Schon mehr als 1500 Luca-Schlüsselanhänger hat das Team der Tourist-Info in Winsen bereits herausgegeben. „Leider kann der Anhäner in Winsen kaum genutzt werden“, bedauert Cathleen Schulz. Foto: fw

Analoges Gegenstück zur Luca-App wird in der Winsen City kaum akzeptiert

Winsen. Die Gastronomie ist geöffnet, die Innenstädte sind wieder voll. Und daran, die Kontaktdaten in Restaurants, Cafés und beim Friseur anzugeben, hat man sich ebenso gewöhnt wie an die Maskenpflicht.
Füllte man im letzten Sommer und Herbst noch per Hand Zettel aus, um seine Daten zu hinterlassen, zückt man jetzt nur noch das Smartphone, ruft die Luca-App oder die Corona-Warn-App auf und registriert sich mit einem Druck aufs Display. Wer kein Smartphone besitzt, kann sich in vielen Kommunen kostenlos oder für einen geringen Obolus den sogenannten Luca-Schlüsselanhänger besorgen, so auch im Kreishaus in Winsen und im Winsener Rathaus. Mehr als 1500 Exemplare dieses Schlüsselanhängers etwa sind in der Winsener Tourist-Info im Marstall seit Ende Mai bereits verteilt worden.
Wo ist der Anhänger eigentlich nutzbar?
Vor dem ersten Einsatz muss der Schlüsselanhänger registriert werden. Dazu wird ein Internetzugang genutzt, ebenso wie ein Telefonanshcluss zur Bestätigung der Kontaktdaten. Ist der Anhänger registriert, kann er sofort eingesetzt werden – vorausgesetzt, der Anhänger wird auch akzeptiert.
Das ist allerdings nur selten der Fall, beklagte Olga Bock in der Einwohnerfragestunde der letzten Sitzung des Winsener Stadtrates. „Wo ist der Schlüssel-anhänger eigentlich nutzbar? Ich habe bisher keine Stelle gefunden, die ihn akzeptiert“, machte sie ihrem Ärger Luft.
Anmeldung im Kreishaus: Fehlanzeige
In der Tat ist es gar nicht so einfach, in Winsen eine Stelle zu finden, wo der Schlüsselanhänger eingelesen werden kann. Selbst im Kreishaus ist das nicht der Fall. „Eine Anmeldung ist im Kreishaus per QR-Code und Luca-App möglich. Wer kein Smartphone besitzt, kann seine Daten auf Papier hinterlassen“, sagt Bernhard Frosdorfer, Pressesprecher des Landkreises.
„Eine Registrierung ist gar nicht mehr notwendig“, hört man aus dem Winsener Rathaus. Ob die im Zweifelsfall mit dem Schlüsselanhänger möglich wäre, bleibt auch auf Nachfrage unklar. Nicht möglich war es auf jeden Fall bisher, sich per Schlüsselanhänger als Zuhörer bei den Winsener Ratsitzungen zu registrieren. Dort setzte man bislang auf Papier.
Ein kurzer Streifzug durch die Winsener Innenstadt ergibt ein ähnliches Bild: Der Schlüsselanhänger wird nicht akzeptiert, weder in Cafés noch bei Friseuren, wo eine Registrierung weiterhin Pflicht ist. „Wir haben hier schon jede Menge Beschwerden über dieses Thema bekommen“, bedauert Cathleen Schulz von der Tourist-Info.
Die Schlüsselanhänger werden viel nachgefragt, aber wenn die Menschen feststellen, dass sie damit nicht viel anfangen können, kommen die Beschwerden. „Wir können leider auch nicht mehr tun, als das ans City Marketing weiterzugeben“, sagt Cathleen Schulz.
Immerhin: Museum und Freibad sind dabei
Immerhin: Im Freibad in Tespe wird der Anhänger akzeptiert ebenso wie beim Modellbautag, den das Museum im Marstall kürzlich organsisiert hatte. „Da wurde extra der Scanner für die Schlüsselanhänger in Betrieb genommen, aber leider haben die meisten Besucher den Anhänger zuhause gelassen, weil sie ihn bisher nie benutzen konnten“, erzählt die Touristikerin und appelliert an die Geschäftsleute, das Thema noch nicht zu den Akten zu legen, sondern auch das Scannen des Anhängers für ihre Kunden zu ermöglichen. „Schwierig ist das wirklich nicht“, versichert sie.
„Es ist den Geschäftsleuten freigestellt, ob sie die Schlüssel-anhänger akzeptieren oder nicht“, resümiert Markus Trettin von der City Marketing in Winsen. Eine Übersicht über die Betriebe, die den Anhänger akzeptieren, gebe es bislang seines Wissens nicht. Die dürfte momentan wohl auch recht kurz ausfallen. Aber vielleicht ist ja noch Luft nach oben. Von Franzis Waber

Hintergrund So funktioniert der Schlüsselanhänger Der Schlüsselanhänger kann, sobald sein Besitzer sich registriert hat,mit einem Handscanner, aber auch mit einem Tablet oder einen Smartphone gescannt werden. Damit sind die per Anhänger registrierten Kontaktdaten des Besuchers erfasst. Der Anhänger liefert allerdings auch eine Sicherheitslücke: Der auf den Schlüsselanhänger aufgedruckte QR-Code ist unveränderlich, quasi ein Fingerabdruck des Besitzers. Mit einem Bild dieses QR-Codes ist es bereits gelungen, die Bewegungshistorie der Besitzer aus den letzten 30 Tagen auszulesen, und zwar ohne besondere Kenntnisse. Inzwischen ist diese Sicherheitslücke aber den Luca-Machern zufolge geschlossen worden.