Jetzt rückten die Bagger an und rissen das ehemalige Gasthaus zum Spieker in Garstedt ab. (Foto: Mahn)

Spieker-Abriss hat begonnen

Der Abriss des ehemaligen Gasthauses zum Spieker in Garstedt hat begonnen. Die Investoren wollen zum Jahreswechsel mit den Baumaßnahmen starten.

Garstedt. Der Abriss des ehemaligen Gasthauses zum Spieker in Garstedt hat begonnen. Das seit Jahren leerstehende Gebäude direkt an der Landesstraße wird einem modernen Neubau weichen, in dem bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Das bestätigte John Mahn von der Immobilienfirma Mahn Ammon & Co. aus Hamburg, die das Gelände gekauft und das Projekt entwickelt hat, jetzt dem WA.

Bezugsfertig im Frühjahr/Sommer 2023

Nachdem die Investoren im April den Kaufvertrag unterschrieben hatten, gab vor rund zwei Wochen auch der Garstedter Gemeinderat sein endgültiges Okay für die Änderung des Bebauungsplans. Damit konnte jetzt endlich losgelegt werden: Nach und nach wird das heruntergekommene Gebäude aktuell zurückgebaut. „Von einem Abriss kann man nicht sprechen. Wir haben zu große Anforderungen an die Müll- und Asbestentsorgung, als dass wir da einmal mit der Abrissbirne anrücken können“, berichtet Mahn. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, zum Jahreswechsel soll dann der Bau des neuen Wohn- und Geschäftsgebäudes endlich beginnen. „Wir rechnen dann mit bis zu 18 Monaten Bauzeit, wollen also im Frühjahr/Sommer 2023 bezugsfertig sein“, so Mahn. Der Bauantrag liegt bereits zur Prüfung beim Landkreis.

Für den Wulfsener ist es ein Herzensprojekt – und nicht das erste dieser Art. 2018 kaufte er bereits zusammen mit seinem Geschäftspartner und Schulfreund Elias Ammon das Gasthaus zur Mühle in Wulfsen. Auch dort wich das Gebäude, das nicht mehr zu renovieren war, einem neuen Mehrfamilienhaus, das optisch an den Stil seines Vorgängers erinnert. Alles in Abstimmung mit der Gemeinde Wulfsen, die eng in die Entwicklung eingebunden wurde. Im April sollen dort die ersten Bewohner einziehen.

„Die Vorwürfe waren nicht schön“

Auch mit dem Projekt wenige Kilometer weiter in Garstedt ist Mahn emotional verbunden. „Ich bin in Garstedt zur Grundschule gegangen und kenne den Spieker so seit Kindesbeinen. Wenn man vor Ort verwurzelt ist, hat man sein Ohr hier natürlich nah am Puls der Bürger. Man bekommt ganz gut mit, was sich die Leute wünschen – und was nicht“, erinnert sich Mahn an die Vorstellungsrunden seines Projekts. Seine erste Planung sah einen städtisch angehauchten Neubau vor. „Der kam nur zum Teil gut an. Viele Garstedter störten sich an dem urbanen Entwurf. Wir haben die Kritik aber konstruktiv aufgenommen und umgesetzt. Die Mehrheit hat sich einfach was Ländliches gewünscht“, so Mahn.

Gemeinsam mit der Gemeinde überarbeiteten Mahn und Ammon die Planung, die jetzt auch vom Gemeinderat abgesegnet wurde. Die größte Änderung betraf das Dach, das nun über Giebel verfügt. „So ein Bau muss natürlich zweckdienlich sein, aber ich will da auch zu stehen können“, freut sich Mahn über das Ergebnis der Zusammenarbeit. Mit dem Neubau wollen die Investoren auch das Gebiet an der Kreuzung aufwerten. „Da steht aktuell noch eine echte Ruine, die vermüllt und mit Asbest belastet ist“, so Mahn. Auch die gefährliche Verkehrssituation habe bald ein Ende: Der Neubau wird so positioniert, dass die Landesstraße endlich gut einsehbar ist.

Bezahlbarer Wohnraum entsteht

Bis zu 13 Wohneinheiten für Berufseinsteiger, Familien und Senioren werden auf dem Areal entstehen, Büroräume werden ebenfalls vermietet. So überlegt auch die Gemeinde mit ihrem Büro dort einziehen. „Es ist zwar noch nichts unterzeichnet, aber wir stehen mit der Bürgermeisterin in engem Austausch über den Zuschnitt der Räume“, berichtet Mahn. Die Wohnungen werden als sogenannter bezahlbarer Wohnraum ausgewiesen. „Es gibt da keine klaren Richtlinien dafür, aber wir halten uns an die Aussagen der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises“, erklärt der Investor, der nicht nur die Kaltmiete, sondern dank des energieeffizienten Gebäudes auch die Warmmiete niedrig halten will.

Dass nach langer Planung und emotionalen Diskussionen jetzt losgelegt werden kann, freut den Wulfsener. „Über Geschmack lässt sich streiten, aber auch ich finde den neuen Entwurf gelungener als unseren ersten“, so der Investor. Auch über die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist er voll des Lobes. „Natürlich verfolgt man mal unterschiedliche Interessen, trotzdem wurde immer sehr partnerschaftlich gearbeitet. Das kenne ich auch vollkommen anders.“ Immerhin eint beide Seiten auch ein gemeinsames Ziel: Garstedt wieder ein Stück schöner machen.

Von Dominik Heuer