Anstatt weiterer Container wird in Tespe, wo Kita-Plätze Mangelware sind, im September ein Wald-Kindergarten eröffnet. Foto: fw

Wald-Kita: 15 Tesper Kinder verbringen Vormittage von September an in einem Wald am Niedersachsenring

Tespe. Im September wird er eröffnet: Der neue Waldkindergarten in Tespe. Der Träger der Einrichtung, AWO, der auch die Kita an der Schulstraße betreibt, hat die Einrichtung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Samtgemeinde, die für einen erforderlichen Bohrbrunnen sorgte, relativ kurzfristig ermöglicht, um dem Mangel an Kindergartenplätzen in Tespe abzuhelfen.
Der Bauwagen für den Kindergarten wird pünktlich Ende August geliefert, inklusive Stromanschluss und Komposttoilette. Doch der Bauwagen wird von den Kindern ohnehin nur bei Sturm oder extremer Kälte genutzt. Das Leben in einer Wald-Kita findet vor allem draußen statt, um den Wald zu jeder Jahreszeit zu entdecken – für manche Eltern gewöhnungsbedürftig, aber für Kinder ein echtes Erlebnis. Sie sammeln bei der Beobachtung von Pflanzen und Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum spielerisch Wissen über ökologische Zusammenhänge und jahreszeitliche Zyklen, wissen die Waldpädagogen.
Das Gelände wird zurzeit kinderfreundlich hergerichtet: Es entstehen ein Sandbereich zum Spielen und eine gemütliche Sitzecke zum Lümmeln. „Der Wald ist unser Gruppenraum“, erklärt Sina Braumann, die den Waldkindergarten leiten wird. „Er bietet unzählige Möglichkeiten zum Spielen. Die Kinder entdecken dort natürliche Strukturen wie Wurzeln, Moos, Rinde und Steine und stehen im direkten Austausch mit der Natur. So lernen sie, die Natur zu respektieren und rücksichtsvoll mit ihr umzugehen.“
Ab September 2021 werden 15 Kinder zwischen drei und sechs Jahren von zwei Erzieherinnen und einer Vertretungskraft täglich von acht bis 13 Uhr im Waldkindergarten betreut. Die Erzieher bringen Erfahrungen mit der Waldpädagogik mit, denn die unterscheidet sich von der Pädagogik eines ganz normalen Kindergartens. „Waldkindergärten sind eigene Bildungsorte. Ihr Konzept beruht darauf, dass die Kinder vielfältige Umwelterfahrungen machen und in der Natur ihre Grenzen ausloten. So bekommen sie ein Bewusstsein für kleine Gefahren und entwickeln sich zu selbstwirksamen Menschen. Die natürlichen Materialien ihrer Umgebung regen ihre Kreativität und Fantasie so an, dass wir Spielzeug nur sehr selten einsetzen“, erklärt Sina Braumann.
Freude über das Projekt herrscht auch im Gemeindebüro. „Wir freuen uns über das neue Betreuungsangebot und haben uns gemeinsam mit der AWO gern für das Angebot eines Waldkindergartens engagiert“, sagt Gemeindedirektor Jörg Werner. Die Idee sei aber nicht nur dem Mangel an Betreuungsplätzen geschuldet, sondern soll ein naturnahes Angebot bieten. Besonders freut sich Werner darüber, dass sowohl Fachkräfte als auch Eltern das Projekt unterstützen. Wer sein Kind anmelden möchte, kann das per E-Mail an tun.
Warten auf einen Waldkindergarten muss dagegen noch die Nachbargemeinde Marschacht. Dort hatte Bürgermeister Heiko Scharnweber einen kleinen Wald in der Nähe der Marschachter Kita Am Zentrum für den Betrieb einer solchen Kita vorgesehen. Das Waldstück in Marschacht erwies sich allerdings als nicht groß genug für das Projekt. Ganz aufgeben möchte auch Scharnweber das Projekt nicht. Auf erste Erfahrungen kann er demnächst aus der Nachbargemeinde zurückgreifen. Von Franzis Waber