Begehrte Adressen: Wie hier im Baugebiet Norderbülte in Winsen sind Grundstücke sowie Häuser und Wohnungen zumeist schnell vergeben. Foto: rin

Bei Immobilien ist im Kreis Harburg ein Ende der Preisspirale nicht in Sicht

Winsen. Die Haus- und Wohnungspreise im Landkreis Harburg steigen weiter rasant an – und Immobilien-Experten rechnen damit, dass sich diese Situation nicht entschärfen wird, ganz im Gegenteil: Durch die Pandemie ist der Wunsch nach einem eigenen Zuhause im Speckgürtel der größeren Städte noch einmal deutlich gestiegen. Das findet auch Niederschlag in der neuen Analyse der Landesbausparkassen (LBS).
Seit der letztjährigen Frühjahrsumfrage, die vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland stattfand, haben die Immobilienexperten nahezu sämtliche Preisprognosen noch einmal angehoben. Die Einschätzung der Analysten basiert auf der Erwartung, dass sich das Angebot in allen Marktsegmenten weiter verknappt, während die Nachfrage abermals zunimmt.
Und das schlägt sich in den Gemeinden des Kreises Harburg nieder. So liegt der Mittelwert für eine gebrauchte Eigentumswohnung in Seevetal laut Analyse mittlerweile bei 3250 Euro pro Quadratmeter, das ist eine Steigerung um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Geringer Wertverlust bei Gebrauchten
Tief in die Tasche greifen muss man aber auch in Winsen. Eine Wohnung in einem Reihenhaus-Neubau kostet durchschnittlich 300 000 Euro, kann aber auch schon mal 50 000 Euro teurer sein. Und für gebrauchte Wohnungen sind die Preise nicht viel niedriger.
Den Marktbeobachtern zufolge dürfte vor allem das Kaufinteresse an Bauland sowie älteren freistehenden Einfamilienhäusern in naher Zukunft besonders groß ausfallen. Freie Flächen aber sind knapp – und nicht gerade billig. 220 Euro kostet im Schnitt in Winsen der Quadratmeter.
Viele Experten erwarten eine weiter steigende Nachfrage und somit auch höhere Preise auch für den ländlichen Raum im Umkreis von bis zu anderthalb Stunden um die nächstgelegene Stadt. Denn durch den Lockdown hätten viele Menschen die Erfahrung gemacht, dass sich mittlerweile vieles online erledigen lässt, sagt LBS-Verbandsdirektor Axel Guthmann. „Vor noch gar nicht allzu langer Zeit hätten sie dafür ein Auto bewegt oder wären in den Bus gestiegen.“
Schnelles Internet ist wichtig
Bei der Immobiliensuche sind während der Pandemie laut aktueller Befragung drei Merkmale besonders wichtig geworden: ein schneller Internetanschluss, ein Garten oder Balkon sowie ausreichend Zimmer, um auch einen Homeoffice-Platz einrichten zu können. Da bieten sich die Außenbezirke und das ländliche Umfeld von Städten geradezu an. „Lediglich die weiter abgelegenen Regionen dürften kaum vom Wunsch nach mehr Platz und einer grüneren Umgebung profitieren“, prognostiziert Guthmann.
Der Trend zum Wohnen in den Außenbezirken und auf dem Land zeige einmal mehr, „dass die Menschen Mittel und Wege finden, ihren Traum von den eigenen vier Wänden trotz der misslichen urbanen Preisentwicklung in die Tat umzusetzen.“ Man verbinde das Angenehme mit dem Nützlichen und schaut sich nun im Umland nach einem erschwinglichen Haus mit Garten um. Von Thomas Mitzlaff