Auch die Grundschule Marschacht soll Ganztagsschule werden. Die Frage, mit der sich die Samtgemeindepolitik zurzeit beschäftigt, ist, wann das sein wird. Foto: fw

Ganztagsschule an Grundschule Marschacht erst in einigen Jahren?

Marschacht. Die Grundschulen in Tespe, Stove und der Binnenmarsch sind bereits Ganztagsschulen. Nun fehlt noch die Grundschule Marschacht, für die man die Einführung des Ganztages eigentlich für 2023 ins Auge gefasst hatte. Der Plan könnte nun aber voraussichtlich am Ruhestand der Schulleiterin scheitern.
Schulleiterin mit Beginn des Ganztages im Ruhestand
Im Bauausschuss der Samtgemeinde Elbmarsch als Schulträger hatte man vor einigen Wochen eigentlich über die für den Ganztagsbetrieb notwendigen Umbaumaßnahmen sprechen wollen, denn der Grundschule fehlt beispielsweise bislang eine Mensa. In der Ausschusssitzung hatte Samtgemeindebürgermeister Rolf Roth dann angekündigt, dass die Schulleiterin Susanne Grahn voraussichtlich mit Beginn des Schuljahres 2023/2024, also möglicherweise zur Realisisierung des Ganztagesmodells, das sie mit ihrem Kollegium erarbeitet, in den Ruhestand geht. „Daraus ergibt sich eine gewisse Notwendigkeit zur Verschiebung“, so Roth jetzt im Schulausschuss. Der Umstand, dass die Schulleiterin den Ganztag plane, aber ein Nachfolger ihn dann umsetze, würde er gern vermeiden.
Trotzdem möchte Roth die für den Ganztagsbetrieb notwendigen Umbaumaßnahmen gern schon jetzt anschieben. Dass eine Mensa notwendig ist, sei ebenso unstrittig wie eine Reihe von grundsätzlich Sanierungsmaßnahmen an der Schule, die 1988 eingeweiht wurde.
Diese Arbeiten könne man schon jetzt angehen, etwa den Austausch von Fenstern, Ausbesserungsarbeiten am Dach und Arbeiten an der Heizanlage. „Einen Antrag für die Einführung der Ganztagschule könnte ohnehin erst Ende 2022 gestellt werden, weil vorher das Konzept erarbeitet werden muss. Das müsste dann aber eine neue Schulleitung umsetzen und ob die Stelle überhaupt zeitnah besetzt werden kann, ist ungewiss“, so Roth. Daher solle man doch der neuen Schulleitung die Chance geben, das Konzept zu entwickeln und umzusetzen.
Wenig Begeisterung bei SPD und Grünen
„Diese Idee wird aber wohl nicht bei allen auf Begeisterung stoßen“, vermutete Roth. Dass er damit Recht hat, wurde schon im Ausschuss klar, wo sich lediglich die CDU-Fraktion mit dem Gedanken anfreunden mochte. „In so einem Konzept steckt ja viel Herzblut und ich kann mir nicht vorstellen, dass es funktioniert, das Konzept eines Vorgängers zu realisieren“, appellierte Michael Christiansen.
Widerspruch erntete Roth dagegen bei SPD und Grünen. „Wir haben Bedenken, dass das zu weit geschoben wird und wir können nicht zu lange warten. Das muss doch nicht personenabhängig sein“, appellierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Claus Eckermann, den Ganztag so schnell wie möglich einzuführen. Sein Vorschlag: Sowohl die Baumaßnahmen als auch das Konzept sollen angeschoben werden und um den Raumbedarf zu ermitteln, sollten Schul- und Bauausschuss sich die Schule gemeinsam ansehen.
Auch von den Grünen kam Widerspruch angesichts einer möglichen Verschiebung. „Bis zum Ausscheiden der Schulleiterin vergeht Zeit. Bis eine neue Schulleitung kommt, vergeht Zeit und bis die neue Schulleitung in der Lage ist, ein Konzept zu entwickeln, vergeht noch einmal Zeit. Wir sind klar dafür, das nicht zu verschieben“, so Ausschussmitglied Reno Steller. Andernfalls seien vom Ruhestand einer Beteiligten viele Eltern und Kinder betroffen.
Ganztag hängt stark an Schulleitung
„Es ist eine Zumutung, ein Konzept zu übernehmen“, meinte dagegen Anke Meyn, Schulleiterin der Grundschule Tespe, die ihre Erfahrungen aus der Einführung des Ganztagsbetriebes beisteuerte. Ein Ganztageskonzept sei nun mal stark an die Schulleitung gebunden. Und noch schwieriger werde es, wenn eventuell ein Jahr lang keine Schulleitung da sei, dann müsse das Konzept nämlich das Kollegium umsetzen. Die jetzige Schulleitung in Marschacht würde das von ihr erstellte Konzept nicht leben und werde deshalb auch nicht mit so viel Engagement an die Aufgabe herangehen wie wenn sie selbst es auch in der Umsetzung erleben könnte.
Unterstützung für Meyn gab es vom Samtgemeindebürgermeister, der anführte, dass immerhin der gesetzliche Anspruch auf einen Ganztagsplatz kein Problem sei, weil man den Eltern, die eine Ganztagssschule wollen, einen Schulplatz in Stove oder Tespe anbieten könne.
Eine Einigung fand man nach langer Diskussion in dem einstimmigen Beschluss, erst einmal die Erweiterung und Sanierung auf den Weg zu bringen. Gemeinsam mit Vertretern des Kollegiums und der Elternschaft will man dann in einer Ausschusssitzung über den Zeitpunkt für die Einführung des Ganztags diskutieren. Von Franzis Waber