Schulleiter Jens Peter vor dem Neubau am Gymnasium Winsen, in dem künftig die Oberstufe unterrichtet wird. Am Freitag wurden die letzten Möbel angeliefert. Foto: kr

Gymnasium Winsen schließt mit Neubau die erste von drei Baustellen

Winsen. Am vergangenen Freitag fuhren die letzten Möbeltransporter auf den Schulhof des Gymnasiums Winsen, lieferten noch einmal jede Menge Stühle und Tische an. Der etwa zehn Millionen Euro teure Neubau, in dem künftig die Oberstufe der Schule untergebracht wird, ist rechtzeitig fertig geworden und auch der Zeitplan für die Ausstattung der Räume mit Mobiliar und Smartboards konnte eingehalten werden. Wenn am Donnerstag, 2. September, die gut 1000 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums aus den Sommerferien zurückkehren, dann finden sie alle bestens eingerichtete Lernorte vor. Sehr zur Freude von Schulleiter Jens Peter. „Damit können wir eine von drei Baustellen schließen“, sagt der Pädagoge im WA-Gespräch.
13 neue Klassenzimmer sind in dem dreigeschossigen, schlicht gehaltenen, sonnendurchfluteten Neubau entstanden. Der Grundfarbton ist ein freundliches Grau, Funktionalität steht im Vordergrund – und das ist Absicht. „Wir haben moderne Räume für junge Erwachsene geschaffen“, so Schulleiter Jens Peter. „Oberstufen-Tempel“ nennt er den Neubau halb liebevoll, halb spöttisch. Tatsächlich sollen hier die Unterrichtsräume der Klassen 11 bis 13 konzentriert werden. Lediglich für den naturwissenschaftlichen Unterricht müssen die Oberstufenschüler Fachräume im Altbau nutzen. Umgekehrt sollen die beiden besonderen Räume des Neubaus auch von der Mittelstufe mit genutzt werden: ein sogenannter Lerncluster, der drei Unterrichtsräume ohne Zwischenwände vereint und als Selbstlernzentrum fungieren soll sowie der Veranstaltungsraum, der noch eine Bühne erhalten wird und jenseits von Veranstaltungen als Aufenthaltsraum für die Oberstufe dient. Schwerpunkt Oberstufe ja, aber Verschränkungen sind gewollt, wie der Schulleiter betont: „Damit es eine Schulgemeinschaft bleibt!“
Einzeltische und überall WLAN
Sämtliche neue Unterrichtsräume sind mit Einzeltischen ausgestattet – eine Entscheidung, die bereits vor Beginn der Corona-Pandemie getroffen wurde. In jedem Raum gibt es schnelles WLAN und ein großes Smartboard. Das elektronische High-Tech-Board kann als Tafelersatz genutzt werden, die Lehrkräfte können vorbereitetes Unterrichtsmaterial ganz einfach mit dem Smartphone oder Laptop aufspielen. Die Flure sind nur durch Glaswände von den Räumen getrennt und können für den Unterricht mit genutzt werden. „Unsere Oberschüler können sich freuen, diese tollen neuen Räume als erste zu beziehen“, sagt ein hochzufriedener Schulleiter. Das einzige, was nicht geklappt hat: Die Außentüren der in jedem Stock vorhandenen Toiletten wurden versehentlich überwiegend mit Glasfenstern ausgeliefert und montiert – ein Fauxpas, der in den nächsten Tagen noch behoben werden soll.
Dringend notwendig war der Neubau, weil die Schule schon seit Jahrzehnten aus allen Nähten platzte. Die vier vor 20 Jahren angeschafften Klassencontainer haben endlich ausgedient, sie werden wohl noch vor Schuljahresbeginn abtransportiert. Und auch die bislang vom Gymnasium genutzten Räume in der benachbarten Wolfgang-Borchert-Schule stehen nicht länger zur Verfügung. Der Schulleiter ist aus zwei weiteren Gründen erleichtert, dass die Baumaßnahme rechtzeitig abgeschlossen werden konnte: Zum einen wurde der ohnehin durch den Neubau dezimierte Schulhof durch die notwendigen Absperrungen für die Bauarbeiten im vergangenen Schuljahr ausgerechnet zu Coronazeiten noch einmal kleiner. Zum anderen konnten die Klassenräume im Westflügel des Altbaus, die ihre Fenster in Richtung Baustelle hatten, 2020/2021 nicht vernünftig genutzt werden – öffnete man die Fenster fürs Lüften, war die Lärmbelästigung enorm.
Im Altbau ist noch einiges zu tun
Eine Baustelle wurde geschlossen, eine zweite dauert an: Nachdem im Sommer 2020 zahlreiche Unterrichtsräume im Altbau saniert worden waren, wird in diesen Sommerferien im Verwaltungstrakt gewerkelt. Unter anderem wird ein kleineres Lehrerzimmer zu zwei Büros für die Koordinatoren umgebaut, im Gegenzug wird das große Lehrerzimmer noch größer. „Es ist sehr fraglich, ob wir mit diesen Arbeiten rechtzeitig zum Schuljahresbeginn fertig werden“, nennt Peter sein aktuelles Sorgenkind Nummer 1. Gut 100 Kollegen hätten dann Anfang September noch keinen vernünftigen Arbeitsplatz. Ebenfalls nicht fertig wird die neue Schulbibliothek, die im ehemaligem Lagerraum hinter der Agora-Bühne entstehen soll. „Die bestellten Glaselemente wurden nicht rechtzeitig geliefert“, so der Schulleiter. Die Fertigstellung muss in die Herbstferien verschoben werden.
Die dritte Baustelle, von der Schulleiter Jens Peter spricht, ist und bleibt die Corona-Pandemie. „Stand jetzt gehen wir davon aus, dass wir zum Schuljahresbeginn so starten, wie wir vor den Ferien aufgehört haben“, sagt er. Also Präsenzunterricht mit detailliertem Hygieneplan, zu dem unter anderem zweimal in der Woche Corona-Tests gehören. „Es gibt Gerüchte, wonach Lüftungsanlagen angeschafft werden sollen“, so Peter. Konkretes wisse er da aber noch nicht. Langfristig auf etwas einrichten kann sich seine Schule in Coronazeiten aber eh nicht, das weiß Jens Peter. Und ist gespannt darauf, was das kommende Schuljahr an Überraschungen bringen wird. Von Rainer Krey