Die aufbereitete Dorschhaut wird vor dem Auflegen mit einer Salzlösung beträufelt, damit sie flexibel wird. Foto: Kerecis

Buchholzer Gefäßchirurgen forschen mit Fischhaut vom isländischen Dorsch

Buchholz. Das Krankenhaus Buchholz mit seiner Gefäßchirurgie unter der Leitung von Chefarzt Dr. Holger Diener ist jetzt gemeinsam mit dem Uniklinikum Köln Deutschlands Standort für ein EU-gefördertes Forschungsprojekt. Erprobt wird die Versorgung von diabetischen Wunden im klinischen Alltag mit aufbereiteter Fischhaut von isländischem Dorsch. Ziel des Projekts: die Fischhautbehandlung als Standardtherapie zu etablieren.
Bei Diabetikern wird schon seit längerem mit Transplantaten gearbeitet, die aus Haut gewonnen werden. Bisher wurden die Transplantate aus Schwein, Rind oder menschlicher Nabelschnur gewonnen. Doch all diese Materialien müssen aufwendig aufbereitet werden und verlieren dabei einen Teil ihrer natürlichen Heilwirkung. Außerdem sind sie ausgesprochen dicht strukturiert, sodass die Körperzellen, die sie besiedeln sollen, meist nicht durchdringen, sondern auf der Oberfläche hängenbleiben.
Anders das Transplantat, das jetzt in Buchholz, in Köln und weiteren Forschungszentren in Schweden, Frankreich und Italien erprobt wird: In der Verpackung wirkt es wie blasse Pappe oder ältliches Knäckebrot. Erst unter dem Elektronenmikroskop jedoch offenbaren sich seine wahren Qualitäten: Es ist locker strukturiert, hat große Poren und sieht der menschlichen Oberhaut verblüffend ähnlich. In Salzlake eingeweicht, gewinnt das Fischhautprodukt aus Island überraschende Flexibilität und lässt sich wundgenau zuschneiden. In spätestens sieben Tagen wird es komplett vom Körper aufgenommen und umgewan-delt – und die Wundheilung beginnt.
„Wir haben beobachtet, dass sich Wunden schließen, bei denen sich zuvor über Wochen und Monate kein Heilungsprozess mehr abgezeichnet hatte“, berichtet Dr. Diener. Inzwischen ist das Produkt von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassen, CE-zertifiziert und wird vielfach in Europa und den USA eingesetzt.
Doch in Deutschland werden die Behandlungskosten bisher nicht von den Krankenkassen übernommen, weil belastbare Daten zum Kosten-Nutzen-Verhältnis fehlen. Die erhofft man sich jetzt von der europäischen Studie. Obwohl das Dorschtransplantat vergleichsweise kostspielig ist, spart es nach Überzeugung von Dr. Holger Diener doch Geld, das sonst für Pflegedienste zur Wundversorgung, für Krankenhausaufenthalte und letztlich für Amputationen ausgegeben werden müsste. Und vor allem dürfte die neuartige Heilmethode den Diabetes-Patienten, von denen etwa die Hälfte chronische Wunden entwickeln, viel neue Lebensqualität schenken.
Insgesamt 40 Patienten sollen in Deutschland an der Studie beteiligt werden, davon 20 in Buchholz. Dr. Diener arbeitet bei der Auswahl geeigneter Patienten eng mit Hausärzten und niedergelassenenen Diabetologen zusammen. wa