Die Wildtierfotografie ist seine große Leidenschaft: Der Winsener Josef Spang wird im Oktober zu seiner nächste Reise nach Afrika aufbrechen. Foto: pr

Wie der Borsteler Josef Spang aus persönlichen Rückschlägen neuen Mut für neue Aufgaben schöpfte

Winsen. Die Frage nach dem Sinn seines Lebens stellte sich gelernte Groß- und Außenhandels-Kaufmann Josef Spang in den zahlreichen Berufsjahren wahrscheinlich nur am Rand. Jahrelang reiste er im Auftrag renommierter Firmen der Elektrotechnik-Branche durch die Welt. Als prägend bezeichnet Spang seine Jahre im Nahen Osten, wo er den Krieg im Irak hautnah miterlebte und erheblichen persönlichen Gefahren ausgesetzt war.
„Stell dir vor, du wachst morgens auf, schaust aus dem Fenster und beobachtest, wie plötzlich eine Rakete in ein unweit gelegenes Gebäude einschlägt. Da ist dann schon wirklich Panik angesagt“, schildert Spang ein für ihn bleibendes Ereignis des erlebten Kriegs im Irak. Unter abenteuerlichen Umständen gelang es ihm schließlich, von Einheimischen unterstützt, das Konfliktgebiet zu verlassen. Danach wurde weiter im Beruf fast bis zur physischen Erschöpfung gepowert. Reisen folgten auf Reisen.
„Man muss reisen, um zu lernen“
Und wie aus heiterem Himmel kommt plötzlich der Moment, wo man sich mit einer gescheiterten Ehe auseinandersetzen muss und wo zu allem Unheil eine schwere Erkrankung diagnostiziert wird, die mit einem Mal zur Arbeitsunfähigkeit führt. Da ist dann der Punkt gekommen, wo man allen Ernstes die Überlegung anstellt: Wozu das alles, warum und vor allem wofür habe ich mich in meinem bisherigen Leben so aufgerieben? „Da steht man von jetzt auf gleich da und hinterfragt die gelebte Vergangenheit mit einer Intensität ohne Gleichen“, schildert der Borsteler.
Spang gibt nicht auf. Er fährt Motorrad, hat in den USA unter anderem die legendäre Route 66 abgefahren, spielt Gitarre, liebt Mark Twain und macht sich eine Aussage von ihm zu eigen: „Man muss reisen, um zu lernen.“ Dann fügt er an, dass jemand der lebt, zwar viel sieht, einer der reist, jedoch mehr kennenlernt und somit seinen Horizont wesentlich erweitert. Nach seiner Erwerbsunfähigkeit rückt das Reisen in den Mittelpunkt seines Lebens.
Entgegen kam ihm dabei zudem seine Lust zur Fotografie, die sich bereits mit der Aufnahme seiner Lehre bei der Firma Olympus rasch entwickelte. Seine Reisen, vor allem in afrikanische Staaten, ließen sich ihn zu einem Spezialisten der Wildtierfotografie entwickeln. Schwärmerisch schildert Spang eine Situation in einer afrikanischen Savanne, als er am Morgen bei aufgehender Sonne und dem aufsteigenden Nebel plötzlich in unmittelbarer Nähe einen sich aufrichtenden Löwen quasi in die Augen blickt. „So eine Situation ist für mich ein großes Glück“, schildert der Wildtierfotograf. „Die Beschäftigung mit der Tierfotografie hat mich auch erkennen lassen, dass mir diese Lebewesen offenbar ohne große Scheu begegnen. Diese Erkenntnis hat mich gewaltig beeindruckt.“
Die Erlebnisse in zwei Büchern niedergeschrieben
Seine Begegnung vor allem mit Wildtieren der unterschiedlichsten Arten hat den Fotografen zu einem überzeugenden Tierschützer werden lassen, der die Jagd als bloßes Mittel zur Tötung ohne jeden Zweck mit aller Konsequenz ablehnt. „Das Töten eines Wildtiers zum Zweck der Zurschaustellung einer Trophäe ist für mich der größte Frevel, ja ein Verbrechen“, steht Spang mit Vehemenz zu seiner Überzeugung.
Seine Erfahrungen im Hinblick auf Lebenskrise und das Nachdenken über die Komplexität des eigenen Lebens gibt der Weltenbummler in seinem Buch „Mein Weg“, das im Eigenverlag erschien ist, weiter. Diese Aufarbeitung und die daraus gezogenen persönlichen Konsequenzen gipfelten schließlich in einem weiteren Buch, das mit dem Titel „Auf der Reise – In meinem Leben um die Welt“ die geänderte Sichtweise des Autors auf sein Leben ausdrückt. Mit diesen niedergeschriebenen Eindrücken möchte Spang seine beiden Töchter an seinen Lebenserinnerungen teilhaben lassen. „Ja, es ist als Hinterlassenschaft, als geistiges Erbe zu verstehen“, erklärt sich der Buchautor gegenüber dem WA.
25Getreu seiner Forderung nach realem Wildtierschutz wird Spang von Anfang Oktober bis Ende November in Kenia unweit des Kilimandscharomassivs erneut unterwegs sein. Zu seinem Aufgabengebiet zählen da Beobachtung von Tierherden und deren Schutz vor Wilderern. Neben seinen Aufgaben im Rahmen dieser Mission wird sich Spang seinem Hobby, der Wildtierfotografie, in einem hohen Maße widmen können. „Darauf bin ich schon unwahrscheinlich gespannt und freue mich riesig“, so Spang über sein nächstes Projekt. Von Alexander Bach