Sarah Lamp (am Ball) erwischte wie fast alle Luchse einen unglücklichen Tag in Leverkusen und blieb ohne Tor. (Foto: he)
Sarah Lamp (am Ball) erwischte wie fast alle Luchse einen unglücklichen Tag in Leverkusen und blieb ohne Tor. (Foto: he)

Luchse so schlecht wie lange nicht

Handball-Bundesligist ist bei 22:33-Klatsche im Kellerduell gegen Leverkusen eine Halbzeit lang völlig von der Rolle.

Buchholz. Was für eine Klatsche! Mit einer krachenden 22:33-Pleite endete für die HL Buchholz 08-Rosengarten die Auswärtsfahrt zum TSV Bayer 04 Leverkusen. Statt mit den Werkselfen nach Punkten gleich- und sie mit in den Abstiegskampf hi­neinzuziehen, hängen die Luchse weiter auf dem Relegationsplatz fest.

Mit dem Sieg gegen Bensheim in der Vorwoche im Rücken und den guten Erinnerungen an die Spiele gegen Leverkusen in der Vorsaison hatten sich die Luchse durchaus Außenseiterchancen ausgerechnet. Doch von einem gesteigerten Selbstbewusstsein oder einem mutigen Auftreten war gestern nichts zu sehen. Im Gegenteil: Die Luchse lieferten eine der schwächsten Leistungen der letzten Monate ab und kassierten eine auch in der Höhe verdiente Klatsche bei einer Mannschaft, die erstmals in dieser Saison in eigener Halle gewinnen konnte.

Der Start in die Partie war aus Luchse-Sicht noch in Ordnung. Nach fünf Minuten stand ein 3:3-Unentschieden auf der Anzeigetafel – doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. Im Angriff ging ein Ball nach dem anderen verloren, und Leverkusen konnte schon in der Anfangsphase viele Gegenstöße laufen. Schnell setzten sich die Gastgeberinnen auf 8:4 ab und hatten dabei leichtes Spiel: Zwei Tore fielen vom Siebenmeterpunkt, fünf per Konter, nur ein Tor musste aus dem Positionsspiel heraus erarbeitet werden.

Luchse-Coach Dubravko Prelcec erkannte, dass seiner Mannschaft das Spiel entglitt und nahm nach neun Minuten die erste Auszeit. Fünf Minuten später zog Leverkusen die Grüne Karte, nach weiteren drei Minuten wieder Prelcec. „Ich habe versucht, umzustellen und die Spielerinnen daran zu erinnern, was wir uns vorgenommen haben“, so der Gästetrainer. „Aber ich war total machtlos.“ Sein Team kam mit der aggressiven und offensiven Deckung, die Leverkusens neuer Coach Johan Petersson erstmals so spielen ließ, überhaupt nicht zurecht. Unerklärliche Pässe in den Rücken, auf Schienbeinhöhe oder ins Nichts waren die Folge. „Wir haben Fehler gemacht, die so nie passieren dürfen“, erklärte Prelcec. Immer wieder antizipierte die überragende Leverkusener Spielmacherin Mareike Thomaier (4) Pässe im Aufbauspiel der Luchse und leitete die Konter ein, die besonders von Svenja Hubner (11/3) sicher verwandelt wurden.

„Wir waren viel zu statisch im Angriff, sind nicht auf die Lücken gestoßen, hatten keinen Mut und keine Bewegung“, ärgerte sich Prelcec, der früh erkannte, dass in diesem Spiel für sein Team nicht viel gehen würde, da sich auch in der Abwehr immer wieder Lücken auftaten. Leverkusen bestrafte die Unsicherheit der Gäste und baute die Führung schon zur Pause auf zehn Tore aus (19:9).

„Ich war sauer und bin in der Kabine auch laut geworden“, berichtete der Luchse-Coach nach der Partie. Gebracht hat es zunächst wenig. Die Gastgeberinnen taten sich zwar etwas schwerer, zogen aber trotzdem auf 24:10 nach 38 Minuten davon. Prelcec nahm erneut eine Auszeit und stellte das Spiel seiner Mannschaft nun komplett um. In der Deckung agierten die Luchse jetzt mit einer 3:2:1-Abwehr mit Svea Geist auf der Spitze, die ein besonderes Auge auf Mareike Thomaier hatte. Offensiv probierten die Gäste es mit der siebten Feldspielerin und wählten eine Formation mit zwei Kreisläuferinnen. Mit diesen Umstellungen fanden die Luchse noch ins Spiel, wenn auch viel zu spät.

„Leverkusen konnte nicht mehr so offensiv verteidigen, und wir hatten keine Ballverluste mehr“, erkannte Prelcec die Vorzüge an der Variante mit einer Spielerin mehr. Wichtig dabei: „Wir haben mit der Torhüterin gut und schnell gewechselt, sodass Leverkusen keine einfachen Tore machen konnte.“ Ein weiterer Unterschied zur ersten Halbzeit: Die Luchse nutzten ihre Chancen, statt Leverkusen mit einfachen Fehlern zu Kontern einzuladen.

Fakt ist aber auch, dass die Gastgeberinnen mit Svenja Huber und Mareike Thomaier die überragenden Spielerinnen der ersten Halbzeit längst herausgenommen und fleißig durchgewechselt hatten. So plätscherte die Partie dem Ende entgegen, und die Luchse konnten noch etwas Ergebniskosmetik betreiben.

„Die erste Halbzeit war mit Sicherheit die schlechteste Halbzeit dieser Saison“, ärgerte sich Prelcec, der sich in Leverkusen durchaus etwas ausgerechnet hatte. Zu lange darf der schwache Auftritt aber nicht in den Köpfen seiner Spielerinnen hängen bleiben: Am kommenden Sonntag steht beim VfL Oldenburg der Einzug ins FinalFour des DHB-Pokals auf dem Spiel.

Von Dominik Heuer