Volle Gleise im Hamburger Hauptbahnhof: Zu Stoßzeiten stehen auch zwei Züge an einem Bahnsteig. Deshalb können keine zusätzlichen Waggons angehängt werden. Foto: dth

Volle Pendlerzüge: Zwei Bürgermeister schreiben Brandbrief ans Bundesverkehrsministerium

Tostedt. Gedränge statt Abstand in den Hauptverkehrszeiten und wenn mal ein Zug ausfällt, gleicht der nächste einer übervollen Sardinendose – mit dem Metronom morgens nach Hamburg und abends zurück zu pendeln, ist nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Weitere Waggons an die Züge zu hängen, scheiterte bislang an der Situation im Hamburger Hauptbahnhof. Dem sollte schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden, verkündete das Bundesverkehrsministerium vor knapp drei Jahren. Passiert ist seitdem offenbar nicht viel. Grund genug für Tostedts Samtgemeindebürgermeister Peter Dörsam und den Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse, jetzt einen Brandbrief ans Ministerium zu schreiben.
Der Hamburger Hauptbahnhof ist zu Stoßzeiten so überlastet, dass zeitweilig sogar zwei Regionalzüge zeitgleich auf einem Gleis stehen, einer am nördlichen und der andere am südlichen Ende. Dadurch aber ist die Länge der Züge auf maximal sieben Wagen begrenzt, mehr passen nicht an einen Bahnsteig. Zusätzliche Waggons wären aber in den Hauptverkehrszeiten die einzige Möglichkeit, mehr Platzkapazitäten zu schaffen. Denn da die mittlerweile dreigleisige Strecke zwischen Harburg und Lüneburg bereits voll ausgelastet ist, können hier kaum weitere Züge fahren.
Das Bundesverkehrsministerium hat deshalb im November 2018 verkündet, den Umbau des „Knotens Hamburg“ in den vordringlichen Bedarf der geplanten Maßnahmen aufzunehmen. Darin enthalten sei „der Bau einer weiteren Bahnsteigkante (…) an Gleis 9, um zusätzliche oder längere Pendlerzüge einsetzen zu können“, erinnern Dörsam und Röhse jetzt in dem offenen Brief an Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium.
Man begrüße ausdrücklich diese aus ihrer Sicht relativ kurzfristig realisierbare Maßnahme, schreiben die beiden Verwaltungschefs. Doch sie zeigen sich irritiert, dass außer der Absichtsbekundung in den vergangenen drei Jahren offenbar nicht viel passiert ist. „Mehr Kapazitäten, vornehmlich in der Bereitstellung längerer Zuggarnituren, sind aber dringend erforderlich, denn gerade die Städte und Gemeinden im Hamburger Süden wachsen weiterhin und spätestens wenn der Anteil an Homeoffice-Arbeitsplätzen wieder zurückgeht, wird sich zeigen, wie dringend weitere Kapazitäten gebraucht werden“, heißt es weiter in dem Schreiben.
Vor diesem Hintergrund wollen die beiden Bürgermeister wissen, wie der aktuelle Stand zu den Planungen für die zusätzliche Bahnsteigkante ist. „Wie weit sind diese in den letzten knapp drei Jahren vorangekommen? Wann ist mit einer Fertigstellung dieser Maßnahme zu rechnen?“ Außerdem sei man dankbar „für eine Darstellung weiterer Ausbaumaßnahmen im Hamburger Hauptbahnhof, vorrangig mit Blick auf eine Verbesserung des Regionalverkehrs aus dem Hamburger Süden.“ Von Thomas Mitzlaff