eagle und nur einen Bogey.
Als ihm sein Caddy, der ständig über die Konkurrenz informiert war, die gute Nachricht seines ersten Sieges auf der European Tour zurief, schüttelte Armitage nur ungläubig den Kopf, lächelte und hob den Daumen. Im ersten Siegerinterview brachen dann alle Dämme. „Vor 20 Jahren habe ich meine Mutter verloren. Ich glaube, sie wäre heute sehr stolz auf mich“, sagte Armitage unter Tränen.
Marcus Armitage hat eine sehr wechselvolle Geschichte auf der European Tour. Mehr als einmal verlor er seine Tourkarte, musste sich immer wieder über die Challenge Tour hocharbeiten. Umso größer nun seine Freude über diesen Triumph.
Schließlich ergänzte der 33-Jährige aus Salford bei Manchester: „Ich bin nun einmal ein sehr emotionaler Typ. So ein Turnier zu gewinnen, ist ein neues Gefühl für mich. Erst recht dieses hier. Bei einer Trainingsrunde auf diesem Kurs habe ich so viele Golfbälle verloren wie noch nie zuvor. Und jetzt bin ich hier der Sieger. Das ist unfassbar.“ Danach ging er zum Zoom-Meeting mit seiner Verlobten Lucy.

Zur Person Marcus Armitage Für den 33 Jahre alten Briten war es der erster European-Tour-Sieg im 71. Start. Sein bisher bestes European-Tour-Ergebnis war ein 3. Platz bei den South African Open 2020. Armitage hatte nach dem Tod seiner Mutter mit 13 die Schule verlassen. „Beim Training konnte ich mich nur auf den Ball konzentrieren. Das war meine Flucht“, hatte er einmal verraten. Nun feiert dieser besondere Golfer, der sich noch im vergangenen Jahr das Geld für den Flug zum Turnier in Südafrika leihen musste, bei den Porsche European Open den bislang größten Erfolg in seiner Karriere.
Den 2. Platz der mit 1,2 Millionen Euro dotierten European Open teilten sich mit je 210 Schlägen Thomas Detry (Belgien), Edoardo Molinari (Italien), Darius von Driel (Niederlande) und Matthew Southgate (England). Titelverteidiger Paul Casey wurde mit 212 Schlägen Sechster. Eine etwas schwächere zweite Runde mit zwei über Par kostete ihn eine bessere Platzierung.
Bester Deutscher war Marcel Schneider aus Bietigheim-Bissingen. Er landete mit Runden von 70, 73 und 70 Schlägen (gesamt 213) auf dem geteilten 7. Platz. Ein ganz starker Auftritt des 31-Jährigen. Am 13. Loch der Schlussrunde lag er noch eins über Par, am Ende dann zwei unter. „Ich bin geduldig geblieben, und mein langes Spiel war sehr solide. Außerdem sind die entscheidenden Putts gekommen. Ich bin sehr zufrieden“, sagte Schneider.
Gar nicht zufrieden sein konnte Deutschlands Top-Star Martin Kaymer. Mit Runden von 73 und 77 Schlägen (insgesamt sechs über Par) verpasste der zweifache Major-Sieger den Cut. „Keiner von uns kam wirklich in den Flow rein“, sagte Kaymer und bezog die Mitfavoriten Henrik Stenson (Schweden) und Abraham Ancer (Mexiko) aus seinem Flight mit ein. Auch sie verpassten Cut. Trotzdem war Kaymer zufrieden, das Turnier gespielt zu haben – als gute Vorbereitung auf die US Open.
Die Porsche European Open standen auch 2021 kurz vor der Absage. Am Ende boten sie, wenn auch leicht verkürzt, Weltklasse-Golfsport vor täglich 2000 Zuschauern. Von Matthias Sobottka