Regionale Heidelbeeren stehen in Konkurrenz zu osteuropäischen Früchten - das nutze der Einzelhandel aus, kritisieren die Anbauer. Foto: rin

Heidelbeeren: Regionale Anbauer werfen Handel „Erpressung“ und Preisdumping vor

Winsen. Der Regen kam einfach zu früh. Zwar hatten die Landwirte im Kreis Harburg Ende vergangener Woche im wahrsten Sinne nochmal richtig Gas gegeben, weil der Wetterbericht deutlich feuchtere Tage vorhergesagt hatte. „Aber ich habe auf meinem Hof erst rund ein Drittel ernten können“, schildert Kreislandwirt Martin Peters. Jetzt heißt es Warten auf ein paar trockene Tage – verbunden mit der Hoffnung, dass die Qualität des Weizens so gut bleibt, dass er als Backweizen verkauft und nicht zum Futterweizen herabgestuft werden muss.
Es ist ein Auf und Ab in den vergangenen Monaten, durch das die Bauern sich wieder einmal bestätigt sehen – das Erntejahr hält stets Überraschungen bereit und abgerechnet wird zum Schluss. Mitte Juli noch hatten die örtliche Landwirtschaftskammer und das Landvolk sich beim jährlichen Erntegespräch vorsichtig optimistisch gezeigt. Die Gesamtbilanz der Jahresernte stehe und falle aber mit dem August, betonten sie schon vor einem Monat.
Und das Augustwetter präsentiert sich nunmehr als echter Wackelkandidat. „Wir sind deshalb dieses Jahr einfach spät dran, ich brauche noch vier bis fünf Dreschtage“, schildert der Kreislandwirt. Wenn ein Jahr optimal läuft, „ist man bis zum 10. August durch“.
Doch für die letztlich enttäuschenden Erträge gibt es ein Trostpflaster: „Die Preise für Roggen und Weizen gehen durch die Decke“, schildert Peters. Grund sei die Getreideknappheit auf dem Weltmarkt. Vertrocknete Felder in Kanada sowie eine mäßige Ernte in weiten Teilen der EU sind dafür nur einige Beispiele. Und wenn jetzt noch ein paar trockene Tage kommen, kann es sogar noch etwas werden mit dem Backweizen. Für den werde derzeit rund 23 Euro pro 100 Kilo gezahlt, für den Futterweizen auch noch stolze 22 Euro.
Schuld beim Einzelhandel
Rekordpreise beim Getreide, Heidelbeeren würden dagegen verramscht, kritisiert das Landvolk. „Die Heidelbeersaison ist für die Anbauer zu 100 Prozent verloren gegangen“, klagt der Vorsitzende der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer, Fred Eickhorst, gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. Die Schuld sieht er beim Einzelhandel: Denn der wolle für die regionalen Heidelbeeren nur den osteuropäischen Preis bezahlen, „das ist schlichtweg Erpressung und kein Handel auf Augenhöhe“.
Deutsche bzw. regionale Ware wurde laut Eickhorst im Handel meist nur in Kleinstgrößen angeboten. „Gleich daneben standen die größeren günstigeren Packungen, aber mit der Ware aus Osteuropa. Für den Verbraucher, der nicht genau hinschaut, ist das nicht zu erkennen“, schildert Eickhorst das Problem: Eine klare Kennzeichnung von Lebensmitteln fehle. Dem Kunden werde suggeriert, dass dies ebenfalls die regionale Ware sei.
Gemischt fällt derweil die Bilanz bei der Kartoffelernte aus. „Die Erträge wachsen nicht in den Himmel, aber es wird ausreichend für alle Kartoffeln geben, nur nicht ganz so üppig wie im letzten Jahr“, zieht Thorsten Riggert für die Heideregion eine Zwischenbilanz. Durch das kalte Frühjahr sei der Ansatz bei den Kartoffeln nicht so hoch gewesen wie in den Jahren zuvor, erklärt der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordostniedersachsen. Die geschmackliche Qualität sei dafür umso besser und die Preise seien auch „ganz vernünftig“, freut sich der Landwirt aus dem Kreis Uelzen.
Der Klimawandel ist bei den Kartoffelanbauern auch längst angekommen. „Unsere Hauptsorte Belena zum Beispiel kam mit dem Wetter gar nicht zurecht“, erklärt Riggert. Verstärkt werde daher in Richtung wassersparende Sorten gezüchtet, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen, erläutert der Verbandschef. Von Thomas Mitzlaff