Ein echtes Kleinod ist das Deichvorland der Elbe, das im März zwischen Avendorf und Bunthäuser Spitze unter Schutz gestellt wurde. Spürbar ist die Unterschutzstellung bisher allerdings kaum. Foto: fw

Die neuen Verbote an der Elbe gelten seit einem halben Jahr – doch sie werden weitgehend ignoriert

Elbmarsch. Die Befürchtungen in der Bevölkerung waren groß, als vor einigen Jahren die Pläne bekannt wurden, das Deichvorland zwischen Avendorf und Bunthäuser Spitze zum Naturschutzgebiet zu machen. Seit dem 1. März sind die Verordnungen nun in Kraft, also knapp ein halbes Jahr lang. Und wer nicht weiß, dass er sich im Deichvorland innerhalb eines Naturschutzgebietes bewegt, der erfährt das dort auch nicht. Passiert ist nämlich in der Praxis bisher gar nichts.
Das Deichvorland dürfe nicht mehr betreten werden, die beliebten Gassi-Routen für Hundebesitzer seien verloren, die Bade- und Angelparadiese am Elbstrand sowieso. So klang es vor rund zwei Jahren, als die Gegner der beiden Naturschutzgebiete „Tideelbe“ und „Elbniederungen“ einige Tausend Unterschriften sammelten, um gegen die Pläne der Kreisverwaltung zu protestieren. Die Naturschutzgebiete nehmen den Anwohnern der Elbdörfer den Erholungsraum, war oft zu hören. Die Wogen schwappten über Monate hoch und die Stimmung war giftig.
„Patrouillendienst“ der Samtgemeinde
Auf der anderen Seite gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Beschwerden über Hunde, die im Deichvorland unangeleint herumlaufen, den Bodenbrütern das Brüten unmöglich machen und für „Tretminen“ im Gelände sorgen. Über Müll, der vor allem an den Elbstränden von feiernden Menschen hinterlassen wird und über Erholungssuchende, die im Deichvorland ihre Zelte aufschlugen – außerhalb der offiziellen Campingplätze. Vor einigen Jahren hatten sich die Samtgemeinde Elbmarsch und die Gemeinden zusammengetan und für die Sommermonate einen „Patrouillendienst“ installiert und finanziert, der die Erholungssuchenden an der Elbe auf die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens erinnerte.
Nun ist das Deichvorland mit einigen wenigen Ausnahmen ein Naturschutzgebiet. Spürbar ist davon allerdings nichts. Wer nach einer entsprechenden Beschilderung sucht, wird enttäuscht. Das soll sich demnächst ändern, heißt es aus dem Winsener Kreishaus: „Eine Beschilderung der beiden Naturschutzgebiete an der Elbe ist geplant und erfolgt in der nächsten Zeit“.
Wer damit gerechnet hatte, dass sich die Nutzung des Deichvorlandes mit Inkrafttreten der Naturschutz-Verordnung ändert, muss auch da feststellen, dass das nicht der Fall ist. „Ich sehe, wenn ich aus dem Fenster schaue, Hundebesitzer, die im Deichvorland herumstreifen. Das ist nicht anders geworden“, sagt etwa Hans-Peter Meyn, Landwirt aus Marschacht, der aus dem Wohnzimmerfenster seines alten Bauernhauses freie Sicht auf das Marschachter Deichvorland hat. Den Eindruck bestätigen auch andere Elbmarscher. „Hunde ohne Leine und weitab von jedem Weg sind weiterhin an der Tagesordnung“, erzählt eine Dragerin, die ihren Vierbeiner vorschriftsmäßig an der Leine führt. Konsequenzen sind bisher auch kaum zu befürchten.
Polizei will vermehrt Streife fahren
Auch das soll sich demnächst ändern. „Sobald in den Naturschutzgebieten Schilder stehen, werden wir dort auch vermehrt Verstößen gegen die Naturschutzgebietsverordnung nachgehen. Auch die Polizei Winsen will dann vermehrt Streife fahren“, heißt es von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Immerhin: Die Polizei sei in diesem Jahr schon mehrfach vor Ort gewesen, „wenn es um grundsätzliche Verstöße ging – Zelten, mit Pkw befahren, Lagerfeuer, Hunde in der Brut- und Setzzeit“. Problematisch wird es, und das wissen die Elbmarscher genau, wenn solche Verstöße am Wochenende passieren. Dann ist die Polizeistation in Marschacht nicht besetzt und die Winsener Polizei ist mit wenig Personal versehen.
In Sachen Müll am Elbufer müssen, so die Naturschutzbehörde, die Zuständigkeiten mit der Samtgemeinde noch geklärt werden. Da seien beide, nämlich der Landkreis und die Samtgemeinde, weiterhin in der Verantwortung. Das sieht man in der Samtgemeinde allerdings anders. Die Finanzierung des „Patrouillendienstes“ hat man in diesem Jahr aufgegeben, da die Samtgemeindeverwaltung in einem Naturschutzgebiet schlicht nicht mehr verantwortlich ist. „Wir sind nicht mehr zuständig“, ist zumindest der Informationsstand von Samtgemeindebürgermeister Rolf Roth.
Dass ein Naturschutzgebiet ohne jede Begleitung nicht funktionieren kann, ist aber scheinbar inzwischen einigen Beteiligten aufgegangen. „Aktuell erhalten wir aus verschiedenen Richtungen Forderungen zur Einrichtung einer Landschaftswacht“, erklärte die Naturschutzbehörde in Winsen. Zuständig für die Umsetzung sieht man hier aber die Politik, „die schlussendlich über die Einrichtung einer Landschaftswacht entscheiden müsste“. Man nehme die Forderungen aber ernst und sei dabei, Informationen aus anderen Gebieten einzuholen, in denen heute bereits Ranger eingesetzt werden. Von Franzis Waber