Hamburg. Hat Heinz Strunk plötzlich die Seiten gewechselt? Weg von den eher düsteren Beschreibungen meist trister Lebensrealitäten, hin zu lockerleichten, rosaroten Liebesgeschichten? Obwohl das neue Werk des Hamburgers ein Liebesroman ist, können die Fans seiner Kunst beruhigt sein: Heinz Strunk bleibt sich treu und wechselt nicht zu sonnigen, blumigen Geschichten. „Das würde, glaube ich, nicht meine Spezialität sein“, sagt der 59-Jährige. Das Buch „Es ist immer so schön mit dir“ beschreibt eine katastrophale Liebe.
Im Mittelpunkt des im Hamburger Rowohlt-Verlag erschienenen Romans steht ein einst aufstrebender Musiker, dem der nachhaltige Erfolg allerdings nicht gelungen ist. Stattdessen hält er sich nun mit seinem Ein-Mann-Tonstudio über Wasser. Der Roman sei deshalb durchaus in diesem Nebenstrang eine Art Mini-Fortsetzung von „Fleisch ist mein Gemüse“, sagt Strunk dazu.
Doch es geht weniger um die Karriere als Musiker, die ist ja auch tot. Stattdessen sind Beziehungen zu Frauen nun die neue Herausforderung, die der Protagonist in seinen Vierzigern aber auch nur so mäßig meistert. Seine langjährige Beziehung zu Julia langweilt ihn so sehr, wie er sich auch selbst langweilt.
Und dann taucht plötzlich Vanessa auf. Deutlich jünger, dünner und irgendwie total anders. Er ist fasziniert, überfordert und kann dennoch nicht loslassen. Also verstrickt er sich mit ihr in eine durchaus ungesunde Beziehung voller Zweifel, Machtspiele, Unterwürfigkeit, Sehnsucht, Abscheu, unerwartetem Glück und der totalen Zerrissenheit zwischen all diesen Seiten.
Dabei spart Strunk nicht mit den für ihn üblichen Beschreibungen der Menschen, der Räume, der Gefühle und der dazugehörigen abgründigen Gedanken. Die sind vor allem düster, unschön bis hässlich und meist recht beklemmend. „Eigentlich ist meine Sicht auf die Menschen gar nicht so schlecht, sondern realistisch“, sagt Strunk auf die Frage, ob er Menschen vielleicht nicht so recht mag. Auch seine Grundeinstellung zum Leben sei nicht grundsätzlich negativ. „Obwohl ich ein grundsätzlich eher schwermütigeres Naturell habe, bin ich aber kein Pessimist“, sagt der Schriftsteller.
„Es ist immer so schön mit dir“ sollte nun eine neue Seite von Heinz Strunk zeigen. „Ich mache ja mit jedem Buch irgendwie ein neues Fass auf.“ Und mit dem Liebesroman wollte er „dem unendlichen Kanon der Liebesgeschichten im weitesten Sinne irgendwie eine Facette hinzufügen, die es so vielleicht noch nicht gegeben hat.“ Schweigen, Ohnmacht, Verzweiflung und ewige Leidensverlängerung – er wollte das Innenleben einer Beziehung erzählen, das gar nicht so unüblich sei.
Zum Teil habe auch dieses Buch wieder biografische Züge. Aber eben nicht alles. „Das ist im Grunde das komprimierte Erleben aus 40 Jahren Liebesleben und Beziehung.“ Bis 2012 habe er sich für seine Bücher noch aus seinem biografischen Fundus bedient. „Die Erlebnisdichte meines Lebens ist nicht sonderlich hoch. Da muss man dann eben auch in der Lage sein, das zu fiktionalisieren; sich was auszudenken.“ Auch die Frauen in seinem Roman haben deshalb keine konkrete Frau zum Vorbild. „Sie sind die Summe aus vielen.“
Strunk arbeitet diszipliniert: „Ich stelle mir immer meinen digitalen Eierwecker. Der steht gerade auf genau 61 Minuten. Und verordne mir genau vier Arbeitseinheiten à eine Stunde, wenn ich im Schreibmodus bin.“ Dabei schreibe er am liebsten am Laptop in seinem braunen Wohnzimmersessel seiner Wohnung in Hamburg-Altona. Von Christiane Bosch
