Trotz der Bushaltestelle wird der Avendorfer Weg keinen Gehweg bekommen. Das Baugebiet „Am Avendorfer Weg“ wird allerdings eine fußläufige Anbindung an das Nahversorgungszentrm bekommen. Foto: fw

Tesper Rat votiert für den Bebauungsplan „Am Avendorfer Weg“ – Neue Kita kommt

Tespe. „Wir sind im Finale“, kündigte zum Auftakt der jüngsten Sitzung des Tesper Gemeinderates Gemeindedirektor Jörg Werner an. Gemeint war damit allerdings nicht die Fußball-Europameisterschaft, in der an diesem Abend die deutsche Nationalmannschaft erstmals kickte, sondern den Bebauungsplan „Am Avendorfer Weg“, der vor dem Satzungsbeschluss stand. Gegen die Stimmen der Freien Wähler fiel dieser Beschluss dann auch und macht den Weg frei für die Bebauung durch den Investor mit rund 50 Wohneinheiten, darunter vier Mehrfamilienhäuser, und eine Kita.
Die Planungen hatten lange gedauert, nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie, sondern auch, weil sie wiederholt ausgelegt und korrigiert werden mussten. So musste etwa ein Schallgutachten für das Gewerbegebiet in unmittelbarer Nachbarschaft überarbeitet werden. Mit dem Ergebnis sind Handwerkskammer, IHK und die Gewerbetreibenden in diesem Gebiet trotz der Überarbeitung noch immer nicht einverstanden.
Nachbarschaft Wohnen und Gewerbe fördern Konflikte
Das zumindest ging aus den Ausführungen der Planerin hervor, die die Abwägungen der Stellungnahmen nach der letzten Auslegung zusammenfasste. So hält die Handwerkskammer die beschlossene Planung für „konfliktfördernd“ und „mit dem Planungs- und Immissionsschutzrecht als nicht vereinbar“.
Kritik meldeten die Kammern auch an dem Schallgutachten, bei dem die Emissionsquellen und -ansätze nicht mit den betroffenen Betrieben im Gewerbegebiet abgestimmt worden seien. „Allein diese Tatsache deutet auf erhebliche Mängel des Gutachtens hin“, findet die IHK. Problematisch wird die künftige unmittelbare Nachbarschaft von Wohn- und Gewerbegebiet auch einige Gewerbetreibende am Avendorfer Weg, die anführen, dass die Planung des Gewerbegebietes vor vielen Jahren auf die räumliche Trennung von Gewerbe und Wohnen ausgelegt war und dass ihnen von Seiten der Gemeinde versichert worden sei, dass der Abstand von 300 Metern zur Wohnbebauung bestehen bleibe. Rechnung getragen wird der künftigen engen Nachbarschaft nun dadurch, dass in den Mehrfamilienhäusern, die quasi als Lärmschutz für die weitere Bebauung am Avendorfer Weg gebaut werden sollen, „schutzwürdige Räume oder Fenster von solchen“ nicht zulässig sind. Das ließe sich etwa durch Glasvorbauten sicherstellen.
Wertvolle Feuchtwiesen gehen verloren
Kritik an dem Baugebiet hatte bereits bei den ersten Planungen im Jahr 2019 die Fraktion der Freien Wähler im Rat geübt, die dann auch den Satzungsbeschluss nicht mittrugen. Neben dem fehlenden Abstand zwischen Baugebiet und Gewerbegebiet kritisierten sie, dass die Entwicklung des Gewerbegebietes durch eine Ausgleichsfläche künftig begrenzt wird, dass die angespannte Verkehrssituation in der Samtgemeinde Elbmarsch keine Ausweisung weiterer Baugebiete erlaubt und dass mit dem Wohngebiet wertvolle Feuchtwiesen, die einen wichtigen Lebensraum für viele Tiere darstellen, verloren gehen. Kritisch sehen sie außerdem die Genehmigung von Gebäuden mit zwei Geschossen plus Staffelgeschoss, die optisch nicht nur zu einer Verstädterung im Dorf führen, sondern auch gegebenenfalls die Anschaffung einer Drehleiter für die Feuerwehr notwendig macht. Darüber hinaus gab es Kritik am beschleunigten Verfahren, in dem der Plan aufgestellt wurde.
Dringender Bedarf für Wohnraum und Kita
„Wir haben dringenden Bedarf an Wohnbauflächen und einer Kita. Daher halten wir an dem Plan fest. Die Gemeinde hat eine Konfliktlösung für die Nachbarschaft mit dem Gewerbegebiet angestrebt“, hieß es dagegen von der Gemeindeverwaltung. Auch die Bedenken der Freien Wähler, dass am Avendorfer Weg kein Fußweg für die künftigen Bewohner vorgesehen ist, verteidigte Gemeindedirektor Jörg Werner damit, dass es aus dem Wohngebiet eine fußläufige Verbindung zum Nahversorgungszentrum geben werde. „Zur Bushaltestelle am Avendorfer Weg muss man dann halt auf der Straße gehen“, kritisierte Ratsherr Ulf Riek (Freie Wähler) gegenüber dem WA. „Wir tun was für die Kinder, schaffen barrierefreien Wohnraum für älteren Menschen und Bauplätze für Familien“, verteidigte dagegen Ratsfrau und stellvertretende Gemeindedirektorin Inge Rusch das Projekt.
Mit dem Satzungsbeschluss soll nun vor allem das Projekt Kita, die in dem Baugebiet entstehen soll und die dringend von den Tesper Eltern erwartet wird, auf die Bahn gebracht werden. Die Erschließung des Gebietes werde noch in diesem Jahr beginnen, so Gemeindedirektor Jörg Werner gegenüber dem WA. Damit könne der Bau bereits im kommenden Jahr starten. Von Franzis Waber