So bespielte Hugo Haase etwa das Messegelände in Leipzig. Das Museum im Marstall widmet dem Unternehmer eine Sonderausstellung. Dazu gibt es im September den Hugo-Haase-Jahrmarkt auf dem Schlossplatz. (Foto: HuM)
So bespielte Hugo Haase etwa das Messegelände in Leipzig. Das Museum im Marstall widmet dem Unternehmer eine Sonderausstellung. Dazu gibt es im September den Hugo-Haase-Jahrmarkt auf dem Schlossplatz. (Foto: HuM)

Neuer Rummel um Hugo Haase

Das Museum im Marstall macht Programm. Im September ist Jahrmarkt in der Stadt.

Winsen. Ein einwöchiger Jahrmarkt in Winsen ist der Höhepunkt des Jahres 2022 für das Museum im Marstall in Winsen. Mitte September steigt der Hugo-Haase-Jahrmarkt auf dem Schlossplatz. Dem Winsener Karussellkönig ist zudem eine zweimonatige Sonderausstellung gewidmet.

Geehrt wird damit eine der großen Persönlichkeiten der Stadt Winsen. Ab 1880 war Haase ein Pionier im Bereich der Fahrgeschäfte für den Jahrmarkt. Er entwickelte selbst Karusselle und sorgte erstmals mittels einer Elektrifizierung für Musik und Licht beim Im-Kreis-fahren. In ganz Europa war der Winsener mit rund 35 Fahrgeschäften unterwegs und hatte dazu seine eigene Karussell-Fabrik aufgezogen. 1935 starb Haase, in der Winsener Zeitung war das die Schlagzeile auf Seite 1. In Winsen erinnert der Hugo-Haase-Weg an den Karussellkönig.

Kinderbauschule ist zum Renner geworden

Stimmung ist auch das Stichwort im Museum im Marstall. Etwa ab Juni 2021 ging der Heimat- und Museumverein Winsen unter der Führung von Professor Dr. Rolf Wiese und Giesela Wiese mit neuer Konzeption und einigen Vorschusslorbeeren, Auszeichnungen und Förderungen, an den Neustart.
Die Kinderbauschule mit dem Museumspädagogen Tammo Hinrichs sowie einigen lokalen Handwerksbetrieben legte einen fulminanten Start hin. Rund 1000 Mädchen und Jungen waren in 2021 dabei, wenn es um historische Baustoffe und alte Handwerkskunst ging. Dass die Kinder im buchstäblichen Sinne begreifen können, was sie da machen, ist die Stärke des in der Form in Deutschland einmaligen Projektes. In diesem Jahr wird es weitergehen. Bisher sind bereits einige Bauteile für ein Fachwerkhaus entstanden, dass im Maßstab 1:3 aufgebaut werden soll.

Neben Hinrichs hat das Museum sich mit Dorothea Lepper für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verstärkt. Sie hat das Museum neu ins Internet und auch in die sozialen Netzwerke gebracht. Neu hinzu kommt demnächst auch eine Medienpädagogin. Neben dem Ehepaar Wiese, er ist Vorsitzender, sie ist geschäftsführende Vorsitzende, schaut Diplom-Kauffrau Angelika Martens auf die Buchhaltung.

Bestand digitalisieren und online stellen

Zweiter Vorsitzender ist jetzt Eike Harden, Diplom-Wissenschaftshistoriker und ausgebildeter Bibliothekar. Seine Aufgabe wird es sein, Bücher und Schriften aus dem Museumsbestand zu digitalisieren und online zur Verfügung zu stellen. Als weiterer Schritt solle der Blick danach auf die Nachhaltigkeit des Museums gehen.

Als Neuzugang lobte Harden das bisherige Engagement des neuen Vorstandes. „Das Marstall-Museum wirkte immer etwas verschlafen, aber seit vergangenem Jahr tut sich eine Menge“, so Harden. Das bleibt auch 2022 so. Rolf Wiese unterstrich, dass man sich die Aufbruchstimmung im Team weiter erhalten habe und gespannt auf das neue Jahr schaue. Zum Team gehört neben den vier Vorstandsmitgliedern auch Ilona Johannsen als Museumsleitung. Gemeinsam bilde man eine Einheit, die schnell und flexibel agieren könne, so Wiese.

Erforschung der Elbmarsch steht an

Das Forschungsthema dieses Jahres soll die Winsener Elbmarsch sein. Zuletzt sei dazu um 1900 geforscht worden, berichtete Rolf Wiese. Die Elbmarsch versorgte lange Hamburg mit Getreide, Milch und Vieh. Jetzt gehe es hier um Grundlagen-Forschung in einem mehrjährigen Projekt, das gemeinsam mit der Universität Hamburg durchgeführt werden wird. Angekündigt wurde auch ein „Wikipedia für Winsen“. Unter dem Überbegriff Medienpädagogik solle eine Wissenschaftsplattform entstehen, die unter anderem auch Schulen nutzen können.

Die Ziele bleiben ambitioniert, vor allem für ein kleines Museum wie das Winsener. Grundsätzlich stabil ist dabei die Finanzierung. „Ein bisschen Geld braucht man, um Pläne umzusetzen“, sagte Giesela Wiese. Die Stadt Winsen finanziert einen sogenannten Basis-Haushalt des Museums. Weitere Förderungen werden nächste Woche im Kulturausschuss diskutiert. Für die Dauerausstellung steht eine Förderung aus Landesmitteln an.

Von Björn Hansen

Hintergrund

Warum das „s“ fehlt

Ein Alleinstellungsmerkmal hat der Name schon einmal: Dem Winsener Heimat-und Museumverein fehlt ein „s“. Ein etwas unglücklicher Fauxpas, der dem Amtsgericht Winsen beim Eintrag ins Vereinsregister unterlaufen ist. 1964 gründeten Marmeladen-Fabrikant Hans-Jürgen Weseloh und Zeitungsverleger Alex Ravens den Verein. Während im Text des Eintrags die Schreibweise immer korrekt war, so stand in der Überschrift eben doch „Heimat- und Museumverein Winsen und Umgebung“. Das Malheur geschah und wurde nicht korrigiert. Das war den beiden Unternehmern am Ende zu teuer. Trotzdem hat der Verein 450 Mitglieder, die dazugehörige Schloss-AG hat rund 150 Mitglieder.