Ein Meer an Stoffteddys kam gestern bei der Polizeiinspektion (PI) Harburg an. Darüber freuen sich auch im Vordergrund Lydia Freienberg von der PI und Wilma Kupfer vom Kinderschutzbund. Foto: tm

Kleine Trost-Teddys sind als „Ausrüstung“ in Streifenwagen nicht mehr wegzudenken

Buchholz. Als der fünfjährige Junge am nächsten Morgen mit seinen Eltern auf die Polizeidienststelle kam, hat er alles verloren, was ihm lieb und teuer ist. Sämtliche Spielsachen waren bei dem verheerenden Feuer eines Mehrfamilienhauses im Frühjahr dieses Jahres durch Russ und Löschwasser vernichtet worden. „Da stand dieser verzweifelte kleine Kerl und wir konnten den Stoff-Bären hervorzaubern – da waren die ersten Tränen gleich getrocknet“, schildert Verkehrssicherheitsberater Dirk Poppinga. Von Erlebnissen wie diesen können viele Hundert Polizeibeamte im Kreis Harburg berichten. In den letzten 20 Jahren haben sie während ihrer Einsätze 1000 so genannte Trost-Teddys an Jungen und Mädchen verteilt. Gestern rückte der Kinderschutz-Kreisverband Harburg mit Nachschub an.
Es war vor zwei Jahrzehnten ein Versuch und Neuland für alle Seiten. Stoffteddys in Streifenwagen, macht das wirklich Sinn? Doch der Einsatzalltag gab relativ schnell die Antwort: Die kleinen braunen Plüschtiere können für die Betroffenen in dramatischen Situationen für deutliche Beruhigung sorgen. Sie sind mehr als nur ein Einsatzmittel, sondern sorgen für ein kleines Stück Trost und Normalität, wenn für die kleinen Menschen die Welt zusammenzubrechen droht. „Die Teddys sind wie eine kleine Auffangstation für Kinder, die gerade eine traumatisierende Situation erlebt haben“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Harburg, Kriminaldirektor Thomas Meyn.
Plötzlich stand das Familienauto in Flammen
So wie für einen knapp zweijährigen Jungen, der entsetzt mit ansehen muss, wie auf der Urlaubsfahrt der Wagen auf der Autobahn in Flammen aufgeht und die Familie sich gerade noch aus dem Fahrzeug retten kann. „Als die Beamten der Autobahnpolizei ihm einen Teddy als Trost in die Arme drückten, war die Welt gleich wieder eine andere“, nennt Dirk Poppinga ein weiteres Beispiel für den Erfolg der flauschigen Trostspender. Auch für die Einsatzkräfte ist das oftmals eine große Erleichterung. Die Eltern müssen kein aufgelöstes Kind mehr beruhigen, die Situation entspannt und versachlicht sich.
Dabei sei es keineswegs so, dass man die kleinen Teddys inflationär einsetze und praktisch bei jeder Gelegenheit verschenke, betont Polizeisprecher Jan Krüger. „Die Kollegen schauen ganz genau, wann das geboten ist.“ Und so hielt die erste „Ladung“ von 1000 Exemplaren im Rahmen der Kinderschutzbund-Aktion „Teddybären für Kinder in Not“ immerhin 20 Jahre. Nun aber sind die Bären-Vorräte aufgebraucht und so rückten die Mitarbeiterinnen des Kreisverbandes gestern mit dem erwarteten Nachschub auf dem Hof der Polizeiinspektion in Buchholz an.
Zusammenarbeit auf vielen Ebenen
„Diese Aktion liegt uns besonders am Herzen, denn sie hilft Kindern in besonders schwierigen Situationen“, betonte Anne Buhr vom Harburger Kinderschutzbund bei der Übergabe. Zuvor war Fleiß gefragt: Denn bei sämtlichen neuen Teddys mussten die weißen Halsbänder fingerfertig verknotet werden.
Die Zusammenarbeit mit der Polizei beschränke sich dabei nicht nur auf die Teddy-Aktion, erläuterte Anne Buhr: „Für uns ist es eine große Hilfe, dass wir uns auch immer an die Dienststelle wenden können, wenn es etwa um Gewalt oder Sexualdelikte gegen Kinder geht.“
Ansprechpartnerin bei der Behörde ist Kriminalhauptkommissarin Lydia Freienberg, zuständig für Jugendsachen und Prävention. Man arbeite mittlerweile auf vielen Ebenen zusammen, bestätigte sie und verwies unter anderem auf das Projekt „starke Menschen“, in denen Kinder und Jugendliche lernen, dass man bei einem aufdringlichen Gegenüber auch Grenzen aufzeigen darf oder muss. Von Thomas Mitzlaff