Setzen auf regenerative Stromgewinnung: Franz Kitzhöfer (links) und Matthias Grambow - auf dem Dach ist die Solaranla- ge zu sehen. (Foto; hh)

Gemeinsam ökologisch gebaut

Ein Wohnprojekt hat für Öko-Standards erfüllt. 

Buchholz.  Am Anfang war die Idee: Mit Gleichgesinnten ein ökologisch durchgeplantes Wohnprojekt in Buchholz schaffen. Den dafür notwendigen Grundstein namens „Ökologische Baugemeinschaft“ legten Franz Kitzhöfer und seine Mitstreiter aus vier Familien zur Jahrtausendwende.

Für die Bauherren war von Anfang an klar, dass ökologische Baustoffe verwendet, eine Solaranlage für die Warmwasserunterstützung sowie eine aktive Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung installiert und alle Häuser überdurchschnittlich wärmegedämmt werden. Und klar war auch: Heizung, Stromanschluss und Klärgrube werden gemeinsam genutzt, der individuelle Verbrauch wird – Wärme- und Stromzähler sei Dank – untereinander abgerechnet.

2000 klar zum Einzug

Im Jahr 2000 waren die vier Häuser bezugsfertig. „Die damals aktuellen Vorgaben zur Energieeinsparverordnung“, heute Gebäude-Energie-Gesetz, „haben wir deutlich übertroffen“, berichtet Kitzhöfer, Berufsschullehrer und Dozent für Bauphysik an der Technischen Universität Hamburg. „Die Kosten für Heizung und Warmwasser waren deshalb von Anfang an sehr niedrig.“

Photovoltaik war damals für die Gemeinschaft noch kein Thema. Die Technik war aufwendig und teuer und – vor allem – „wir hatten auf den Dächern unserer Häuser nun Platz für die Solarthermie vorgesehen die übrige Dachfläche hat eigentlich keine gute Ausrichtung und Dachneigung“, berichtet Matthias Grambow, der vor sechs Jahren eins der vier Gebäude mit seiner Familie bezogen hat. Losgelassen hat die regenerative Stromerzeugung die Buchholzer jedoch nie so richtig. „Wir haben irgendwann überlegt, ob nicht eine Anlage, verteilt auf den Nebengebäuden, sinnvoll wäre.“

Das Problem: „Unsere Fahrradhäuser und Carports sind ebenfalls nicht optimal für eine Installation von Photovoltaik-Modulen geeignet“, berichtet Grambow. Auch sorgen einige Bäume in der Nähe für Schatten. Statt den Gedanken wieder zu verwerfen, holten sich die Nachbarn schließlich Anfang 2020 Rat. „Der Landkreis hatte damals kostenlose Beratungen angeboten“, sagt Kitzhöfer (siehe dazu Infokasten).

Das Ergebnis war überraschend eindeutig: Trotz nicht optimaler Ausrichtung, Dachneigung und etwas Baumschatten lohne sich eine Photovoltaik-Anlage. „Die Technik hat sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt“, erklärt Kitzhöfer die Hintergründe. Die Module seien deutlich leistungsfähiger und zugleich auch preislich attraktiver geworden. „Dadurch hat sich das Verhältnis von Kosten und Energieeffizienz verbessert.“

Die Strippen wurden selber verlegt

25 Module mit einer Leistung von zusammen 9,75 Kilowatt-Peak Leistung hat sich die Hausgemeinschaft von einem Fachbetrieb auf einem Dach der Häuser installieren und an ihre Energieversorgung anschließen lassen. Mit etwas Eigenleistung – Strippen im Erdreich verlegen – hat die Anlage rund 25 000 Euro gekostet. Inklusive einer 10,6 Kilowattstunden großen Batterie. „Die speichert Energie, wenn viel Strom gewonnen, aber keiner oder nur wenig verbraucht wird“, erläutert Grambow. Der so tagsüber gespeicherte Strom reicht bei den vier Haushalten häufig zur Überbrückung des Strombedarfs in den Abend- beziehungsweise Nachtstunden bis zum Morgen, wenn die Anlage wieder Strom produziert. Im Frühjahr und Sommer sei das zurzeit die Regel. „Wer mit dem Gedanken spielt, eine Photovoltaikanlage zu kaufen, sollte einen entsprechend hohen Eigenverbrauch haben“, ergänzt Kitzhöfer. Grund: Die Einspeisevergütung liegt derzeit bei unter 10 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Um 2005 herum lag sie bei mehr als 57 Cent pro Kilowattstunde. Immerhin: Steuerlich gelten Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von unter 10 Kilowattstunden neuerdings als Liebhaberei und können damit von der Einkommensteuer befreit werden.

Selbstversorgerquote bei 55 Prozent

„Gemeinsam verbrauchen wir rund 11 000 Kilowattstunden Strom im Jahr“, weiß Kitzhöfer. Im laufenden ersten Betriebsjahr rechnet er für die vier Häuser eine Selbstversorgerquote von 55 Prozent (6050 Kilowatt), am ertragreichsten Tag standen – schöner Zufall – nach Sonnenuntergang 55 Kilowattstunden auf dem Zähler. „In einem sonnenreichen Jahr kann unsere Anlage bis zu 8000 Kilowattstunden Strom liefern“, sagt der Buchholzer. Damit stiege die Autarkiequote auf knapp 73 Prozent. Theoretisch. Weil nicht der ganze erzeugte Strom verbraucht beziehungsweise gespeichert werden kann, müsse ein Teil ins Netz eingespeist werden. „Realistisch können wir bis zu 60 Prozent unserer Stromkosten sparen.“ Im Umkehrschluss hieße dies, dass sich die Anlage nach 15, 16 Jahren amortisiert hätte. Möglicherweise geht es auch schneller. „Im Sommer könnten wir mit unserer Anlage zusätzlich zwei E-Autos mit den Überschüssen betanken.“ Wenn irgendwann ein neues Auto angeschafft werden muss, wird es deshalb auch eins mit Batterie werden.

Mit Blick auf die CO2-Bilanz der ökologischen Baugemeinschaft rechnet sich die Anlage schon heute. „Alle Neubauten, deren Dächer geeignet sind, sollten mit Photovoltaik- und Solaranlagen aufgewertet werden“, sind Kitzhöfer und Grambow überzeugt. Aber auch im Bestand kann sich die Investition in regenerative Energie lohnen – selbst wenn das Dach nicht perfekt geeignet ist. Auch könnten Verbundlösungen wie beispielsweise die SonnenenergieCloud, bei der sich mehrerer Häuser gemeinsam eine Anlage teilen, ein tragfähiges Modell sein. Kitzhöfer: „Entscheidend ist immer eine gute Beratung.“

Weitere Informationen Zu Beratung und Fördermitteln gibt es auf der Webseite des Landkreises unter der Überschrift „Erneuerbare Energien“