BU: Nur kurz mal für Foto stellt sich Olaf Lau mit dem Rücken zum Becken. Zum Monatsende verabschiedet sich der 63-Jährige in den Ruhestand. (Foto: rin)
BU: Nur kurz mal für Foto stellt sich Olaf Lau mit dem Rücken zum Becken. Zum Monatsende verabschiedet sich der 63-Jährige in den Ruhestand. (Foto: rin)

Nie mit dem Rücken zum Becken

Schwimmmeister Olaf Lau verabschiedet sich nach 35 Jahren am Beckenrand in Stelle in den Ruhestand.

Stelle. „Hier macht man allet mit Ruhe“, sagt Olaf Lau, dessen Berliner Dialekt immer noch mal durchkommt. Er lehnt entspannt am Geländer am großen Becken und guckt auf die Damen, die auch bei herbstlichen Temperaturen eisern ihre Bahnen im Steller Freibad ziehen. Keine Frage, die jetzige Zeit nach den stressigen Sommermonaten mag der Steller Schwimmmeister besonders gerne, weil sie komplett entschleunigt.

Es sind die letzten Eindrücke, die der Meister für Bäderbetriebe sichtlich genießt. Denn zum 30. September geht Olaf Lau in den Ruhestand. Seit dem 1. Juli 1987 hatte er die Aufsicht im Steller Freibad. Nun ist für ihn Feierabend. Und er gesteht, dass ein bisschen etwas fehlen wird, er sich aber auch riesig freut, „endlich auch mal dann Urlaub machen zu können, wenn das Wetter schön ist“.

Von 500.000 auf 50.000 Badegäste

35 Jahre arbeitete Lau in Stelle. „1974 habe ich die Ausbildung in Berlin Kreuzberg begonnen, war dann fünf Jahre in einem Bad in Tempelhof und anschließend in Berlin-Wilmersdorf. Dann wollte ich raus aus der Großstadt“, erinnert sich Lau. Weil seine erste Frau aus Stelle stammte, landete er dort.
„Das war ein ganz schöner Schritt: von 500.000 Badegästen pro Saison auf etwa 50.000“, erzählt er grinsend. „Aber für mich war es das Richtige: In Berlin hatte ich als Betriebsleiter mit 20 Angestellten fast nur Verwaltungsarbeit zu erledigen. Das war nicht meins.“

Denn Olaf Lau liebt an seinem Job die Vielfalt: die Technik, den Schwimmunterricht, den Einkauf, die Erste Hilfe und auch die Verwaltung. „Hier musst du auch mal ´ne Fliese wieder anbringen und die Hecke beschneiden. Obwohl ich dabei immer tolle Unterstützung vom Bauhof bekommen habe.“ Vor allem aber mag er den Kontakt zu den Badegästen.

Als Lau damals in Stelle anfing, hatte das Bad noch ein 50-Meter-Becken. „Das war ziemlich unübersichtlich“, erinnert er sich. „1991/1992 wurde umgebaut. Jetzt stören die Kinder die Schwimmer nicht und können im kleinen Becken toben. Und letztlich bedeutete die Trennung auch eine Kostenersparnis.“ Als im Sommer ´91 das Steller Bad dicht war, half Lau in Hollenstedt aus. Bis heute verbindet ihn mit den dortigen Kollegen eine freundschaftliche Beziehung. Das gilt auch für die Kollegen in Hanstedt, Salzhausen und Tespe. Viele haben sich schon von ihm verabschiedet.

Die Sonne ist heute aggressiver

So wie sich das Bad verändert hat, habe sich auch das Umfeld verändert, findet der 63-Jährige. „Heute sind Kinder im Schwimmunterricht viel unselbstständiger. Und die Sonne ist über die Jahre deutlich aggressiver geworden: Früher habe ich die Leute mit Mütze und Sonnenbrille belächelt. Heute bin ich selbst so und suche, wann immer möglich, den Schatten.“

„Also die Sieben-Tage-Wochen im Sommer werde ich bestimmt nicht vermissen“, meint Lau lachend. Er freut sich, jetzt mit seiner zweiten Frau Kerstin die Reisen mit dem Wohnmobil genießen zu können – dahin, wo es warm ist, wie in Andalusien. „Wir sind echte Sonnenmenschen!“ Und auf das Schwimmen und das Schnorcheln im Meer und das Wandern.

Andere Schwimmbäder besucht er eher selten: „So von Beckenrand zu Beckenrand zu schwimmen, das finde ich langweilig. Da schwimme ich lieber im Kreis. Und es macht mich kribbelig, wenn in einem Bad irgendwo ein Kind weint. Ich bin halt so gestrickt und hab meinen Job so gelernt: nie mit dem Rücken zum Becken stehen!“

Ganz weg vom Beckenrand ist Olaf Lau aber vermutlich in der nächsten Saison nicht. Solange Ehefrau Kerstin im Steller Bad noch an der Kasse sitzt, kann er sich gut vorstellen, noch ein wenig Schwimmunterricht zu übernehmen. „Die Kollegen aus anderen Bädern haben auch schon angefragt“, sagt er und lächelt fast ein bisschen versonnen. Sein Job hat ihm eben immer Spaß gemacht.

Von Kathrin Röhlke