Saskia Reher leitet seit gut zwei Jahren die Musikschule Hanstedt. Im Bildungsausschuss berichtete sie jetzt von den Problemen während der Corona-Pandemie. Foto: kr

Musikschul-Leiterin berichtet im Bildungsausschuss – Zuschuss in Höhe von 15 000 Euro

Hanstedt. Unterstützung in schwierigen Corona-Zeiten: Die Samtgemeinde Hanstedt wird der Musikschule einen außerplanmäßigen Zuschuss in Höhe von 15 000 Euro gewähren. Das hat der Ausschuss für Bildung und Freizeit jetzt in öffentlicher Sitzung im Alten Geidenhof einstimmig empfohlen. „Die Musikschule ist ein Aushängeschild für unsere Samtgemeinde“, sagte Necdet Savural (CDU). Fraktionsübergreifend war man sich im Ausschuss einig über die große Bedeutung der Einrichtung für die Attraktivität des Bildungs­standortes Hanstedt. Den endgültigen Beschluss für die Bewilligung des Zuschusses wird der Samtgemeinderat in seiner Sitzung am 15. Juli fassen, dies gilt als sicher. Zu Gast im Ausschuss war Saskia Reher, die die Musikschule seit gut zwei Jahren leitet. Sie begründete nicht nur den im März dieses Jahres gestellten Antrag, sondern berichtete auch ausführlich von der Arbeit der Musikschule in der Corona-Pandemie.
Einzelunterrichtfand online statt
„Es hat uns wirklich stark getroffen“, sagte die Musikpädagogin im Ausschuss. Los ging die Misere mit dem ersten Lockdown im März 2020, als auf einen Schlag der komplette Unterricht ausfallen musste. „So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt und meine Kollegen und Kolleginnen auch nicht“, so Reher. Zuerst sei es vor allem um die Frage gegangen: Wie halten wir Kontakt? „Wir arbeiten vor allem mit Kindern und Jugendlichen“, sagte die Leiterin der Musikschule. Schnell kam die Idee auf, den Einzelunterricht auf Online-Unterricht umzustellen. „Aber das muss alles vertraglich geregelt werden“, schildert Reher eine der vielen Schwierigkeiten, mit denen die Musikschule zu kämpfen hatte. Schließlich gelang es, den Einzelunterricht auf das neue Format umzustellen. „Das war Neuland für uns alle, eine Riesenumstellung“, so Reher. „Jetzt können wir das, aber das hat eine Zeit gebraucht.“
Einbruch bei den Gruppenangeboten
Als noch weit problematischer als die Neuausrichtung des Einzelunterrichtes  erwiesen sich die Gruppenangebote der Musikschule. „Dort gab es die größten Einbrüche“, berichtete Reher. So waren die Angebote zur musikalischen Früherziehung, die bislang in Gruppen von zwölf Kindern stattfanden, auf einen Schlag gar nicht mehr möglich. Die Ballettgruppen wurden ebenfalls komplett lahmgelegt.
„Auch das Zusammenspiel in Gruppen oder gar im Orchester war in den vergangenen 15 Monaten kaum möglich“, beschreibt Saskia Reher die Notsituation in der Musikschule. Der von Jutta Weinhold geleitete Gospelchor durfte nicht mehr singen – der Gesang gilt in Corona-Zeiten ja als besonders gefährlich. Kurz gesagt: Die Gruppenangebote mussten fast komplett ausfal-len.
Viele Schüler stiegen ganz aus
„Es hat uns genau da getroffen, wo wir Geld verdient haben“, sagt die Leiterin der Musikschule. Irgendwann seien immer mehr Leute gekommen, die ihr gesagt hätten, dass sie das nicht mehr zahlen können. „Wir haben dann angefangen, Spendenbescheinigungen fürs Finanzamt auszustellen“, so Reher, „aber das geht auch nur, wenn gar keine Leistung von uns erbracht wurde.“ Das Schlimmste: Nach einem Jahr Corona verloren immer mehr die Geduld – bis heute hat die Musikschule 69 ihrer 524 Schüler verloren. Allein für 2021 rechnet Saskia Reher mit einem Einnahmeverlust in Höhe von 17 000 Euro. Zwar gehe es jetzt langsam wieder los – am 19. und 20. Juli wird die Musikschule wieder öffentlich vorspielen – aber ob und wann es gelingt, die verlorenen Schüler zurückzugewinnen, bleibt ungewiss. Von Rainer Krey