200 Teilnehmer schalteten zur Auftaktveranstaltung zu den Planungen der Firma Lütchens ein, der Bürgerdialog ist damit erst gestartet. Foto: mhe

Was plant das Garstedter Kieswerk? 200 Teilnehmer bei Digital-Veranstaltung

Salzhausen. Rund 200 interessierte Bürger loggten sich jetzt zur Auftaktveranstaltung ein. Das Thema: die Planungsabsichten des Garstedter Kieswerks Lütchens zur Rohstoffgewinnung in den Gemeinden Wulfsen, Toppenstedt und Garstedt über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren (der WA berichtete mehrfach). Wie emotional das Thema „Bodenabbau“ ist, zeigte sich im Chatbereich der Videokonferenz. Das Unternehmen und die Bürgermeister der beteiligten Kommunen hatten alle Teilnehmer im Vorfeld dazu aufgefordert, dort ihre Fragen, Sorgen und Anmerkungen zu äußern, damit diese im nächsten Schritt aufgegriffen werden können. Eine Möglichkeit, die aktiv genutzt wurde und klar machte, wie breit das Spektrum ist, über das gesprochen werden muss.
Viele Fragen und Anmerkungen bezogen sich auf die Wirkung der Abbaupläne auf die Qualität der Landschaft ­– im Hinblick auf die ökologische Qualität der Landschaft als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten aber auch als Erholungsraum vor der Haustür. Es wurde nach den Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Region gefragt, nach geologischen Gutachten. Es wurde deutlich gemacht, dass die Menschen vor Ort den Erholungsraum jetzt brauchen und wünschen und dass eine Rekultivierung lange dauere, sodass manch einer sie möglicherweise nicht mehr aktiv erleben werde. Die „Rekultivierung“ und die Qualität der Rekultivierung waren ebenfalls wesentliche Themen. Es wurde gefragt nach dem Lkw-Verkehr, den Vorteilen für die Gemeinden, nach den Auswirkungen auf die unmittelbare Nachbarschaft, auf ihre Lebensqualität und den Wert der Grundstücke. Und das sind nur einige Beispiele
Hermann Lütchens und sein Sohn Alexander sprachen im Rahmen der Info-Veranstaltung über die Vorstellungen des Kieswerks Lütchens. In den derzeitigen Abbaugebieten erschöpfen sich die Rohstoffvorräte bei einem anhaltend hohen Rohstoffbedarf in der Region, was dazu führt, dass das Unternehmen Lütchens seine langfristigen Planungen der Situation anpassen möchte. „Im Jahre 2005 wurden alle Unternehmen, die im Landkreis Harburg mit Sand- und Kiesabbau zu tun haben angeschrieben und eingeladen zu einem Termin in Rosengarten, es ging darum, wie und wo wir weiterhin Abbau für die Zukunft entwickeln möchten“, erklärte Hermann Lütchens. Auch von ihnen seien Vorschläge unterbreitet worden, die dann 2017 als Vorsorgegebiete ins Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) aufgenommen worden seien. „Im Jahr 2017 stellte ich dann den Antrag an die Samtgemeinde, diese Fläche als Vorranggebiet auszuweisen. Das Zeitfenster: bis heute 16 Jahre. Ich finde es strategisch wichtig für unsere Region, einem eingeführten bodenständigen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, den Standort, der seit 93 Jahren besteht, zu erhalten, auszubauen und für die Zukunft zu stabilisieren.“
Umweltschutz und Rohstoffsicherung
Einige Vorteile seien die kurzen Wege der Belieferung, 20 Arbeitsplätze blieben vor Ort, das Kieswerk sei ein eigenständiges Unternehmen, dass nicht konzerngesteuert ist. „Ich rechne mit zehn weiteren Jahren für das Planungs- und Genehmigungsverfahren, deshalb ist es wichtig, sich jetzt zu kümmern“, so Lütchens. Wie berichtet sind für die Zukunft eine Vertiefung der bestehenden Abbaufläche in Tangendorf geplant, sowie die zusätzlichen Flächen in Garstedt, Wulfsen und Tangendorf. „Umweltschutz und Rohstoffsicherung sind kein Widerspruch. Selbst wenn nicht jede ehemalige Kiesgrube ein Biotop wird, einen Nutzen für die Gemeinschaft bringt eine Kiesgrube nach Nutzungsende auf jeden Fall“, betonte Hermann Lütchens.
Ziel sei es, nach dieser ersten Informationsveranstaltung mit den Bürgern vor Ort in den Dialog zu kommen, betonte Salzhausens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause. „Ich glaube es ist deutlich geworden, dass wir vor Beginn eines sehr komplexen und langen Verfahrens stehen, dass ein Antrag von der Firma Lütchens noch nicht endgültig bearbeitet wurde.“ Es gehe frühestens nächstes Jahr los, so Krause, und es werde mit Sicherheit nicht vor 2024 erste tendenzielle Entscheidungen geben. „Das heißt, wir haben Zeit, wir müssen diese Zeit aber auch nutzen. Und deshalb ist es ganz wichtig, dass wir diese örtlichen Dialogverfahren planen.“
Bürgergespräche mit Fachexperten
Den Bürgern soll es dann auch möglich sein, direkt mit den Fachexperten zu sprechen. „Wir versuchen eine Veranstaltung vielleicht noch vor der Sommerpause, die nächste dann aber mit Sicherheit nach der Sommerpause durchzuführen“, kündigte Krause an und machte noch einmal deutlich, dass die Gemeinden und die Samtgemeinde nicht die endgültige Entscheidung zu dem Thema treffen, sehr wohl aber eine Mitwirkungspflicht haben. „Und es reicht nicht aus, wenn ein Rat sagt ja oder nein. Das muss begründet werden, wozu man Wissen braucht, das zurzeit noch nicht da ist. Wir warten jetzt auf den fertigen Antrag, der soll zum Jahreswechsel fertig sein, dann muss sich zunächst der Landkreis damit beschäftigen, muss uns allerdings mitnehmen und für unsere Meinungsbildung – die Meinungsbildung der Räte – ist ganz wichtig Ihre Meinungsbildung!“, richtete er sich an die Zuhörer.
Wer die Auftaktveranstaltung verpasst hat, findet die Präsentationen online unter www.salzhausen.de. Von Marieke Henning