Boote verschiedener Rettungsorganisationen waren am Mittwoch auf der Elbe im Einsatz. Foto: Lutz Wreide

Eskapaden einer 18-Jährigen verursachen Großeinsatz an der Elbe bei Laßrönne

Laßrönne. Es sind Alarmierungen, die die Einsatzkräfte elektrisieren, sie an ihre körperlichen Grenzen gehen lassen und bei denen eigentlich keiner aufgeben will: Person in der Elbe vermisst – immer wieder gab es in den vergangenen Wochen diese Situationen, bei denen auch die ehrenamtlichen Retter bis zur Erschöpfung arbeiten. Auch am Mittwoch gab es wieder einen entsprechenden Großeinsatz, diesmal in Höhe Laßrönne. Doch während ein Großaufgebot im und über dem Wasser fieberhaft suchte, saß das vermeintliche Opfer im Zug nach Berlin.
Manche Lagen lassen sich relativ schnell klar einschätzen – etwa wenn ein Ruderboot kentert oder einen Schwimmer die Kräfte verlassen. Und dann sind da noch diese Situationen, die so recht in kein Schema passen wollen und für die die Polizei im Behördendeutsch die Formulierung „es wird in alle Richtungen ermittelt“ geschaffen hat. Mit einem solchen undurchsichtigen Sachverhalt sahen sich die Retter am Mittwoch bei Laßrönne konfrontiert.
Spaziergänger hatten am Vormittag im Schilf am Ufer der Elbe einen angebundenen Hund gefunden, der offenbar ausgesetzt worden war. Erste Ermittlungen ergaben, dass er einer 18-Jährigen aus einem Nachbarort gehörte, die dort in einer Wohngemeinschaft lebte. Angesichts der unklaren Umstände und nicht zuletzt aufgrund des jungen Alters gab es gerade angesichts des letzten Schultages viele Fragezeichen. Und so forderte die Polizei alles an, was tagsüber in Marsch gesetzt werden konnte.
Zunächst suchten die Wasserschutzpolizei mit zwei Booten sowie mehrere Streifenwagenbesatzungen den Bereich rund um den Fundort des Hundes ab. Als dies erfolglos blieb, kamen ergänzend die Feuerwehren Laßrönne und Hoopte dazu, die beide mit ihren Booten anrückten. Desweiteren machte sich der Kreisbereitschaftszug Wasserrettung mit Tauchern der Feuerwehr und der DLRG auf den Weg – allesamt ehrenamtliche Helfer, die dafür ihren Arbeitsplatz verließen oder ihre Freizeit opferten.
Ergänzend dazu rückte die Rettungshundestaffel der Johanniter-Unfallhilfe und des Bundesverbandes Rettungshunde an. Die Hamburger Polizei entsandte einen Hubschrauber, der mit spezieller Suchtechnik ausgestattet ist, sowie eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei. Außerdem war eine Drohne für die Suche aus der Luft im Einsatz.
Mit insgesamt fünf Booten wurde das Areal engmaschig unter anderem mit Sonar abgesucht. Hundeführer übernahmen die Suche an Land und auf dem Wasser. Im Uferbereich einer Landzunge gingen Taucher in die Elbe und suchten den Grund des Flusses ab, während Suchtrupps sich durch das Dickicht der Landzunge kämpften. Doch auch nach mehr als vier Stunden intensivster Suche konnte die junge Frau nicht gefunden werden und die Suche wurde am Mittwoch zunächst erfolglos auf den nächsten Tag verschoben.
So weit aber sollte es letztlich nicht kommen. Denn in der Nacht meldete sich eine Freundin der Vermissten, die die 18-Jährige im Verlauf des Mittwochs im Hamburger Hauptbahnhof gesehen hatte. Auswertungen unter anderem der Videoüberwachung im Bahnhof ergaben, dass die junge Frau in einen Zug nach Berlin gestiegen war. Die Polizei ermittelte Kontaktadressen in der Bundeshauptstadt und an einer davon traf eine Streife die Hundehalterin tatsächlich an.
Bislang sei völlig unklar, warum die 18-Jährige ihren Hund ausgesetzt und sich dann auf den Weg zum Bahnhof gemacht habe, erklärt der Polizeisprecher im Landkreis Harburg, Henning Flader. Die Frau soll jetzt zu den Hintergründen befragt werden.
Die ehrenamtlichen Ermittler schwanken derweil zwischen Erleichterung und auch Unverständnis. Für sie ist klar: Es wird nicht der letzte Einsatz an der Elbe gewesen sein. Denn der Sommer ist noch lang und die Ferien haben gerade erst begonnen. Von Thomas Mitzlaff