Mitten im Geschehen: Zimmerermeister Emil von Elling fand für das Arbeiten mit Holz und Werkzeug gestern immer Freiwillige. Foto: bjh

Auf Holz geklopft – Museum im Marstall in Winsen startet die Kinderbauhütte

Winsen. Knapp 90 Minuten dauerte gestern der offizielle Teil der Eröffnung des Projektes Kinderbauhütte auf dem Schlossplatz in Winsen. Das Museum im Marstall hat dort seine Adresse, und es ist das jüngste und bereits vorab ausgezeichnete Unternehmen unter der Führung von Giesela und Professor Dr. Rolf Wiese. Für die Konzeption der Kinderbauhütte gab es den  VGH-Preis für Museumspädagogik.
Ganz praktisch wurde gestern im Schlosspark dann gebohrt, gehämmert und gesägt. Da konnte man sehen, wie das Konzept aufgeht. Museumspädagoge Tammo Hinrichs und Zimmerermeister Emil von Elling hatten schnell eine größere Kinderschar um sich. Den Mädchen und Jungen wurden Aufgaben und Werkzeuge gegeben und schon war ein konzentriertes Arbeiten zu beobachten, das Neugier und meist auch den Eifer der Kinder weckte.
Einprägsames Plädoyer von Emil von Elling
Unter den Festrednern war neben Rolf Wiese und Winsens Bürgermeister André Wiese eben auch Emil von Elling, sozusagen der Dritte aus einer Borsteler Zimmererfamilie, die sich ab 1921 auf den Bau von Fachwerkhäusern spezialisiert hat. Seine Worte waren zünftig und auf jeden Fall einprägsam. „Mit den Dingern am Ende der Arme und dem Fleischklops auf dem Hals kann man richtig was anfangen“, stellte von Elling klar. Im Klartext: Kinder, nutzt Hände und Verstand!
Entscheidend ist für eine Annäherung an das Handwerk auch die Vermittlung, doch in modernen Zeiten versiegt die Weitergabe des Wissens zusehends. Diese Lücke will jetzt die Kinderbauhütte des Marstall-Museums schließen. Und gestern war zu sehen, wie schnell der Funke überspringt. Doch es bleibt nicht beim Werkeln. Historische Gebäude sollen im Maßstab eins zu drei nachgebaut werden. Neben der handwerklichen Praxis wird den Kindern auch gezeigt, mit welchen Methoden und Werkzeugen die Bauhütten früherer Jahrhunderte arbeiteten. Im anstehenden Ferienprogramm des Marstall-Museums wird die Kinderbauhütte eine Hauptrolle spielen.
Die Kinderbauhütte im  historischen Dreieck
Die Kinderbauhütte hat ihren Platz im Schlosspark. Von dort hat man besten Blick auf historische Gebäude, die mit enormem Aufwand gebaut wurden. Im Dreieck zwischen Schloss, St.-Marien-Kirche und Marstall spielt künftig das Handwerk wieder eine große Rolle. Mit dabei sind die Handwerker, die ihr Wissen weitergeben wollen. Neben Emil von Elling sind das auch Bardowicks Haus- und Holzbau, Dachdecker Klaus Henning, Metallbauer Jan Jürgens und das Bauunternehmen Ruschmeyer. Auch die Kreishandwerkerschaft mit Kreishandwerksmeister Uwe Kluth und Geschäftsführer Andreas Baier unterstützt das Projekt. Emil von Elling konnte auch klar seine Erwartung zum Projekt formulieren: „Vielleicht stehen auf dem nächsten Wunschzettel nicht das neueste Smartphone, sondern dann Hammer und Säge.“ Bemerkenswert: Die Initiative zur Teilnahme am Projekt kam von den Betrieben. Auch sie suchen interessierten Nachwuchs und steuern gleichzeitig ehrenamtlich ihre Expertise bei.
Im offiziellen Teil dankte Rolf Wiese als Vorsitzender des Heimat- und Museumvereins Bürgermeister André Wiese für die gute Zusammenarbeit sowie der gemeinnützigen Stiftung Hof Schlüter in Lüneburg, der Winsener Hans-Jürgen-Weseloh-Stiftung und der VGH-Stiftung für die finanzielle Unterstützung. Und er kündigte an, dass das Marstall-Museum für die Belebung des Schlossplatzes sorgen wolle, nicht nur mit der Kinderbauhütte, sondern auch mit vielen Veranstaltungen unter freiem Himmel. Apropos Himmel: Bei viel Wind hatte der Festakt noch zwei Störungen zu verkraften. Erst läutete St. Marien kräftig den Gottesdienst aus, kurz darauf erklang das Glockenspiel am Marstall. Ein wohlklingendes Live-Comeback gelang auch den beiden jungen Harfinistinnen der Musikschule Winsen.
Neue Dauerausstellung ist absolut sehenswert
Nicht zu vergessen ist die gestern wiedereröffnete Dauerausstellung im zweiten Obergeschoss des Marstall-Museums. Diese gestaltete Günter Schoß neu. Seine größte Herausforderung: „Einen 22 Meter langen und nur acht Meter breiten Raum bestmöglich einzurichten.“ Es ist ihm gelungen. Die Dauerausstellung zeigt sich vielseitig und nicht nur optisch aufgeräumt. Stickereien, Intarsien sowie Hugo Friedrich Hartmann und Johann Peter Eckermann bilden die Schwerpunkte. Hinzu kommen einige Medienstationen, die einen Blick in das Magazin des Museums ermöglichen. Von Herzogin Dorothea, Schäfer Ast, Hugo Haase, Johannes Brahms und Erich Brüggemann kann man sich ihre Biografie kurz schildern lassen. Es kann immer nur einer zur Zeit sprechen, und zum Sprechen bringt man Winsens Persönlichkeiten mit einem Druck auf den Knopf. Das ist dann noch ein kleines Suchspiel, lohnt sich aber. Von Björn Hansen