Lena Stratmann vom Baustellenmarketing und Martin Färber vom Bauamt
Lena Stratmann vom Baustellenmarketing und Martin Färber vom Bauamt informierten über den aktuellen Stand der Bauarbeiten in der Winsener Innenstadt. (Foto: he)

Ein Meilenstein zu Weihnachten

Neues Pflaster wird in Winsener Innenstadt ab November verlegt.  „Pünktlich zum ersten Advent sollen die ersten neuen Pflastersteine liegen“, kündigt Bauingenieur Martin Färber vom Bauamt im Gespräch mit dem WA an.

Winsen. Im Mai rückten in der Winsener City die ersten Bagger an, um bei einem der aufsehenerregendsten Bauprojekte der letzten Jahre die Innenstadt zu sanieren. Fast genau ein halbes Jahr später soll sich die Haupteinkaufsstraße nun erstmals in ihrem späteren Erscheinungsbild präsentieren. „Pünktlich zum ersten Advent sollen die ersten neuen Pflastersteine liegen“, kündigt Bauingenieur Martin Färber vom Bauamt im Gespräch mit dem WA an.

Zusammen mit Lena Stratmann vom Baustellenmarketing informierte er über die aktuellen Entwicklungen des millionenschweren Projektes im Herzen der Stadt. Auch wenn seit etwa sechs Monaten schon Arbeiten in der Tiefe durchgeführt wurden, startet das eigentliche Projekt erst in wenigen Tagen. „Bisher haben die Stadtwerke nur die Chance genutzt und Trinkwasserleitungen ausgetauscht, das Stromnetz ausgebaut und Glasfaser-Anschlüsse vorbereitet“, berichtet Färber. Rund 600 000 Euro sind in die Infrastruktur bereits geflossen. „Die Tiefe ist vorbereitet. Wir können also mit der eigentlichen Maßnahme am 8. November starten“, freut sich der Bauingenieur auf den ersten Meilenstein der fast vier Jahre dauernden Arbeiten.

Flakgranaten vor Optiker Bode

Auch wenn die Maßnahmen aktuell schon für einen leichten Zeitverzug sorgten, gab es bisher kaum Probleme. Einen kleinen Schock mussten die Verantwortlichen dann aber doch verdauen. In der Nähe des Geschäfts von Optiker Bode wurden zwei Flakgranaten und mehrere Handfeuerwaffen gefunden. „Der Kampfmittelräumdienst kam mit einem großen Lkw, das sah schon gefährlich aus. Am Ende war alles halb so wild für die Experten“, erinnerte sich Färber.

Weitere Überraschungen dürften zunächst ausbleiben, spätestens aber wenn es an den Kirchvorplatz geht, schwant der Stadt Böses. Für das Wasserspiel muss rund drei Meter in der Tiefe gearbeitet werden. Damit dringt die Baufirma in Bereiche vor, die bisher noch völlig unbekannt sind. „Das Helms-Museum vermutet dort alte Grabstätten und wird dort dementsprechende Ausgrabungen durchführen. Das ist der größte zeitliche Unsicherheitsfaktor in unseren Planungen“, so Färber.

Vorbereitet auf Lieferprobleme

Der aktuelle Zeitverzug von knapp zwei Monaten sei noch im Rahmen und könne wieder aufgeholt werden. Lieferprobleme gebe es aktuell nur bei dem Pflaster für die taktilen Elemente für Sehbehinderte, das aus China kommt. Es wird voraussichtlich erst zu Ostern gebraucht, einen garantierten Liefertermin gebe es derzeit nicht. „Einen Notfallplan mit einem Provisorium haben wir aber auch schon“, so Färber.

Lena Stratmann habe bereits in den Planungen der letzten Jahre erfahren, wie sensibel die Winsener beim Umbau ihrer Innenstadt sind. „Das ist das Herz der Stadt. Dass die Leute da emotional werden, ist ja auch schön. Es zeigt, dass ihnen was an ihrer Stadt liegt“, erinnert sie sich an viele Bürgergespräche, die teilweise auch hitzig wurden. Inzwischen habe beispielsweise die Kritik an den Baumfällungen abgenommen, vielmehr müsse sie sich jetzt um die Beschwerden von Anwohnern oder Kaufleuten kümmern. „Es war natürlich ärgerlich, dass das Ende des Lockdowns ziemlich genau mit dem Start der Bauarbeiten zusammengefallen ist. Da durften die Geschäfte endlich wieder öffnen und dann wird vor ihrer Tür die Straße aufgerissen“, berichtet Stratmann. Auch Staub, Lärm und die Bagger hätten für Beschwerden gesorgt. Man sei aber im ständigen Dialog mit den Betroffenen. „Klar gibt es Beschwerden, die sind zumeist auch gerechtfertigt. Aber wo gebaut wird, gibt es nur mal Behinderungen, und wir wollen ja alle eine schönere Innenstadt.“

Im Sommer 2025 soll Schluss sein

Nächster Schritt in den Planungen ist der Beginn der Pflasterarbeiten am 8. November. Bis Weihnachten soll zwischen Südertor und dem Fußgänger-Durchgang an der Sparkasse gearbeitet werden, in einem zweiten Abschnitt bis Ende 2022 weiter bis zur Ecke Rathausstraße/Eckermannstraße bei der Bäckerei Junge. Wichtig: Die Geschäfte in den betroffenen Bereichen werden durchgehend erreichbar bleiben. „Ende 2023 soll die Rathausstraße gepflastert sein, Ende 2024 dann die Nordertor- und Marktstraße, sodass wir im Sommer 2025 hoffentlich in der Deichstraße den letzten Teil beenden“, gibt Färber Einblick in die zeitliche Planung.

Solange will die Stadt aus der schwierigen Lage das beste machen. „Eine Baustelle kann auch ein Magnet sein, der Menschen in die Innenstadt zieht“, sagt Lena Stratmann und verweist auf verschiedene Aktionen, die das Baustellenmarketing plane. Am morgigen Sonnabend findet beispielsweise ab 9 Uhr das Kürbisfest mit vielen Aktionen und kostenlosen „Süßes oder Saurier“-Tüten für Kinder statt. Zudem führen ab 13 Uhr Stratmann und Färber zusammen mit den Stadtwerken Interessierte über die Baustelle und informieren dabei über alles Wissenswerte rund um das Projekt. Anmeldungen dafür werden per E-Mail an  angenommen.

Von Dominik Heuer

Hintergrund

Bisherige Stationen

Rund sechs Jahre dauern die Planungen rund um die Innenstadtsanierung im Rahmen des Großprojekts „Winsen2030“ inzwischen an. Ein kurzer Rückblick:

2015: Vorbereitende Untersuchungen
2016: Aufnahme in das Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren, Einrichtung eines Projektmanagements, Durchführung von Öffentlichkeitsveranstaltungen
2016: Ratsbeschluss zur förmlichen Festsetzung des Sanierungsgebiets
2017: Beschluss über den Rahmenplan
2018: Landschaftsarchitektonischer Realisierungswettbewerb
2019/2020: Planung der Sanierung der Haupteinkaufsstraßen
2021: Leitungsbauarbeiten und Beginn Pflasterarbeiten (geplant).