Rundgang durch Doras Garten: Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der Urwüchsigkeit der Anlage. Foto: cb

„Doras Garten“ in Karoxbostel eröffnet – Ministerin Otte-Kienast tief beeindruckt

Karoxbostel. Großer Tag an der Wassermühle in Karoxbostel: Im Rahmen ihrer Sommerreise weihte vorgestern Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kienast „Doras Garten“ ein. In Begleitung von Mühlenvereins-Vorsitzender Emily Weede und der Seevetaler Gemeindebürgermeisterin Martina Oertzen durchschnitt sie das rote Band zwischen dem schmiedeisernen Eingangstor. Bei einem ausgiebigen Rundgang mit vielköpfigem Gefolge überzeugte sie sich dann von der Vielfalt und ganz besonderen Atmosphäre auf dem Areal.
Bienen summen um orangefarbene und gelbe Blüten, an den Sträuchern wachsen die Johannisbeeren heran und im Tümpel spiegelte sich der Himmel. Wildblumen säumen die geschwungenen Wege. Auf der Wiese schnattern Gänse, am knorrigen Märchenbuch-Baum gedeihen die Äpfel. Massive Holzbänke und zwei rot-weiß-gestreifte Liegestühle laden zum Verweilen ein. Holzskulpturen von verschiedenen Künstlern stehen im Gras. Auch ein Barfußparcours lockt. Begeistert zogen gleich mehrere Gäste spontan ihre Schuhe und Strümpfe aus, gingen über Kiesel und durch Matsch und freuten sich wie Kinder. „Das hat richtig Spaß gemacht!“ strahlte der Erste Kreisrat Kai Uffelmann.
Wie berichtet, hatten die Ehrenamtlichen des Mühlenvereins den ehemaligen Garten der letzten Mühlenbesitzerin Dora mit großem Elan und viel Sachverstand wieder hergerichtet. Gemüsebeete, eine hölzerne Brücke und Insektenhotels entstanden.
Der ausgezeichnete Garten ist auch Lernort für Schüler
Der Kultur- und Mitmachgarten hatte vorab schon viele Preise erhalten. Er ist unter anderem ein anerkannter Lernort für verschiedene Schulen aus der Umgebung. Die Kinder können hier säen, pflanzen, die Beete pflegen und ernten. Das Gemüse wird gekocht und gemeinsam verzehrt.
Eine Besonderheit ist das Magerrasenbiotop, denn hier wachsen Pflanzen, die nur auf nährstoffarmem Boden gedeihen. 50 Infotafeln mit Fotos erklären die Geschichte des Müllergartens und geben Tipps für das eigene Gärtnern – zum Beispiel über das Anlegen einer Kräuterschnecke. Die Kosten in Höhe von 30  000 Euro hatte die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung übernommen. „Noch nie haben wir so viel Geld für Schilder bewilligt“, erklärte deren Geschäftsführer Karsten Behr. „Der Garten ist eine wunderbare Abrundung des Ensembles. Es ist fantastisch, was hier geschaffen worden ist.“
Historische Gebäude erhalten und neu beleben
Ministerin Otte-Kienast zeigte sich beeindruckt. „Ich war noch nie hier“, meinte sie in ihrer Ansprache. „Wow, was ist das hier für ein schöner Ort, dachte ich schon bei meiner Ankunft.“ Das Motto ihrer Sommerreise laute „Neues Leben in alten Mauern“. An vielen Stellen in Niedersachsen würden engagierte Menschen historische Gebäude erhalten und mit neuem Leben erfüllen. So sei es auch in der Wassermühle in Karoxbostel.
„Ohne die Ehrenamtlichen wären unsere Dörfer nicht lebendig, die Verwaltungen allein hätten das nie hingekriegt“, sagte Otte-Kienast. „Die vielen guten Ideen kommen von den Männern und Frauen, die hier leben.“ Außerdem hatte sie eine gute Nachricht: „Im nächsten Jahr stellt das Land Niedersachsen noch mehr Geld für ländliche Räume zur Verfügung.“
Auch die Seevetaler Bürgermeisterin Martina Oertzen war voll des Lobes für das Projekt: „Die Müllerin Dora wäre so stolz auf euch alle, wenn sie das hier gesehen hätte!“ So viel Kreativität wie in Karoxbostel gebe es wohl nicht überall, ergänzte sie.
Kreisrat Kai Uffelmann, der seit Kurzem auch Kulturdezernent ist, bezeichnet die Wassermühle als Leuchtturm im Landkreis Harburg. Man habe jetzt auch eine Leucht-Mühle. Im Kontext des Denkmals sei der Müllergarten vorbildlich.
Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Wildschwein wurde gebraten und es gab Zeit für einen schönen Klönschnack. Von Christa-M. Brockmann