Nach einem Umbau des Bahnhofsvorplatzes könnten sechs Busse, darunter auch das Elbmobil, am ZOB einen festen Haltepunkt erhalten. Foto: po

Verlagerung des Amazon-Werksverkehrs und umgestalteter ZOB sollen Knotenpunkt entlasten

Winsen. Die Verkehrssituation am Winsener Bahnhof vor allem zu Stoßzeiten morgens oder abends kann eine Katastrophe sein. Aus- und Zustiege aus Stadt- und Schulbussen gesellen sich zu enormen Mengen an Radfahrern und Fußgängern, dazu kommt der Werksverkehr zum Amazon-Gelände und diejenigen, die ihre Liebsten zum Bahnhof bringen und sich mit einem Kuss verabschieden. Da geht dann schnell gar nichts mehr und es kommt nicht selten auch zu gefährlichen Situationen.
Durch das 2019 ausgeweitete Stadtbusangebot, den Werksverkehr und die Tatsache, dass der Bahnhofsvorplatz zum neuen Dreh- und Angelpunkt für die Buslinien in Winsen geworden ist, hat der Verkehr deutlich zugenommen. Im Winsener Bauausschuss legte das Büro PGT aus Hannover jetzt einen ersten Entwurf für den Umbau des Bahnhofsvorplatzes vor, der den Busverkehr optimieren soll. Die Planer fanden eine Reihe von Schwachstellen: Die Bushaltestellen am Bahnhof sind nicht barrierefrei und die Halteplätze reichen für die Vielzahl von Bussen – zwischen 7 und 8 Uhr morgens etwa fahren 23 Busse den Bahnhof an, gegen 9.30 Uhr müssten dort sieben Busse zeitgleich halten – nicht aus. Das Wenden ist für die Busse nur sehr eingeschränkt möglich. „Das führt zu Chaos“, so Planer Heinz Mazur, der die Anforderungen an einen neuen Busbahnhof skizzierte. Der muss nämlich über fünf Haltepositionen verfügen, von denen mindestens zwei für Gelenkbusse ausgelegt sind. Zusätzlich ist eine Warteposition für das Elbmobil notwendig. Die Bushaltestelle sollte aus beiden Richtungen angefahren werden können und ein Wenden der Busse sollte für alle Busgrößen aus beiden Richtungen möglich sein. Einer der wichtigsten Punkte: Die Amazon-Werksverkehre sollen verlagert werden.
Amazon-Werksverkehr auf der Südseite des Bahnhofs
Aus den Gegebenheiten und den Anforderungen entwickelten die Planer nun zwei Varianten, darunter eine, die sowohl vom Planungsbüro als auch von der Stadtverwaltung präferiert wird. Sie sieht in der Tat vor, dass der Amazon-Werksverkehr auf die südliche Seite des Bahnhofes verlagert wird. Die Amazon-Busse sollen ihre Passagiere künftig am Parkplatz an der Schützenstraße aufnehmen und entlassen, wo ein direkter Zugang zum Bahnhof möglich ist. Diese Maßnahme entlastet den Bahnhofsvorplatz erheblich. Die Verlagerung soll dann auch für den Schienenersatzverkehr gelten.
Darüber hinaus soll der Bahnhofsvorplatz für die Vorzugsvariante so umgebaut werden, dass an der Straße selbst keine Busse mehr halten müssen. Sechs Bushalteplätze sollen direkt vor dem Bahnhofsgebäude und beiderseits der verbreiterten Halteinsel entstehen. Mit dieser Variante können die Busse allerdings nicht unabhängig voneinander an- und abfahren. Da sei aber auch nicht unbedingt nötig, so der Planer.
Mit einer zweiten Variante, bei der die Busse in einer Sägezahnaufstellung stehen würden, wäre das zwar nötig. Bei der Realisierung dieser Variante müssten allerdings alle Fahrradboxen vor dem Bahnhof verschwinden und der an- und abfahrende Busverkehr würde voraussichtlich mit dem Verkehr zum Parkhaus in Konflikte geraten.
Sperrung für den Durchgangsverkehr sinnvoll?
Ebenso wie Verwaltung und Planer sahen auch die Mitglieder des Bauausschusses die erste Variante als diejenige, die realisiert werden sollte. Bernd Meyer (Grüne) sah in der Verlagerung des Werksverkehrs nicht die einzige Maßnahme, die für eine Verkehrsberuhigung sorgen könnte. „Der Verkehr muss da nicht durchgehen“, regte er Überlegungen an, den Bahnhofsbereich für den Pkw-Durchgangsverkehr zu sperren und auch die wenigen Kiss&Ride-Parkplätze, die zurzeit noch vor dem Bahnhof vorhanden sind, in Richtung Parkhaus oder Lidl zu verlagern. „Darüber hinaus sollte man auf jeden Fall beiden Planungen eine Ausweitung des Stadtbusverkehrs berücksichtigen“, so Bernd Meyer.
Eine Sperrung für den Durchgangsverkehr sei allerdings allein aufgrund der Anlieger, die ja ihre Grundstücke erreichen müssten, schwierig zu realisieren, so der Planer. Dass vor dem Bahnhof so oft Chaos herrsche, bekomme man mit planerischen Mitteln ohnehin nicht gelöst, denn das liege auch daran, dass die Verkehrsteilnehmer sich nicht an die Regeln halten, so Mazur. Positiv nahm das Planungsbüro die Bitte der Grünen auf, den Radverkehr in den Planungen mehr zu berücksichtigen und dafür einen Workshop abzuhalten.
Mit Mehrheit sprach sich der Bauausschuss dafür aus, die Planungen weiter voranzutreiben und zur nächsten Sitzung des Ausschusses eine Kostenschätzung und konkrete Aussagen zur Förderfähigkeit vorzulegen. Hoffnung, dass das Projekt förderfähig ist, machte zumindest das Planungsbüro, das sogar eine Förderung in Höhe von mehr als 85 Prozent in Aussicht stellte. Von Franzis Waber