Dr. Heike Brenken sitzt am angelegten Ackerrandstreifen für Wildkräuter. Foto: rin

Ackerwildkrautpfad wartet mit 17 Stationen am Tütsberg auf Spaziergänger

Tütsberg. Das Lammkraut steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Am Tütsberg bei Schneverdingen in der Lüneburger Heide ist das seltene Wildkraut noch an Ackerrändern zu finden. Was da sonst noch so alles blüht und wächst, können Interessierte jetzt auf dem neu angelegten drei bis 5,5 Kilometer langen Ackerwildkrautpfad rund um den Hof Tütsberg an 17 Stationen erfahren.
Dr. Heike Brenken hat sich vonseiten des Vereins Naturschutzpark (VNP) Lüneburger Heide maßgeblich mit um die Ackerwildkräuter gekümmert, und zwar im Rahmen des Projektes „ÖkoKult“. Der VNP erforscht dabei in Kooperation mit der Lüneburger Leuphana Universität und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde die extensiv bewirtschafteten Kulturlandschaften, entwickelt neue mechanische Geräte zur Pflege von Kulturlandschaften und kartiert unter anderem auch die Ackerwildkräuter.
Zottige Wicken und KahlesFerkelkraut mögen es mager
Orangefarbener Saat- und Sand-Mohn wachsen da neben violetten Zottigen Wicken, weißer Echter Kamille, blauen Kornblumen und gelbem Kahlen Ferkelkraut. Obwohl die Ackerwildkräuter als Kulturfolger mit den ersten Ackerbauern in die Heide kamen, sind die Pflanzen echte Sensibelchen: Sie vertragen keinen Dünger, sondern mögen lieber mageren Boden und kommen auch mit mechanischen Maßnahmen nicht gut klar.
Deswegen hat der VNP die gut zehn Meter breiten Streifen mit Wintergetreide wie Dinkel und Roggen, in denen sich die Wildkräuter besonders wohlfühlen, neben seinen Wiesen angelegt, in denen sich die Wildkräuter frei entfalten dürfen. „Diese Randstreifen werden auch nicht abgeerntet, sondern alles nur wieder eingearbeitet, nachdem die Kräuter ihre Samen verteilt haben“, erklärt Dr. Heike Brenken. Fünf Jahre bleiben diese Randstreifen mindestens bestehen.
Wildkräuter als Basisder Nahrungspyramide
Warum legt man überhaupt so viel Wert auf diese Ackerwildkräuter? Dr. Brenken erklärt mit ihrem Mann Dr. Andreas Koopmann, dass das nicht allein optische Gründe hat: „Natürlich empfinden wir die Streifen als hübsches Landschaftsbild. Aber sie bedeuten mehr, denn sie sind Basis der Nahrungskette in der Kulturlandschaft: Mit ihnen kommen Insekten und mit denen wiederum die Vögel. Wir haben hier beispielsweise ein seltenes Wachtelvorkommen und Rebhühner. Außerdem gehören viele dieser Pflanzen zu den Arzneipflanzen. Und weil niemand weiß, was wir zukünftig noch einmal brauchen, sind das wichtige Genreserven.“ Die Einschätzung dessen, was nützlich und was schädlich ist, hat sich nämlich im Laufe der Jahre schon oft geändert. Bestes Beispiel dafür ist der Roggen, der früher als Unkraut galt.
Auf den Tafeln erfahren Spaziergänger unterwegs, was da so am Wegesrand wächst, warum viele Wildpflanzen heute stark gefährdet sind und was man selbst tun kann. Umgesetzt werden konnte das Projekt „Ackerwildkrautpfad“ durch Mittel des Bundes. Von Kathrin Röhlke