Mit ihrer kurzen Nacktszene im Film „Die Sünderin“ schockte Hildegard Knef die Republik. Gedreht wurde in Bendesdorf. Das ehemalige Gasthaus Kurth am Ortseingang von Bendestorf wird derzeit umgebaut: Wo einst die Filmstars Kaffee tranken, sollen im nächsten Frühsommer Mieter einziehen. (Repro: cb)

Als die Knef in Bendestorf die Republik als „Sünderin“ schockte

Bendestorf. Im Sommer 1950 sollte Hildegard Knef im Garten des Gasthauses Kurth in Bendestorf die Nacktszene für ihren legendären Film „Die Sünderin“ drehen. Weil es regnete, lehnte sie ab: „Das ist mir hier viel zu kalt!“ Daraufhin wurden die Aufnahmen in die Halle verlegt. Jetzt gibt es für das seit einigen Jahren stillgelegte Gasthaus gravierende Änderungen. Nach einem Teilabriss entstehen hier Wohnungen.

Der typische vorgebaute Flachdachbau mit der runden Glasveranda wird dabei wieder aufgenommen. Hier befand sich einst das Café. Über die Pläne freut sich auch Bürgermeister Bernd Beiersdorf: „Ein Stück Ortsgeschichte wird auf diese Weise bewahrt! Wir bekommen einen attraktiven Ortseingang.“

Gebäude werden zurzeit entkernt

Die C & K Liegenschaften in Hamburg hat den aus drei Gebäudeteilen bestehenden Komplex an der Gartenstraße gekauft. Wie der beauftragte Jesteburger Architekt Axel Brauer mitteilt, sollen 14 teilweise barrierefreie Mietwohnungen entstehen. Er möchte dabei möglichst viel von der vertrauten Optik bewahren. Der Komplex wird energetisch saniert, umgebaut und aufgestockt. Zurzeit werden die Gebäude entkernt und die ersten Umbauten innerhalb der Gebäude haben begonnen. Die neue Fassade besteht aus Klinkerriemchen, Putz und Holz.

„Allerdings musste im Juli der mittlere Teil aus statischen Gründen abgerissen werden“, informiert Brauers Mitarbeiterin Silke Meyer. „Gleichwohl sind wir gut im Zeitplan. Ab Mitte Oktober beginnen die Zimmererarbeiten. Für die drei Gebäudeteile brauchen wir drei Dachstühle. Im November kann dann Richtfest sein.“ Mit der Fertigstellung des gesamten Projektes rechnet sie im Frühsommer 2022.

Und wie war das nun genau mit der geplatzten Nacktszene von Hildegard Knef im August 1950? Laut Drehbuch sollte sie mit dem männlichen Hauptdarsteller Gustav Fröhlich in einen kleinen Teich springen und dort ausgelassen mit Wasser spritzen. Die Wirtin Anne-Marie Kurth war damals dabei gewesen und hatte es den Gästen gern erzählt: „Die Kulissen standen bereits an die sechs Wochen bei uns im Garten. Doch kaltes und regnerisches Wetter verhinderten die Filmaufnahmen.“

Nacktszene wurde in der Halle gedreht

Das Kamerateam reiste zwischendurch ans Mittelmeer, um dort andere Szenen zu drehen. Als es wieder kam, regnete es immer noch. Nun war ein Aufschub nicht mehr möglich. Aber die Knef weigerte sich: „Hier ziehe ich mich nicht aus. Da hole ich mir ja einen Schnupfen!“ habe sie gesagt, so die Seniorin. Die Nacktszene wurde dann in der Atelierhalle gedreht. Die Kinobesucher merkten davon nichts. Dank der gekonnten Scheinwerfereinstellungen wirkte der nachgebaute Garten samt Teich sehr sommerlich.

Hildegard Knef spielte in dem Melodram eine Prostituierte, die sich in einen Kunstmaler verliebte. Als dieser unheilbar erkrankt, tötet sie ihn, um ihm weiteres Leiden zu ersparen. Danach nimmt sie selbst Gift. Dabei ging es gleich um mehrere Tabuthemen – Prostitution, Selbstmord, Euthanasie – und zu allem Überfluss war die Knef einen kurzen Moment auch noch nackt.

Als der Film im Januar 1951 in die Kinos kam, gab es im prüden Nachkriegsdeutschland einen Skandal. Die katholische Kirche warnte vor dem Besuch – da kamen die Zuschauer erst recht. Aus heutiger Sicht ist der Film eher langweilig, düster und zu problemüberfrachtet. Erst die Kirchen hatten ihn mit ihrem moralisch erhobenen Zeigefinger zum Aufreger gemacht.

Von Christa-M. Brockmann

Hintergrund Am Anfang kamen die Wanderer Die neuen Bewohner an der Gartenstraße in Bendestorf werden auf geschichtsträchtigem Boden leben. August Kurth hatte sein „Heidepensionat mit Konditorei und Café“ 1910 eröffnet. Zunächst kamen die Hamburger. Sie fuhren mit der Bahn bis Klecken und wanderten mit Klampfen singend durch den Wald. Weitaus wichtiger für den Betrieb aber waren die Hotelgäste, die gleich drei bis vier Wochen blieben.Nach der Einweihung der Filmstudios schauten auch die Stars zum Kaffeetrinken vorbei. Das Kännchen Schokolade mit Sahne und der selbstgebackene Butterkuchen waren beliebt. Auch Ratssitzungen, Versammlungen und die Seniorenweihnachtsfeier der Gemeinde fanden hier statt.