Bei den Stadtwerken Winsen brennt noch Licht: Der Grundversorger der Luhe-Stadt übernimmt Kunden, die von den Insolvenzen einiger Billig-Anbieter betroffen sind. (Foto: dre)
Bei den Stadtwerken Winsen brennt noch Licht: Der Grundversorger der Luhe-Stadt übernimmt Kunden, die von den Insolvenzen einiger Billig-Anbieter betroffen sind. (Foto: dre)

Stadtwerke springen in die Bresche

Winsener Grundversorger nimmt Kunden auf, die von Billiganbieter-Insolvenzen betroffen sind.

Winsen. Seit Oktober des vergangenen Jahres mehren sich die Medienberichte über Insolvenzen von Stromanbietern im sogenannten Discount-Segment. Grund dafür scheinen die explosionsartig gestiegenen Energiepreise zu sein, denn Billiganbieter garantieren ihren Kunden oftmals langfristig günstige Preise und können die höheren Ausgaben im Einkauf nicht an die Verbraucher weitergeben. Hunderte Haushalte in Winsen und Umgebung sind davon betroffen und werden nicht mehr von ihren Vertragspartnern beliefert. Sie müssen aber nicht die alte Küchenhexe anfeuern, um warmes Essen zu kochen, denn die Stadtwerke Winsen sind als Grundversorger gesetzlich verpflichtet, jeden Kunden aufzunehmen.

Aufnahme bringt keine Schwierigkeiten

„Die Stadtwerke Winsen mussten Kunden in höherem dreistelligem Bereich aufnehmen und außerplanmäßig versorgen. Die riskante Preispolitik und kurzfristige Einkaufsstrategie vieler Billiganbieter ist die Ursache dafür, dass aktuell so viele Kunden buchstäblich auf der Straße stehen“, erklärt Markus Laudahn, Leiter Marketing und Vertrieb bei den Stadtwerken, auf WA-Anfrage. Weiter informiert Laudahn über die vorausschauende Planung des Betriebes: „Es werden regelmäßige Mengen eingekauft. Dadurch können den Kunden Unsicherheiten und noch größere Preissprünge erspart bleiben.“ In den Lieferverträgen der Stadtwerke sei außerdem eine gewisse Toleranz gedeckelt, sodass die Aufnahme der neuen Kunden in die Grundversorgung keine Schwierigkeiten bringe. „Wir können das abpuffern.“ Aber Markus Laudahn weiß auch: „Es gibt Stadtwerke in Deutschland, die werden regelrecht überrannt.“ Dieser rege Zulauf werde bundesweit heiß diskutiert, weil viele Grundversorger in Deutschland ausbaden, was Billiganbieter – unterstützt durch Vergleichsportale – verursacht haben.

Keine Folgen für Bestandskunden

„Es gibt noch keine finale Zahl an Aufnahmen“, sagt der Pressesprecher. Das habe zwei hauptsächliche Gründe. Zum einen verbergen sich hinter einem neuen Kunden oftmals mehrere Haushalte, zum Beispiel wenn es sich um einen Vermieter eines Mehrparteienhauses handele und zum anderen würden Kunden auch nur kurzzeitig bleiben. „In der Grundversorgung beträgt die Kündigungsfrist lediglich 14 Tage und wir können jetzt noch nicht sagen, wie viele der neuen Kunden davon Gebrauch machen und wieder wechseln“, erläutert Laudahn. Auf langjährige Bestandskunden habe der aktuellen Kundenzuwachs aber – wie hoch er abschließend auch sei – keine nachteiligen Folgen. „Obwohl die Energiepreise abgerauscht sind, haben wir im Strom keine Anpassungen vorgenommen. Wir möchten die Preise konstant halten“, versichert der Vertriebsleiter. Erhöhungen habe es nur bei Erdgas gegeben, da dort die nächste Stufe der CO2-Steuer greift.

Insgesamt zieht Markus Laudahn ein positives Fazit für die Stadtwerke, auch was die Corona-Zeit betrifft. So habe es keine überdurchschnittlichen Zahlungsausfälle gegeben, weder bei Privathaushalten noch bei den zum Großteil mittelständischen Unternehmen, die im Versorgungsgebiet ansässig sind, da es für sie Corona-Hilfszahlungen gegeben habe. Er sieht das Versorgungsunternehmen gut aufgestellt: „Wir verzeichnen auch schon länger Zuwächse im privaten und auch gewerblichen Bereich. Und zwar erfreulicherweise nicht nur in Winsen, sondern auch im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern.“

Von Andreas Urhahn