Kreistag bereitet Einsatz von stationärer Lüftungstechnik in Klassenzimmern vor

Landkreis. Im Landkreis Harburg wird man, um die Schulen im kommenden Schuljahr sicher zu machen, auf stationäre Lüftungstechnik setzen, lässt aber mobile Luftreiniger nicht komplett außen vor. Das entschied jetzt der Kreistag mit Mehrheit.
Der Entscheidung vorangegangen war nicht nur eine einstimmige Empfehlung des Kreisausschusses, sondern auch eine Recherche der Abteilung Gebäudewirtschaft unter ihrem Leiter Jörn Petersen. Nach dem Probebetrieb eines mobilen Luftreinigers im Gymnasium Meckelfeld (der WA berichtete), der weder von Schülern noch von Lehrern positiv bewertet worden war, setzt man in der Gebäudewirtschaft nun auf stationäre raumlufttechnische Anlagen, die im Rahmen der Bafa-Förderung des Bundes für Kinder unter zwölf Jahren mit 80 Prozent gefördert werden.
Hälfte des Fördertopfes ist schon ausgeschöpft
„Die Hälfte des Fördertopfes ist bereits ausgeschöpft“, berichtete Peters. Da für die Förderung die Regel „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ gilt, habe man bereits Anträge für alle 25 Schulen unter der Trägerschaft des Landkreises gestellt. In den Schulen sollen die Klassenräume der fünften und der sechsten Klassen sowie die Fachunterrichtsräume ausgestattet werden. Insgesamt seien das rund 540 Räume. Pro Standort ist der Landkreis bestrebt, die Höchstsumme von einer halben Million Euro auszuschöpfen, daher könnten 110 Räume zusätzlich ausgestattet werden. 25 000 Euro veranschlagt der Landkreis dabei pro Klassenraum, die Gesamtkosten für die Einbauten werden mit gut 16,3 Millionen Euro veranschlagt.
„Bei einer 80-prozentigen Förderung bedeutet das, dass der Landkreis rund 3,8 Millionen Euro zu finanzieren hat“, berichtete Landrat Rainer Rempe. Man habe sich allerdings entschlossen, die mobilen Luftreiniger durch eine weiche Formulierung nicht komplett aus den Planungen zu streichen, um sich alle Möglichkeiten offen zu halten. „Grundsätzlich bin ich kein Freund von mobilen Anlagen, aber da die Förderrichtlinie des Landes bisher unbekannt ist, sollten wir uns auch diese Option offen halten“, so Rempe.
Landrat froh über Meckelfelder Probelauf
„Ich bin froh über den Probelauf in Meckelfeld, auch wenn er gezeigt hat, dass der mobile Filter nicht angenommen wurde. Raumlufttechnische Anlagen sind ohnehin die bessere Alternative“, konstatierte Angelika Gärtner von den Freien Wählern, die den Probebetrieb des mobilen Gerätes in Meckelfeld initiiert hatten. Dass seine Fraktion von den mobilen Geräten ebenfalls nicht viel hält, machte Hans-Heinrich Aldag für die CDU klar und bescheinigte diesen Lösungen hohe Kosten und eine zweifelhafte Wirkung.
Mobile Anlagen komplett auszuschließen halte er nicht für die richtige Lösung, erklärte Lars Heuer von der SPD. „Es gibt ja eventuell auch Schulen, in denen fest installierte Anlagen nicht möglich sind. Dafür sollten wir die Mobilgeräte nicht pauschal ausschließen“, so Heuer. Unterstützung bekam er von Willy Klingenberg, der die Entscheidung der Hamburger Schulen für mobile Geräte anführte: „Ich halte die Hamburger nicht für so naiv, dass sie nicht wissen, was sie tun“. Vor allem in Sachen Kosten müsse man noch einmal auf die endgültige Rechnung sehen.
Bock: Mobile Anlagen sind kontraproduktiv
Der Winsener CDU-Politiker André Bock machte dagegen klar, dass er nichts von den mobilen Lösungen hält: „Mobile Lüfter sind kontraproduktiv. Das Virus wird nur umgewälzt“, so Bock. Außerdem seien die Schulen ohnehin schon pandemiefest durch die Maßnahmen, die bereits im ersten Halbjahr gegolten hätten. Lüften und die anderen Hygienemaßnahmen seien nach seiner Ansicht ausreichend.
Dass diese Sicht nicht von allen CDU-Fraktionsmitgliedern geteilt wird, stellte der Fraktionsvorsitzende Aldag fest. „Wir sollten die mobilen Anlagen nicht absolut ablehnen“, plädierte er dafür, dem Landkreis alle Möglichkeiten offen zu halten, vor allem auf weitere Fördermöglichkeiten durch das Land, deren genaue Modalitäten demnächst erwartet werden. Dem schloss sich auch Landrat Rempe an: „Wir werden auch Alternativen im Blick behalten müssen“.
Ende 2022 könnte Einbau beendet sein
Geplant ist nun, wenn die Förderung genehmigt ist, die Schulen im kommenden Jahr mit raumlufttechnischen Anlagen auszustatten. Eine erste Planung geht davon aus, dass etwa 60 Anlagen pro Monat installiert werden können, sodass Ende 2022 die Arbeiten abgeschlossen sind – vorausgesetzt, die Anlagen sind lieferbar. „Der Run auf das Programm geht jetzt los, deshalb sollten wir möglichst schnell agieren“, stellte Landrat Rainer Rempe fest. Den Startschuss für diese Bemühungen gab der Kreistag. Von Franzis Waber