Die Zentral der Kreisverwaltung. Foto: LK Harburg

26 000 Bürger im Landkreis Harburg bekommen bis zu vier Stimmzettel mit bis zu110 Kandidaten

Winsen. Es ist eine Abstimmung der Superlative in vielerlei Hinsicht und besonders die rund 26 000 Wahlberechtigten im Einzugsgebiet der Stadt Winsen haben die Qual der Wahl: Gleich 110 Kandidaten bewerben sich bei der Kommunalwahl am 12. September um einen Sitz im neuen Winsener Stadtrat. Entsprechend groß sind die Stimmzettel, die am übernächsten Sonntag in den Wahlkabinen oder vorab bei der Briefwahl entfaltet werden müssen. Sie erinnern vom Format eher an Plakate und sind entsprechend unhandlich.
Insgesamt sind im Landkreis Harburg rund 216 000 Männer und Frauen ab 16 Jahren dazu aufgerufen, neue Räte und in einigen Samt- und Einheitsgemeinden auch neue hauptamtliche Bürgermeister zu wählen. Dementsprechend unterschiedlich ist auch die Zahl der Stimmzettel, die in den Wahllokalen ausgehändigt werden.
Ein Gremium wählen sämtliche 216 000 Wahlberechtigte: den neuen Kreistag, das einflussreichste regionale politische Entscheidungsgremium. Die Wähler erhalten außerdem je nach Wohnort ein bis drei weitere Stimmzettel: In der Stadt Winsen einen für den Stadtrat, in den Gemeinden ein bis zwei weitere je nach Einheits- oder Samtgemeinde für die örtlichen Räte und mancherorts noch einen vierten für die Bürgermeisterwahl.
Bei der Wahl des neuen Verwaltungschefs ist nur eine Stimme möglich, für alle anderen Stimmzettel gilt: Bis zu drei Kreuze dürfen gemacht werden; entweder gesplittet auf verschiedene Kandidaten und Parteien oder aber alle drei Kreuze hinter demselben Kandidaten beziehungsweise derselben Partei.
Angesichts der vielen Stimmzettel und der großen Bewerberzahl ist die Kommunalwahl für die Verwaltungen ohnehin die größte logistische Herausforderung aller Wahlen. In diesem Jahr aber kommen noch die erschwerten Bedingungen durch die Corona-Pandemie dazu. Die Wahllokale müssen gut belüftet sein, Wahlhelfer und Wähler ausreichend Abstand halten können und diverse Hygienevorschriften eingehalten werden. Das dürfte nicht ganz einfach sein. Denn angesichts der großen und unübersichtlichen Stimmzettel könnten manche Menschen durchaus etwas länger in den Wahlkabinen benötigen; entsprechend länger wären dann die Warteschlangen.
In den zuständigen Kommunen sieht man sich dafür gut gerüstet: „Wir haben entsprechende Hygienekonzepte vorbereitet“, sagt etwa Christian Riech für die Winsener Stadtverwaltung.
Damit die Laufwege sich nicht kreuzen, habe man möglichst getrennte Ein- und Ausgänge ausgewiesen und für ausreichend Lüftungsmöglichkeiten gesorgt. „Und die Wahlvorstände konnten sich in Sonderimpfaktionen einen Corona-Schutz verabreichen lassen“, so Riech.
Briefwahl boomt in Corona-Zeiten
Ohnehin ist der deutliche Trend erkennbar, dass viele Wähler angesichts der Corona-Situation die Briefwahl bevorzugen. Von den 26 000 Wahlberechtigten in der Stadt Winsen haben schon jetzt mehr als 3200 die Unterlagen für Zuhause angefordert. Wenn man davon ausgeht, dass wie vor fünf Jahren rund die Hälfte der Berechtigten auch wirklich abstimmt, wären das rund 13 000 Menschen – somit hat schon mehr als ein Viertel die Stimmen vor dem Wahltag am 12. September abgegeben – Tendenz steigend.
Doch nicht nur der Gang in die Wahlkabine könnte angesichts der unhandlichen Stimmzettel seine Tücken haben. Auch wer daheim sein Kreuz macht, muss sich konzentrieren. Die Stimmzettel müssen in den einen Umschlag gesteckt werden, dieser wiederum mit dem unterschriebenen Wahlzettel in einen weiteren Umschlag. Wer das nicht beherzigt, riskiert eine Annullierung der Stimmabgabe. Immerhin: Diese Vorgaben seien einfacher als bei manch früherer Wahl, erinnert sich Kreissprecherin Katja Bendig: „Teilweise mussten hier auch die Stimmzettel in jeweils separate Umschläge gesteckt werden.“ Von Thomas Mitzlaff