Die Redaktion des Planspiels „plenergy“ bei der Arbeit
Die Redaktion des Planspiels „plenergy“ bei der Arbeit: Die Ergebnisse des Energiewende-Rats sind als Blog und auf Instagam im Internet veröffentlicht worden. Dazu gehört auch ein Interview mit Landrat Rainer Rempe. (Foto: bjh)

Schüler an die Macht

Abstimmung über die Energiewende: Beim Planspiel „plenergy“ haben Schüler des Gymnasiums Winsen Ideen für den Klimaschutz entwickelt. Mit den Ergebnissen befasst sich auch der Kreistag.

Winsen. Dieses Projekt hat Zukunft: Bis heute läuft am Gymnasium Winsen das Planspiel „plenergy“. Schüler der Klassenstufe 10 entwerfen ihre Ideen für eine Energiewende. Der Clou: Die Ideen, die mehrheitlich befürwortet werden von den Schülern, werden auch ihren Weg in die zuständigen Fachausschüsse des Landkreises Harburg finden. Jetzt leitete Landrat Rainer Rempe die „Große Runde im Energiewende-Rat“ der Schüler, die mit großem Engagement und eindrucksvoller Ernsthaftigkeit bei der Sache waren. Jonas (16) brachte es auf den Punkt: „Ein cooles Projekt.“

Mit den Themen werden sich im kommenden Jahr, wenn sich alle Fachausschüsse des Landkreises konstituiert haben, auch die Kreistagsmitglieder beschäftigen. Mit großer Zustimmung wurde beispielsweise ein kostenloses HVV-Ticket für Schüler jeden Alters gewünscht. So soll ein Anreiz geschaffen werden für Schüler mit Führerschein und gerne auch für Eltern, für den Schulweg das Auto auch einfach einmal stehen zu lassen. Dies reduziert den CO2-Ausstoß. Bisher ist das Schüler-Ticket für Schüler ab Klasse 11 kostenpflichtig.

Keine Luftschlösser, sondern konkrete Ideen

Dazu gab es auch eine Wortmeldung mit der Konkretisierung, dass das Erreichen der Schule mit dem Fahrrad noch klimafreundlicher wäre. Landrat Rainer Rempe wies zwar darauf hin, dass das in der Umsetzung eine sehr komplexe Forderung sei, aber sowohl der HVV als auch das Land Niedersachsen sich mit dem Thema Schüler-Ticket bereits beschäftigen würden. Auch Schulleiter Jens Peter unterstrich: „Unsere Schülerinnen und Schüler sind längst dabei und engagieren sich vielfältig. Wir müssen nicht überzeugen, sondern unterstützen“. Deshalb sei ein Projekt wie „plenergy“ in der Schule genau richtig aufgehoben.

Weitere Themen waren unter anderem eine Forderung an die Stadtwerke Winsen, in den verschiedenen Stromtarifen exakt aufzuschlüsseln, welchen Anteil welche Stromart hat. Und am Beispiel des Schulweges von Laßrönne nach Winsen ist beschlossen worden, die Radwege grundsätzlich auszubessern und Feldwege ebenfalls befahrbar zu halten. Zudem sollten Radwege eine Mindestbreite von zwei Metern haben.

Diese Generation weiß, was ihr wichtig ist

Da steuert eine Generation auf ihr Erwachsenleben zu, die ziemlich genau weiß, wie sie leben will. Für die allermeisten ist der Gedanke, das Klima- und Umweltschutz zentrale Themen sind, eine Selbstverständlichkeit. Wenn es die Grünen in den nächsten vier Jahren in Berlin nicht vermurksen, müssten sie die neue Volkspartei werden können.

Bei „plenergy“ hatten die Schüler am ersten Tag auch Experten für die verschiedenen Fachgebiete als Berater dabei. Als nächstes heißt es „Auf Praxiskurs in der Projektwerkstatt“. Die Schüler treffen dabei auf verschiedene Initiativen wie unter anderem den BUND und den ADFC. Was beim Planspiel an Projekten und Ideen entwickelt worden ist, hat die Dokumentationsgruppe in einem Blog und auf Instagram zeitnah festgehalten und online gestellt. Alles dazu gibt es auf www.plenergy.de/winsen-luhe21 und www.instagram.com/plenergy­_deutschland. Entwickelt hat dieses Projekt die gemeinnützige Klimaschutzagentur Region Hannover Anfang 2019. Winsen ist jetzt die neunte Station des Planspiels in Niedersachsen. Eine bundesweite Ausrichtung soll folgen.

Von Björn Hansen