Die Sanierung des Ilmenau-Sperrwerkes läuft nach Plan. Sie ist ein Teil des Hochwasserschutzes für die Stadt Winsen. Foto: NLWKN

Hochwasser und Starkregen können auch Winsen treffen – Für Schutz sorgen viele Akteure

Winsen. Anfragen danach, wie sich Winsen vor Naturkatastrophen und Elementarereignissen wie Hochwasser oder Starkregen schützt, gab es unter dem Eindruck der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Winsener Rathaus häufig. „Solche Naturkatastrophen sind besondere Herausforderungen, denen man nur gemeinsam und nicht mit einer Garantie für uneingeschränkte Schadlosigkeit begegnen kann“, so Bürgermeister André Wiese jetzt in einer Pressemitteilung.
Um die Winsener Bevölkerung vor solchen Elementarereignissen zu schützen arbeiten viele Akteure Hand in Hand. Denn Elbe, Ilmenau und Luhe bescheren der Stadt nicht nur jede Menge reizvoller Plätze, sondern eben auch Gefahr durch das Wasser. Deichsicherung und Deichverteidigung entlang der drei Flüsse liegen in der Hand der Deich- und Wasserverbände, mit denen die Stadt kooperiert. Sowohl der Deich- und Wasserverband Vogtei Neuland, der ab Hoopte stromabwärts zuständig ist, als auch der Artlenburger Deichverband, der die Deiche von Avendorf bis Hoopte betreut, haben die Aufgabe, die niedrig liegenden Gebiete der Stadt vor Sturmfluten zu schützen. Dazu unterhält er Deiche an der Elbe, der Luhe und der Ilmenau.
Aufgabe des Verbandes ist es, sicherzustellen, dass die Deiche zu jeder Zeit ihren Zweck erfüllen und das Land vor einer Sturmflut schützen. Zusätzlich betreiben die Verbände Siele und Schöpfwerke, die Wasser aus dem Hinterland in Richtung Elbe pumpen. Jedes Jahr gibt es zwei Deichschauen, an denen auch Vertreter der Stadt teilnehmen und sich vom Stand der Deiche überzeugen. Derzeit wird (der WA berichtete) ein Rahmenentwurf für die Erhöhung der Elbdeiche erstellt, Neu- und Ausbauplanungen für die Verwallungen entlang der Luhe laufen. Darüber hinaus wird das Ilmenau-Sperrwerk für rund 12,5 Millionen Euro instand gesetzt und nacherhöht, um die Stadt zu schützen.
Regenrückhaltebecken müssen sein
Investiert wird aber auch an anderer Stelle, etwa in die insgesamt 24 Regenrückhaltebecken, die bei Starkregen vorsorgen. „Wenn und weil sie leer sind, wird ihr Bedarf gelegentlich infrage gestellt, auch weil die Region seit vielen Jahren nicht von Gefahren durch Wasser betroffen war“, erklärt Wiese. Doch die Becken sind unerlässlich, ebenso wie die Pflege und Unterhaltung von Flutmulden und Entwässerungsgräben, von Regenwasserkanälen und Rechen und anderen Einrichtungen zur Ableitung, Versickerung und Abgabe des Regenwassers.
Zur Vorsorge gehören auch die städtischen Schöpfwerke, die Hochwasser kontrolliert ableiten. Eines der wichtigsten Schöpfwerke wird für die Osterwiesen-Verwallung betrieben. Zuletzt wurde ein Schöpfwerk am Schwarzen Graben neu errichtet, damit im Hochwasserfall eine Entwässerung großer Teile des Stadtgebietes über diesen Graben in die Luhe gewährleistet bleibt. Darüber hinaus findet alle zwei Jahre eine Hochwasserschutzübung am Übergang vom Pattenser Graben in die Luhe statt, bei der mittels mobiler Pumpen Wasser aus dem Graben in die Luhe geleitet wird.
Mit Übungen bereiten sich auch die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt regelmäßig auf Hochwasser- und Starkregenereignisse vor. Im Ernstfall erfolgt ihre Alarmierung in Winsen weiterhin teilweise durch Sirenen, von denen insgesamt 42 über das Stadtgebiet und die Ortsteile verteilt sind. Diese Feuerschutzsirenen, die auch vom Landkreis allgemein für den Katastrophenschutz nutzbar sind, werden von der Stadt weiter erhalten und unterhalten. Nachdem der Bund, der sie ursprünglich als Zivilschutzsirenen finanziert und betrieben hat, dafür nicht mehr aufkommen wollte, hat die Stadt sie in den 1990er Jahren übernommen und sorgt für ihre Erhaltung. Vor Hochwasser schützen aber auch Maßnahmen zur Gewässerrenaturierung wie an der Luhe in den vergangenen Jahren oder die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten.
Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure ist bei allen Maßnahmen aber die wohl wichtigste. „In der Gesamtschau fühlen wir uns in Winsen aber gut gewappnet, auch gegen zunehmend extreme Wetterereignisse. Ergänzend wird es wichtig sein, die gute Zusammenarbeit zwischen allen Institutionen zu erhalten und auch in Winsen unseren Beitrag zu einem wirksamen Klimaschutz zu leisten. Uns allen muss klar sein, selbst bestmögliche Vorsorge garantiert keinen hundertprozentigen Schutz. Auch deshalb ist es wichtig, dass unter anderem die Frage der Eigenvorsorge jedes einzelnen in den Blick genommen wird. Hierzu planen wir im nächsten Jahr verschiedene Veranstaltungen in der Stadt und den Ortsteilen durchzuführen“, kündigte Wiese jetzt an. fw