Eingerüstet zur Sanierung: Die Fassade und das Dach des Schlossturm müssen erneuert werden. Bis November dieses Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Foto: bjh

Sanierung des Winsener Schlosses geht voran – im Fokus steht der eingerüstete Schlossturm

Winsen. Der Turm des Winsener Schlosses ist seit Mitte Juli nicht mehr zu sehen. Ein Baugerüst verdeckt das Wahrzeichen der Stadt, der Turm und auch die Verblendfassade werden saniert. Eine Sanierung an einem historischen Bau wie diesem erfordert eine gründliche Planung. Projektleiter ist Michael Krüger von der Lüneburger Dienststelle des Staatlichen Baumanagements Lüneburger Heide. Er kennt das Schloss in Winsen von vorherigen Sanierungen und ist ein erfahrener Planer.
Was ist zu tun? Der Turm, das älteste Gebäudeteil des Ensembles, steht im Fokus der Sanierung, nur die Wetterfahne bleibt unangetastet. Die ist übrigens auch noch zu sehen. Die Verblendfassade wird erneuert, was im Wesentlichen eine Überarbeitung und neue Verfugung bedeutet. Einige Mauersteine im Bereich der Turmtaufe sind locker und werden ebenso neu verfugt. Abgängige Fenster in der Ost- und Westfassade werden nach historischem Vorbild ersetzt.
Hauptbaustelle ist das Dach. So sollen sämtliche Schiefersteine und die Dacheindeckung erneuert werden, und zwar mit den originalen Baustoffen. Auch die Kupfereindeckung des Turms wird erneuert. Optisch wird das die auffälligste Erneuerung, denn der Turm verliert das alte grüne Kupfer und man muss sich an das neue eher braune Kupfer gewöhnen. „Dass die Patina aus Braun wieder Grün macht, werden wir nicht mehr erleben“, sagt Michael Krüger.
Vor rund 90 Jahren war der Turm zuletzt eingerüstet
Probleme macht jetzt das Holz unter der Kupfereindeckung, das teilweise morsch ist. Dafür macht die Glocke des Schloss–turms einen guten Eindruck. Sie gibt es auch Aufschluss über das Datum der letzten Einrüstung des Turms. Die fand vermutlich 1931 statt, zumindest gibt es einen entsprechenden Datums-Schriftzug auf der Glocke. Zudem trägt sie noch das Wappen des dänischen Königshauses. Ein Hinweis auf Herzogin Dorothea, die bekannteste und in Winsen vielfach verehrte Bewohnerin des Schlosses.
Wann genau das Schloss in Winsen erbaut wurde, ist unklar. Erste urkundliche Erwähnungen gab es 1277 und 1315. Für Dorothea war Winsen als Witwe von Wilhelm dem Jüngeren der Alterssitz. Ihre 15 Kinder zogen mit an die Luhe. Von 1593 bis 1617 wirkte sie als Verwalterin des Amtes, ließ die Schlosskapelle im Turm umbauen und legte Versorgungsgärten im Schlosspark an. Heute ist das Land Niedersachsen der Eigentümer, das Gebäude nutzt das Amtsgericht Winsen. Dieser Standort aber ist auch historisch, denn bereits 1852 zog die Justiz ein.
„Das Winsener Schloss ist ein Konglomerat an An- und Umbauten“, erklärt Michael Krüger, der Projektleiter der Sanierung. Ursprünglich hatte das Gebäude vier Flügel, der Westflügel aber ist vermutlich nach einem Feuer im 18. Jahrhundert abgebrochen. Über die Jahrhunderte veränderte sich das Schloss immer wieder. Das haben vor allem die Gerüstbauer am Schlossturm feststellen müssen. Das Einrüsten des Turms sorgte für Stress, denn das Gemäuer ist nicht nur schief, sondern auch in sich gedreht. Darum herum ein stabiles Gerüst aufzustellen, war für die Spezialisten eine enorme Herausforderung.
300 000 Euro lässt sich das Land die Sanierung kosten
Die letzte Sanierung des Schlosses begann 1994 und zog sich mit allen Maßnahmen an Nord- und Südflügel sowie Neubau knapp 20 Jahre hin. Für die Turmsanierung hat Krüger rund fünf Monate veranschlagt. Spätestens Ende des Jahres wolle man mit allen Arbeiten durch sein, so Krüger. Der Projektleiter ist überhaupt froh, dass sich bei der Ausschreibung genügend Gewerke beteiligt haben, sind doch Handwerker heute auch für das Staatliche Baumanagement nicht einfach zu haben. In Winsen aber geht man gut aufgestellt ans Werk, auch Material-Engpässe gab es bisher nicht.
Gerüst- und Fensterbauer sowie Maurer sind an der Sanierung beteiligt. In der nächsten Phase sind aber Spenglerarbeiten gefragt – ein altes Gewerk, das insbesondere Blecharbeiten an Dach und Fassaden ausführt. In Winsen ist da die Firma Bennert aus dem thüringischen Klettbach gefragt. Die ist spezialisiert auf Denkmalsanierungen. Insgesamt hat Michael Krüger für die Schloss-Sanierung Kosten in Höhe von rund 300 000 Euro veranschlagt.
Amtsgerichtsdirektorin Simone Skibba und Johannes Wrede, Geschäftsleiter des Amtsgerichts, verfolgen mit Spannung und auch Begeisterung die Arbeiten am Turm. „Wir sind einfach richtig froh, dass das Land Niedersachsen in unser Schloss investiert“, sagt Simone Skibba. Die Unannehmlichkeiten halten sich für das Personal im Amtsgericht in Grenzen. Dass der Durchgang durch den Turm während der Sanierung gesperrt bleiben muss, stört auch nicht wirklich. „Ich nehme den Umweg über den Schlosspark gerne in Kauf. Da sehe ich, was für einen schönen Arbeitsplatz wir hier haben“, so die Winsener Amtsgerichtsdirektorin. Von Björn Hansen

Kleine Historie Schloss und Schlossherren Wechselvoll ist die Geschichte des Winsener Wasserschlosses, was seine Besitzer anbetrifft. Die letzte prominente Bewohnerin war Herzogin Dorothea, nach ihr nahmen die Winsener Amtsmänner dort ihren Amtssitz. Zuflucht in Winsen fand 1371 Herzog Magnus II., der in Folge des Lüneburger Erbfolgekriegs die Großvogtei Lüneburg kurzerhand nach Winsen verlegte. Fortan war es die Großvogtei Winsen, die die Güter der Welfen im Norden des Lüneburger Fürstentums verwaltete. Finanziell wurde es des Öfteren eng bei den Herzögen. Das Schloss wurde mehrfach verpfändet und wanderte so durch die Hände von Rat und Stadt Lüneburg, kam über die Hansestädte Hamburg und Lübeck wieder zurück zu Lüneburg, bis es im 16. Jahrhundert den Kurfürsten Sachsens gehörte.