Das Elbmobil ist bequem per Smartphone zu bestellen. Die App hat allerdings noch einige Defizite. (Foto: wa)

Elbmobile: Projekt soll bis 2023 fortgesetzt werden

Hittfeld. So ganz ausgegoren ist der Betrieb der Elbmobile, die die Stadt Winsen und die Samtgemeinde Elbmarsch verbinden, noch nicht. Trotzdem spricht man von einem durchaus erfolgreichen Projekt. Das wurde vorgestern im Ausschuss für Wirtschaft, ÖPNV und Tourismus deutlich. Dessen Mitglieder konnten vor Beginn der Sitzung bereits die „Elbperle“ in Augenschein nehmen, eines der insgesamt sechs Elbmobile, was Ausschussvorsitzender Maximilian Leroux besonders freute.

Nach knapp zwei Jahren gibt es eine Reihe interessanter Ergebnisse zu diesem Projekt. Als erstes On-Demand-Projekt fahren die Elbmobile nicht nach einem Fahrplan, sind aber von 5 bis 23 Uhr für individuelle Fahrten zu buchen. Die Kosten richten sich nach dem HVV-Tarif, hinzu kommt noch jeweils ein Euro Komfort-Zuschlag. Michael Peter von der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) Stade konnte dazu Zahlen vorlegen. Schwerpunkte bei den Zielen seien der Bahnhof Winsen, Stove und überraschenderweise auch Oldershausen. Vorgenommen würden überwiegend Fahrten zum Einkauf und zu Freizeitaktivitäten, und die jeweils ab 9 Uhr.

Die Zahlen machen Hoffnung, die App macht noch Sorgen

„Die Zahlen sind gut, aber das Projekt hat noch Luft nach oben“, so Peter. Man müsse die Belegung steigern und die Kosten reduzieren. Wegen der Corona-Pandemie und des Lockdowns hatte das Elbmobil 2020 einen schweren Start, steigerte sich dann aber. Peter sprach von rund 2000 Fahrgästen. Pro Fahrt habe das Elbmobil 1,8 Passagiere. Beide Werte müsse man verbessern.
Nicht ausgegoren ist die Nutzung über die App, die die loki-GmbH als Partner zur Verfügung stellt. Dazu berichtete Friedhelm Strathmann, beim Landkreis für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) zuständig. Probleme gebe es etwa bei der Anzeige der Verfügbarkeit der Elbmobile. Bei ähnlichen Abfahrtszeiten solle es zudem Verweise auf den Bus-Fahrplan als Alternative geben. Auch das funktioniere noch nicht.

Über die App lassen sich bisher auch nur zwei Zonen im HVV-Tarifgebiet buchen. Wer etwa aus der Elbmarsch über Winsen nach Hamburg wolle, müsse in Winsen schon die nächste Fahrkarte lösen. Und nicht zuletzt wird die App gar nicht in dem Maße genutzt, wie man sich das erhofft hatte. Ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass hier beim Zahlvorgang nur Kreditkarten genutzt werden können. Knapp 60 Prozent der Fahrten würden daher über das Telefon gebucht.

Ausschuss einstimmig, das Erfolgsprojekt geht weiter

Unter dem Strich allerdings stand ein positives Fazit dieser ersten zwei Jahre Elbmobil. Nun aber endet die hundertprozentige Förderung des Projektes. Für eine Fortsetzung braucht es Geld aus dem Kreishaushalt, kalkuliert wird mit einer Summe zwischen 670 000 und 800 000 Euro. „Das Elbmobil ist das Erfolgsprojekt, das der Elbmarsch gefehlt hat“, machte Malte Krafft (Bündnis 90/Grüne) deutlich. Landrat Rainer Rempe stellte klar, dass man dieses Angebot auch ohne Förderung aufrecht erhalten wolle.

Mit dem Blick auf den Verkehr und den Klimawandel handele es sich um ein gutes Modell, so Rempe. Die Samtgemeinde Elbmarsch beteilige sich bereits nennenswert an der Finanzierung. „Die Elbmobile haben auch einen Mehrwert für die Stadt Winsen“, so der Landrat. Ein Signal, dass er sich auch von dort eine finanzielle Beteilung vorstellen könne.

Aus Reihen der Ausschussmitglieder gab es einige weitere Vorschläge. So könnten im Landkreis kaum genutzte Buslinien durch On-Demand-Shuttle ersetzt werden. Bisher interessiert sich vor allem die Samtgemeinde Hanstedt für so ein Projekt, Klaus-Dieter Feindt (SPD) brachte dafür auch die weitläufige Samtgemeinde Tostedt ins Spiel.

Den Deckel drauf machte dann Maximilian Leroux, der eine Verlängerung des Projektes bis 2023 vorschlug. Man habe so zwei weitere Jahre Zeit zur Evaluierung der Werte. Die Arbeit mit den aktuellen Partnern wolle man fortsetzen, die Maßgabe müsse sein, die Einnahmen zu erhöhen und die Kosten zu senken. Dem folgten der Ausschuss einstimmig, die Elbmobile fahren weiter.

Von Björn Hansen

Elbmobile Test für die Kommunen Modellcharakter für andere Kommunen habe das „Shuttle-On-Demand“-Projekt bei der Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum, ist sich Landrat Rainer Rempe. Im Oktober 2019 wurde das sogenannte Reallabor gestartet, sprich der Test unter alltäglichen Bedingungen. Die Süderelbe AG koordiniert diese Mobilitätsanalyse für die Städte Buchholz, Winsen, Lüneburg, Buxtehude und Stade. Vorstand Dr. Olaf Krüger unterstrich im Ausschuss die Vorteile dieser Konstellation. Die Süderelbe AG sei nicht auf nur einen Landkreis festgelegt und habe dazu mit der KVG Stade nur einen Verkehrsbetrieb, der für den gesamten Projektbereich zuständig sei. Knapp 1,5 Millionen Euro betrug die Förderung des Projektes, die für die ersten beiden Jahre sämtliche Kosten abdeckt. Partner sind außerdem die Hamburger Hochbahn und die loki-GmbH. Dabei handele es sich mit dem Reallabor um das größte Projekt dieser Art in Deutschland, so Süderelbe-Vorstand Krüger.