BU: Doppelter Effekt für die Klimabilanz: Standorte für schwimmende Photovoltaikanlagen gebe es auch in der Winsener Marsch, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt Winsen. In wiedervernässten Mooren könne man so die CO2-Ausgasung verringern. (Foto: AdobeStock)
BU: Doppelter Effekt für die Klimabilanz: Standorte für schwimmende Photovoltaikanlagen gebe es auch in der Winsener Marsch, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt Winsen. In wiedervernässten Mooren könne man so die CO2-Ausgasung verringern. (Foto: AdobeStock)

Photovoltaik im nassen Moor

Stadt Winsen unterstützt Energiewende, sieht Windkraft im Wald aber kritisch.

Winsen. Im Planungsausschuss der Stadt Winsen war jetzt der erste Entwurf des neuen Landesraumordnungsprogramms (LROP) Thema. Der wurde Anfang 2021 zur Beteiligung vorgelegt, jetzt liegt die Stellungnahme der Stadt Winsen dazu vor. Die wiederum folgt bereits den Empfehlungen des Planungsausschusses.

Ilmenau-Grabensystem wird neu ausgezeichnet

Das Land Niedersachsen legt mit Hilfe der Landesraumordnung einheitliche Vorgaben sowie zu beachtende Ausnahmen hiervon für die allgemeine räumliche Entwicklung in Niedersachsen fest. Es vermittelt diese überörtlichen Planungsvorgaben über ein jeweils alle drei bis fünf Jahre neues LROP an die nachgeordneten Träger der Regionalplanung, sprich an die Landkreise und kreisfreie Städte sowie an die Städte und Gemeinden.

Neu im aktuellen LROP-Entwurf ist, dass das Grabensystem nördlich der Ilmenau als „überregional bedeutsames Kerngebiet“ dieses Verbundsystems ausgezeichnet worden ist. Dieser Bereich wurde 2020 bereits zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Zudem ist der Busschewald nördlich der Autobahn 39 im Bereich Sangenstedt/Rottorf zu einem neu eingeführten Vorranggebiet Wald erhoben worden.

Ausführlicher nimmt die Stadt Winsen zum Ausbau von Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) und Windenergieanlagen (WEA) Stellung. Unterstützt werde eine „ausgewogene Ausgestaltung“ der weiterhin in Niedersachsen zu vollziehenden Energiewende. Der Einsatz von PV-Anlagen und WEA solle auf Flächen mit vorhandenen Vorbelastungen konzentriert werden. So könnten „empfindlichere Teile der Landschaft besser vor störender gestalterischer Überformung bewahrt werden“, heißt es. Auch der Schutz von Waldflächen vor WEA in Kommunen mit geringem Waldflächenanteil solle bestehen bleiben.

Gemeinsame Planungen für Photovoltaikanlagen

Thema in der Stellungnahme sind auch Photovoltaikanlagen, die schwimmend auf wiedervernässten Moorflächen außerhalb von Vorbehaltsflächen eingesetzt werden können. Dafür gebe es eine Reihe von Standorten, etwa in der Winsener Marsch. Voraussetzung wäre allerdings auch eine „vorteilhafte optische Einfassung“. Für den Klimaschutz erreiche man so eine Verringerung der CO2-Ausgasung.

Im LROP wird auch eine Verbesserung von Standortentscheidungen für PV-Anlagen angestrebt. Träger der Regionalplanung, Gemeinden und die landwirtschaftlichen Fachbehörden sollen dabei regionale Energiekonzepte erstellen, die in die Regionalen Raumordnungsprogramme (RROP) integriert werden. So würden auch Belange wie Flächenknappheit auch am Ballungsrand und ungestörte Naherholung in den abschließenden Entscheidungen berücksichtigt werden können.

Stadt spricht sich gegen Windenergie im Wald aus

Bei Windenergieanlagen auf Waldflächen wird im LROP-Entwurf der formalrechtliche Vorrang weiter eingeschränkt, vor allem aus naturschutzfachlichen Gründen. Die Stadt Winsen stimme diesem Vorgehen allerdings nur dem Grundsatz nach nur für besonders waldreiche Kommunen zu. In waldärmeren Gemeinden mit weniger als zehn Prozent Waldflächenanteil seien dagegen meist genügend landwirtschaftliche Flächen vorhanden.

Windenergieanlagen würden sich in waldarmen Gemeindegebieten als „einseitig belastende Härte“ erweisen. Erholungswert und naturschutzfachliche Belange würden unverhältnismäßig gemindert werden. Für Kommunen wie Winsen solle daher am formellen Ausschluss von WEA in Waldgebieten festgehalten werden, wie dieser noch im ersten LROP-Entwurf vorgenommen worden war. Dieser Ausschluss solle zudem für Wälder in Landschaftsschutzgebieten gelten. So könne von vornherein vermieden werden, dass Waldgebiete in Landschaftsschutzgebieten, die vor allem der Naherholung der Bevölkerung dienten, zusätzlichem Umnutzungsdruck durch Windenergieanlagen ausgesetzt würden.

Von Björn Hansen