Jährlich 20 Millionen Kubikmeter Elbwasser, das oberhalb der Staustufe entnommen wird, sollen dem Grundwasserspiegel in der Nordheide helfen, schlug die LKR-Fraktion im Kreistag vor. Foto: fw

LKR möchte durch eine Versickerung den Grundwasserstand wieder anheben

Landkreis. Seit 1982 fördert Hamburg Wasser Grundwasser in der Nordheide, um die Versorgung der Hamburger mit Trinkwasser sicherzustellen. Laut Hamburg Wasser stammen 13 Prozent der gesamten Wasserförderung aus dem Wasserwerk Nordheide. In der Nordheide sorgt man sich daher um den Grundwasserpegel. Das nahm nun die Fraktion LKR (Liberal-Konservative Reformer) im Kreistag zum Anlass für den Vorschlag, das Grundwasser durch Elbwasser aufzustocken.
Die amtlichen Messstellen im Landkreis weisen seit Jahren sinkende Grundwasserpegel in der Nordheide auf, heißt es im entsprechenden Antrag der LKR. So sei der Pegel innerhalb von zehn Jahren zwischen 2009 und 2019 in Handeloh um rund 1,5 Meter abgesunken, in Wesel um rund einen Meter. Für die Landwirte der Region würde das bedeuteten, dass sie künftig mit einem zugeteilten Kontingent zur Bewässerung ihrer Felder auskommen müssten, referierte Wolfgang Mader im Kreistag. „Der Wasserhunger Hamburgs geht zu Lasten des Landkreises Harburg“, so Mader. Um den Grundwasserspiegel sicherzustellen, soll, so die Forderung der LKR, Wasser aus der Elbe in der Nordheide versickert werden.
20 Millionen Kubikmeter Elbwasser für die Heide
Der Vorschlag der LKR-Kreistagsfraktion: Aus der Elbe sollen jährlich 20 Millionen Kubikmeter Flusswasser oberhalb der Staustufe Geesthacht entnommen werden. Diese Menge entspreche rund 0,09 Prozent des jährlichen Durchflusses von 22,9 Milliarden Kubikmeter der Elbe und sei daher als unkritisch zu bewerten, zumal ab der Staustufe Geesthacht aufgrund des Tideeinflusses ohnehin keine Wasserknappheit zu befürchten sei. Das entnommene Wasser sei in geeigneter Weise aufzubereiten und dann an 20 bis 40 Versickerungsstellen im Landkreis zu bringen, so der Antrag der LKR. Die Kreisverwaltung solle damit beauftragt werden, unverzüglich in Verhandlungen mit der Stadt Hamburg zu treten und eine entsprechende Übereinkunft zu treffen, forderte Mader.
Dass eine solche Lösung funktionieren könne, zeige die Tatsache, dass die Versickerung von aufbereitetem Flusswasser im Rhein-Main-Gebiet eine seit 20 Jahren erprobte Praxis sei. Dort habe man die angespannte Grundwassersituation im Rhein-Main-Dreieck auf diese Weise zur Zufriedenheit aller gelöst. In einem Ergänzungsantrag hatte die LKR gefordert, dass die Kreisverwaltung Kontakt zu den Verwaltungen in Hessen aufnehmen sollte, um Erfahrungen auszutauschen.
Gewässerbewirtschaftung ist hochkomplex
Die Landkreisverwaltung hatte den Anträgen der LKR in ihrer Stellungnahme eine Absage erteilt. Der Landkreis habe die Aufgabe, die Gewässer, und damit im Wesentlichen das Grundwasser als nutzbares Gut zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften. Ein zentrales Instrument dafür seien die wasserrechtlichen Zulassungen, die aufwendige Begutachtungen erfordern. Hier stehen, so die Kreisverwaltung, viele Faktoren miteinander in Wechselwirkung und aus den Einzelkomponenten ergebe sich ein hochkomplexes Datenbild. „Vereinfacht kann festgehalten werden, dass wasserrechtliche Zulassungen für Grundwasserförderungen dann zu erteilen sind, wenn der Bedarf nachgewiesen wurde und genug Wasser zur Verfügung steht – das ist im Landkreis derzeit der Fall“, heißt es in der Stellungnahme.
Digitales Management soll eingeführt werden
Man habe daher begonnen, ein Digitales Gewässermanagementsystem (DGM) zu installieren, um den zunehmend komplexeren Anforderungen an die Gewässerbewirtschaftung weiterhin Rechnung tragen zu können. Um die Folgen der klimatischen Entwicklung für das Grundwasser zu beleuchten, sei zudem ein komplexes Projekt in Planung, das auch ein Handlungskonzept vorsieht, das sich etwa mit der Substitution der Grundwassernutzung beschäftigt. Fazit der Stellungnahme: Die Gewässerbewirtschaftung ist ein hochkomplexes Thema, das mit der Entnahme und Versickerung von Elbwasser nicht gelöst werden kann.
Dieser Einschätzung schlossen sich auch die anderen Fraktionen im Kreistag an. „Die Stellungnahme der Verwaltung geht weit über den Antrag der LKR hinaus“, kündigte etwa Christa Beyer (SPD) an, dass ihre Fraktion dem Antrag der LKR nicht zustimmen werde. „Wenn man schon Flusswasser aufbereitet, warum sollte man das nicht gleich als Trinkwasser an Hamburg liefern?“, fragte Volkmar Block (Grüne). Willy Isermann (CDU) stimmte der LKR zwar grundsätzlich zu, dass man Wasser zurückführen müsse, verwies aber darauf, dass die Verwaltung das umfassend prüfen müsse.
Auch das Ansinnen der LKR, dass alle Punkte des Antrages einzeln abgestimmt werden sollen, sorgte für eine rege Diskussion, der der Ratsvorsitzende Rudolf Meyer allerdings ein recht schnelles Ende bereitete. Letzlich lehnte der Kreistag beide Anträge der LKR mit Mehrheit ab und votierte für den Weg der Kreisverwaltung, die Gewässerbewirtschaftung vor allem im Hinblick auf den Klimawandel zukunftssicher aufzustellen. Von Franzis Waber