Redaktionsleiter Thomas Mitzlaff. (Foto: t&w)
Redaktionsleiter Thomas Mitzlaff. (Foto: t&w)

Es sind ja „nur“ sechs Bäume

Sechs Bäume sollen weichen, damit zwischen Winsener Kreishaus und Marstall eine neue Stadtbücherei gebaut werden kann. Das Projekt stößt zusehends auf Widerstand. Dazu schreibt Thomas Mitzlaff, Redaktionsleiter des Winsener Anzeigers:

Winsen. Wenn die Freitags-Protestler von Fridays for Future (FFF) zu einer Demo erst am Sonnabend aufrufen, dann kann das schon mal jämmerlich schiefgehen. Und so hat sich die Organisation vergangenen Sonnabend einen Bärendienst erwiesen, als sie eigentlich mit einer großen Zahl von Teilnehmern in der Winsener Innenstadt dagegen protestieren wollte, dass für den Neubau der Stadtbücherei zwischen dem Marstall und dem Kreistagsgebäude sechs Bäume gefällt werden sollen.

Nur wenig Protest von Fridays for Future

20 Demonstranten verloren sich in der Fußgängerzone und FFF muss sich einmal mehr dem Vorwurf aussetzen, dass man bei den Kundgebungen üblicherweise ganz entscheidend von Schulschwänzern profitiert, die das eigentliche Anliegen eigentlich gar nicht so richtig interessiert.

Um dieses Gelände geht es: Einer der Bäume, die für die neue Bücherei gefällt werden sollen. (Foto: WA)
Um dieses Gelände geht es: Einer der Bäume, die für die neue Bücherei gefällt werden sollen. (Foto: WA)

Das ist umso bitterer, weil es diesmal um eine wirklich wichtige Sache ging, und zwar um Bäume. Ja, es sind nur sechs Exemplare. Und ja, die Politik hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, entsprechende Expertisen eingeholt und sie will entsprechende Ausgleichspflanzungen vornehmen.

Das Baumfällen ist ein falsches Zeichen

Aber diese Fällaktion ist einfach das falsche Zeichen in dieser Zeit, in der die Menschen wegen der Klimaerwärmung sensibilisiert sind und in der eigentlich alles versucht werden muss, die Natur zu erhalten.

Natürlich geht es bei politischen Entscheidungen auch darum, möglichst viele Interessen zu berücksichtigen und natürlich kann Klimaschutz nicht das Argument gegen jegliche Form von Stadtentwicklung sein. So hatte sich jüngst die Junge Union Winsen noch einmal ausdrücklich positioniert.

Friday for Futures demonstrierte in der Winsener Innenstadt für den Erhalt der Bäume. (Foto: WA)
Friday for Futures demonstrierte in der Winsener Innenstadt für den Erhalt der Bäume. (Foto: WA)

Doch wird es wirklich eine Stadtbücherei sein, die die Menschen künftig in die Innenstadt zieht? Oder wird es nicht dieses ganz besondere Flair sein von historischen Gebäuden und Natur, die ihren ganz besonderen Reiz ausübt?

Die Stadt informiert jetzt über Fällungen

Wie sensibel auch Behörden mittlerweile mit dem Umgang von Bäumen sind, zeigt auch ein weiteres Beispiel aus dieser Woche. Auf einem städtischen Grundstück an der Deichstraße müssen 13 Pappeln gefällt werden, weil sie derart marode sind, dass es laut Gutachtern keine andere Möglichkeit gibt. In früheren Zeiten hätte man die Bäume einfach beseitigt. Doch jetzt gibt die Stadt eigens eine umfangreiche Pressemitteilung heraus, in der sie die Fällung erklärt und auch ausführlich begründet.

Ja, es sind für die neue Bücherei nur sechs Bäume, die fallen müssen. Doch stehen dort zum Teil seit Jahrzehnten, auch sie gehören zum Stadtbild. Und die Entscheidung, sie zu fällen, so sorgfältig sie auch abgewogen sein mag, ist ein Irrweg gerade in dieser Zeit.

Von Thomas Mitzlaff

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