Pandit Sharad Jee (von links), Imam Shakeel Ahmad Umar Mahmood, Lama Yeshe Gyamtso und Pastor Roland Arndt standen den Klecker Grundschülern Rede und Antwort. Foto: House of SUA Friedensarbeit

Vertreter der Weltreligionen erklären Grundschülern in Klecker ihren Glauben

Klecken. Die Viertklässler der Klecker Grundschule waren mucksmäuschenstill. Vor ihnen standen Vertreter der fünf großen Weltreligionen, alle in festliches Ornat gewandet, und vor allem standen sie Rede und Antwort. Denn die Grundschüler wollte jede Menge über die Religionen wissen – auf ihre kindliche, oft aber sehr treffende Art und Weise.
Im Rahmen einer Projektwoche hatten sich die Kinder mit dem gemeinnützigen Verein House of SUA Friedensarbeit auf diese besondere Fragestunde vorbereitet. Toleranz und Frieden standen ebenso im Mittelpunkt wie das Erforschen des Fremden, das Suchen nach Gemeinsamen und das Klären von Fragen.
„Ich war sehr beeindruckt von den Fragen der Mädchen und Jungen, – wahrscheinlich weil die Fragen so klar und schlicht waren, dass ich selbst noch viel über die anderen Religionen erfahren konnte“, meinte Kleckens neuer evangelischer Pastor Roland Arndt nach der Fragestunde in der Schule lächelnd. Trotz großer Hitze hatte er seinen Talar angelegt, und auch die anderen Glaubensvertreter wie der buddhistische Lama Yeshe Gyamtso, der hinduistischen Priester Pandit Sharad Jee, der jüdische Vertreter Chai Amar und der Imam Shakeel Ahmad Umar Mahmood waren in priesterlicher Tracht erschienen. So bot sich ein doch auch exotisches Bild in der Sporthalle der Schule.
Der rote Punkt, das Kopftuch und das Lila
Wie machen es denn muslimische Frauen, wenn es im Sommer unter ihrem Kopftuch so warm wird? Warum haben Hindus den roten Punkt zwischen den Augen? Was passiert, wenn man die Thora anfasst? Und warum ist Lila die Farbe des Christentums? „Ganz ehrlich, das kann ich euch auch nicht sagen. Vielleicht war die Farbe einfach übrig“, gestand Pastor Arndt ein, dass auch ein Kirchenmann nicht allwissend und unantastbar ist – sehr zur Freunde der Kinder.
Und welche Religion findet Gott am besten? „Wir Christen glauben, dass Gott alle Menschen erschaffen hat. Auch das, was wir glauben, kommt von Gott. Egal, wie wir es glauben – als Muslim, als Buddhist, als Hinduist, als Christ, als Jude. Deswegen haben alle Religionen ihre Berechtigung“, antwortete Pastor Arndt. Der Imam sagte: „Gott hat alle Religionen zu unterschiedlichen Zeiten den Menschen gegeben. Deswegen haben sie so viele Gemeinsamkeiten.“ Und es stellte sich schnell heraus: Das verbindende Element ist der Frieden. Um so unerklärlichen sind die Glaubenskriege, die immer noch geführt werden.
Aufgeschlossenheit und Toleranz
Für die Kinder war das sicher ein spannender Morgen. Sie haben exotisches kennengelernt, Antworten auf Englisch gehört, die übersetzt werden mussten und einen buddhistischen Priester erlebt, der gleich als Hamburger quasi ein Nachbar ist. „Die Kinder hatten sich erstklassig vorbereitet und sind völlig unbefangen und neugierig auf die Religionen zugegangen. Sie wollten einfach ganz viel wissen“, zeigte sich Roland Arndt am Ende sogar ein bisschen überrascht, dass die Kinder so diszipliniert und interessiert mitarbeiteten, ohne dass Lehrer eingreifen mussten. „Es wäre klasse, wenn die Kinder von der Aufgeschlossenheit und der Toleranz viel in ihrem Alltag auch leben dürfen. Berührungsängste mit Fremden haben sie jedenfalls keine mehr.“ Von Kathrin Röhlke