Johannes Bünger und Dr. Linda Holste machen auf die Pläne des Kieswerks aufmerksam. Foto: mhe

Tangendorfer fordern den Baggerstopp – Bürgerinitiative Auetal will Wald retten

Tangendorf. Wer sich im Waldgebiet im Auetal in Tangendorf dieser Tage aufmacht zu einem Spaziergang, wird begrüßt von neonfarbenen Steinbeißern. Die aufgesprühten Symbole sollen darauf hinweisen, dass der Wald verschwinden könnte. Es ist das Symbol der Bürgerinitiative (BI) „Auetal – Baggerstopp in Tangendorf“, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Pläne des Garstedter Kieswerkes Lütchens, ihre Bodenabbauflächen über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren auszuweiten, zu verhindern.
BI fordert Positionierung der Kommunen
Wie berichtet, umfasst die beantragte Fläche insgesamt 185 Hektar. Über die aktuellen Pläne der Firma Lütchens in Tangendorf, Wulfsen und Garstedt und den möglichen Ablauf des Verfahrens informierten Vertreter des Kieswerks, des Kreises und der Gemeinden jüngst bei einer Online-Infoveranstaltung. Weitere Termine und die weitere Miteinbeziehung der Bürger ist geplant (der WA berichtete). „Es ist an der Zeit, dass die Gemeinden sich positionieren“, fordert BI-Mitglied Dr. Linda Holste, Biologische Ozeanografin. „Wir wollen, dass sie nein sagen. Denn aus unserer Sicht profitiert keiner außer der Firma Lütchens.“ Wichtig sei aus ihrer Sicht, dass die Kommunen Stellung beziehen, bevor das Thema in den Kreistag geht, der am Ende die Entscheidung fällt.
Wird das FFH-Gebiet zerstört?
Holste und Umweltjournalist Johannes Bünger von der BI betonen im Gespräch mit dem WA, dass sie nicht generell gegen den Kiesabbau sind. Doch die Firma Lütchens habe bereits jetzt noch Flächen im Raumordnungsprogramm, die den Kiesabbau für weitere 20 Jahre sichern würden. „Bevor das Raumprogramm geändert wird, muss geprüft werden, ob der Kiesabbau das vorhandene FFH-Gebiet zerstört“, fordert Johannes Bünger.
Zur Info: FFH ist die Abkürzung für Flora und Fauna Habitat. Als solches ist das angrenzende Feuchtgebiet „Pferdebach und Auetal“ zertifiziert und somit geschützt. Aktuell sei geplant, die FFH-Prüfung erst im Laufe des Verfahrens durchzuführen, bemängelt Bünger den Ablauf. Außerdem fordert die BI, dass der Wald ausgenommen wird.
Eines von vielen Problemen, so Linda Holste, sei auch der Grundwasserspiegel: „So langsam stört mich die Aussage, es seien nicht genug Informationen vorhanden. Nassabbau in Tangendorf? Wir haben eh ein Grundwasserproblem“, erklärt sie. Durch den entstehenden Baggersee würde die Verdunstungsoberfläche so erhöht, dass es zu langfristigen ökologischen Auswirkungen käme.
Weitere Faktoren, die es in Betracht zu ziehen gelte, seien unter anderem der Artenschutz, die Auswirkungen auf den Lkw-Verkehr im Ort und der Wert der Grundstücke von Privatpersonen. Weiterhin bemängelt die BI die bisher erfolgten Renaturierungsmaßnahmen der Firma Lütchens.
Unterschriften gesammelt
Bodenabbau ist immer wieder ein heikles Thema, häufig hätte sich die BI anhören müssen, sie würde die Bürger spalten, erklärt Holste. „Aber die BI führt auch Leute zusammen.“ Deutlich über 9000 Unterschriften hat sie auf ihrer Internetseite bereits für ihre Sache gesammelt. „Ganz viele Leute melden sich bei uns und stellen weitere Informationen zur Verfügung“, freuen sich die beiden Tangendorfer. Zurzeit gründet sich übrigens auch ein Ableger der Initiative in Wulfsen.
Da immer wieder Dorfbewohner mit Fragen auf sie zukämen, hat die BI jetzt eine eigene Infoveranstaltung geplant. Diese soll am Mittwoch, 14. Juli, um 19 Uhr im Gasthof Vossbur in Tangendorf stattfinden. Aufgrund der Pandemie ist die Teilnehmerzahl begrenzt, weshalb die Veranstaltung auch über Youtube und Facebook zu verfolgen sein wird. Geplant ist, mit Experten aus Politik, Planung und Naturschutz zu diskutieren und Fragen zu beantworten. Anmeldungen sind bis zum 13. Juli unter der E-Mail Adresse oder bei N+E Braas, Am Schulberg 4 in Tangendorf möglich. Dabei sollte erwähnt werden, ob man persönlich oder virtuell teilnehmen möchte. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.dieaue.de. Von Marieke Henning