Bei WertVoll in der Winsener Marktstraße hat man eine Riesenauswahl. Foto: jhk

Plastikmüll? Nein danke!

Täglich sammelt die Müllabfuhr im Landkreis Harburg 34 Tonnen Plastikmüll ein. Stephanie Oetker, Besitzerin des Unverpackt-Ladens WertVoll in Winsen, gehört zu den Geschäftsleuten, die die Situation verändern wollen.

Winsen. Angehäufte Müllberge, unangenehme Gerüche, teilweise aufgerissene gelbe Säcke: Dieses Bild kann man täglich im Landkreis Harburg bestaunen. Und das, obwohl das Thema Nachhaltigkeit und Vermeidung von Plastikmüll in der Gesellschaft längst Thema ist.

Über 24 000 Tonnen Müll produzierten die Einwohner im Landkreis Harburg im vergangenen Jahr an Verpackungsabfall. Dies geht aus der Abfallbilanz des Jahres 2020 hervor. Über 9500 Tonnen davon landeten im gelben Sack. Der Müll in den transparenten Kunststofftüten besteht nicht nur aus den klassischen Umverpackungen, weiß Andres Wulfes, Pressesprecher des Landkreises Harburg. „Wir haben statistisch den Oberbegriff Leichtverpackungen, was sich auf den Inhalt der Gelben Säcke bezieht. Dort drin ist aber nicht nur klassischer Plastikmüll, sondern auch die Dosensuppe oder der Aluminiumdeckel des Joghurts“, erklärt Wulfes.

WertVoll kämpft gegen Verpackungsabfälle

Fünf Müllfahrzeuge und zehn Mitarbeiter der Firma Willi Damm GmbH & Co. Kg aus Grambek kümmern sich um die Beseitigung der gelben Müllbeutel im Landkreis. „Die beteiligten Müllabfuhr-Teams sammeln täglich 34 Tonnen Plastikmüll ein“, erzählt der Pressesprecher.

Die Vermeidung von Plastikmüll ist auch Stephanie Oetker wichtig. Auch aus diesem Grund, eröffnete sie vor zwei Jahren den Unverpackt-Laden WertVoll an der Winsener Marktstraße. „Mir ist es wichtig, einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass weniger Abfall produziert wird“, erzählt die gelernte Krankenschwester und fügt hinzu, warum ihr Laden bei den Leuten recht gut ankommt: „Hier bekommt man eine persönliche Beratung, wie man sie häufig nur noch aus früheren Tante-Emma-Läden kennt.“

Eine feste Kunden-Zielgruppe wollte die Ladenbesitzerin vor der Eröffnung ihres Geschäftes nicht definieren – und das aus einem bestimmten Grund, wie sie verrät. „Bei mir kaufen so viele verschiedene Gruppen der Gesellschaft ein. Von der Öko-Familie über Studenten bis hin zu Rentnern. Mit der Zeit lernt man die Leute richtig kennen und entwickelt eine gewisse Beziehung zueinander“, erzählt die Selbstständige und erklärt abschließend: „Mittlerweile kenne ich viele Geschichten der Kunden und viele fragen mich auch, was sie noch machen können, um nachhaltiger zu leben. Den Personen diesbezüglich zu helfen, ist ein schönes Gefühl.“

Auch Famila ist das Thema wichtig

Um Veränderungen in Supermärkten und Läden anzutreiben, muss man mit den jeweiligen Betreibern in Kontakt treten: Es ist auch Aufgabe der Kunden, dass das Sortiment an ihre Bedürfnisse angepasst wird.

So auch beim Famila Markt im Luhe Park in Winsen. Seit drei Jahren gibt es dort eine Unverpackt-Abteilung. „Wir haben eine Online-Kundenbefragung durchgeführt, um zu wissen, was die Kunden in den jeweiligen Filialen für Veränderungen wünschen. Dabei hat sich der Wunsch nach einem Unverpackt-Sortiment zeitig rauskristallisiert“, erklärt stellvertretender Marktleiter Sven Glasow.

Im vergangenen Jahr hat die Filiale ihr Sortiment an unverpackten Lebensmitteln auf Bio-Qualität umgestellt. Dieses Thema bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten. In dem Punkt ist sich auch der Leiter der Unverpackt-Abteilung sicher. „Aktuell haben wir etwa 40 Sorten von unterschiedlichen Lebensmitteln. Über Frühstück, Nudeln und Reis bis hin zu Süßigkeiten. Es wird von den Kunden sehr viel ausprobiert“, erzählt der stellvertretende Filialleiter und fügt hinzu: „Es gibt noch eine Vielzahl von anderen Lebensmitteln. Aber natürlich können wir nicht alles anbieten. Wir behalten uns vor, immer wieder unterschiedliche Produkte auszuprobieren und gegebenenfalls auszutauschen.“

Um den Plastikmüll zu reduzieren, bietet Famila Pappbecher für das Abfüllen der Lebensmittel an. Glasow: „Natürlich können die Kunden auch mit ihren eigenen Tupperschalen zu uns kommen. Wir haben eine Tara-Waage zum Wiegen vor Ort da.“

Leichtverpackungsabfälle sind ein großes Problem. Der Verbraucher kann etwas bewegen, indem er mit Supermärkten in Kontakt tritt. Ist die Nachfrage nach bestimmten Artikeln hoch, so liegt auch eine Anpassung des Sortiments nahe.

Von Jan-Hendrik Koch