Durch den dichten Aufwuchs sind die unscheinbaren Grabhügel kaum erkennbar und auch die Heide ist hier aktuell kaum zu finden. (Foto: Leonie Braasch, NLWKN)

Rettungsmission für Hügelgräberheide bei Handeloh

Handeloh. Die Hügelgräberheide bei Handeloh hat eine jahrtausendealte Tradition. Der wertvolle Kultur- und Naturraum im Landkreis Harburg ist zuletzt aber in Bedrängnis geraten: Die Spätblühende Traubenkirsche, eine eigentlich in Nordamerika heimische Pflanzenart, breitet sich immer weiter aus. Im Rahmen des LIFE-Projekts Atlantische Sandlandschaften setzen sich der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und die VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide gemeinsam mit dem Landkreis Harburg nun für eine Bewahrung der bedeutsamen Flächen ein. Die Arbeiten bei Handeloh beginnen in den kommenden Wochen.

Bereits zum Ausklang der Jungsteinzeit um 1700 vor Christus wurden die ersten Hügelgräber als Großgräber für Einzelgrabbestattungen in der damals offenen Heide um Handeloh angelegt. 200 Jahre später folgten weitere kleinere Grabhügel. Heute sind die ehemals großräumigen Heiden bis auf geringe Reste anderen Nutzungsformen gewichen. Die Hügelgräberheide konnte offen erhalten werden, doch durch die Ausbreitung der Spätblühenden Traubenkirsche droht auch sie nun endgültig zu einem naturfernen Wald zu werden. „Wer zur Heideblüte an der Fläche vorbeiläuft, kann die Hügelgräbergruppen und die Heide allenfalls noch erahnen. Ein einmaliges Kulturgut droht hier langfristig verloren zu gehen“, befürchtet Dirk Mertens von der VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide. Denn die Wurzeln der Bäume dringen bis in das Zentrum der Gräber vor. Spätestens bei Sturm würden diese dann schwer geschädigt, so Mertens.

Heidesaatgut wird wieder freigelegt

Um diese Entwicklung zu stoppen, wird in den kommenden Wochen mit der Entnahme von ersten Traubenkirschen begonnen. In einem ersten Schritt werden die dichtesten Bestände zunächst durch einen Forstmulcher möglichst fein zerkleinert, anschließend wird das Fräsmaterial gemeinsam mit dem Oberboden abgeplaggt, also abgeschoben. Leonie Braasch vom NLWKN in Hannover erklärt den Hintergrund: „Im Boden unter der organischen Auflage hat sich über Jahrhunderte Heidesaatgut eingelagert, das über extrem lange Zeiträume keimfähig bleibt. So kann durch das Abplaggen wieder gezielt Heide innerhalb der Flächen aufkommen.“

Der NLWKN beteiligt sich an der Aktion, weil die Fläche nicht nur kulturhistorisch bedeutsam ist, sondern auch einen hohen naturschutzfachlichen Wert darstellt: Immer wieder wurden hier in der Vergangenheit Schlingnattern und seltene Vogelarten wie der Ziegenmelker in der Dämmerung beobachtet. Im Rahmen des LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ erhält und entwickelt der NLWKN zusammen mit lokalen Partnern Lebensräume europaweit seltener Arten wie der Schlingnatter. Der erste Schritt der Maßnahme, das Mulchen der Traubenkirschen, findet bewusst nach der Brutzeit, aber vor dem Laubfall statt, um Rücksicht auf andere Straucharten nehmen zu können. Auch die Reptilien sind zu dieser Jahreszeit noch nicht in den dichteren Gehölzbeständen zu erwarten. Ergänzt werden die Plaggmaßnahmen in weniger dichten Bereichen durch gezielte Rodungen von Birken und Traubenkirschen. „Auch hier ist es wichtig, die Arbeiten im belaubten Zustand durchzuführen, um möglichst wenige Sämlinge zu übersehen“, betont Braasch.

Wenn alles klappt, wird sich die Hügelgräberheide bei Handeloh zwei bis drei Jahre nach Durchführung der Maßnahmen wieder erholt zeigen – und auch die seltene Schlingnatter hat dann wieder eine Zukunft. kr