Thomas Mitzlaff. Foto: t&w

Von Woche zu Woche: Die Lauten und die Leisen

E14s sind merkwürdige Wochen und Monate, in denen wir derzeit leben, im Großen wie im Kleinen. Da ist die Politik, die mit viel Getöse versucht, einen einigermaßen ansprechenden Bundestagswahlkampf auf die Beine zu stellen, sich aber sowohl mit den Kandidaten als auch mit den Themen eigentlich mehr oder weniger blamiert. Und da sind diese Themen, die Tag für Tag gepuscht werden von der „großen“ Politik, im Netz und auch von vielen Medien, und bei denen sich die Redakteure einer lokalen Tageszeitung täglich wieder fragen, welchen Stellenwert sie denn wirklich einnehmen in der Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort. Und damit verbunden die Frage, ob und in welchem Umfang man sie aufgreifen muss.
Da ist zu allererst das Thema Corona-Impfung, an dem man nicht vorbeikommt. Es betrifft jeden, in zig Alltagssituationen. Ist es richtig, dass Ungeimpfte Nachteile erfahren, und wenn es nur das künftige Bezahlen der Tests ist? Wie weit dürfen welche Einschränkungen für wen gehen? Mit großem Getöse wird da derzeit in gewissen Kreisen diskutiert und protestiert.
Doch gibt es tatsächlich diese aufgeregte Diskussion auch unter den „normalen“ Bürgern, oder sind es wenige, die mit viel Lärm Aufmerksamkeit erregen? Rund 60 Prozent der Menschen im Landkreis Harburg haben mittlerweile zumindest ihre Erstimpfung erhalten. Das ist ein deutliches Votum: Sie wollen sich und ihr Umfeld schützen und Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Von dieser Mehrheit hört man zumeist nichts, sie hat sich einfach die Spritze geben lassen. Im Rampenlicht stehen nur jene, die sich zum Teil Querdenker nennen oder jegliche Vorsorge ablehnen. Nur eine lautstarke Minderheit?
Es ist immer wieder die Geschichte von den Lauten und den Leisen, mit denen sich eine Tageszeitung konfrontiert sieht. Da sind jene, die mächtig auf den Putz hauen und dafür viel Aufmerksamkeit bekommen, auch in den Medien. Und dann sind da die anderen, bei denen einen so ganz leise der Verdacht beschleicht, dass sie die schweigende Mehrheit sein könnten – sei es beim Impfen oder auch beim Gendern – eine Debatte, die längst aus dem Ruder gelaufen ist und absurde Züge angenommen hat.
Gerade in diesen Zeiten ist es für die Lokalzeitung eine ganz besondere Herausforderung und Verantwortung, genau hinzuschauen und auch das Maß zu wahren. Dinge einzuordnen und nicht im Mainstream der Aufgeregtheit mitzuschwimmen. Wir müssen Orientierung geben, und den Menschen vor Ort auch erklären, was wichtig wird für sie um ihren Kirchturm herum. Das gelingt uns an manchen Tagen besser, an manchen nicht so gut.
Und wir freuen uns über jede Rückmeldung unserer Leser, was sie tatsächlich bewegt in diesen turbulenten Wochen. Von Thomas Mitzlaff