Christian B. (l.) lieh sich unter falschem Namen hochwertige Autos für vermeintliche Probefahrten und verkaufte diese weiter. Der Seevetaler Elvis A. (r.) soll die gefälschten Ausweise besorgt haben. (Fotos: be)
Christian B. (l.) lieh sich unter falschem Namen hochwertige Autos für vermeintliche Probefahrten und verkaufte diese weiter. Der Seevetaler Elvis A. (r.) soll die gefälschten Ausweise besorgt haben. (Fotos: be)

Betrüger tappen in Falle der Polizei

Ein Duo hat Autos bei Probefahrten unterschlagen. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Lüneburg schilderten Ermittler, wie sie den beiden Ganoven auf die Schliche kamen.

Lüneburg. Sie hatten doch auch bei diesem dritten Coup eigentlich alles gut vorbereitet. Dem Audi A6 eine neue Fahrzeug-Identifikationsnummer eingefräst, dazu passende Fahrzeugpapiere nahezu perfekt gefälscht und über die Internetplattform ebay einen Käufer gefunden. Doch was Christian B. und Elvis A. nicht ahnten: Die vermeintlichen Interessenten waren verdeckt arbeitende Polizisten. Beim Kauftermin überwältigte ein Sondereinsatzkommando die mutmaßlichen Täter. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Lüneburg schilderten Ermittler, wie sie den beiden Ganoven auf die Schliche kamen.

Die Rollen des Duos waren klar verteilt: Christan B. stellte sich bei den Autohäusern als Kaufinteressent für eine Probefahrt vor. Beim Termin zeigte er gefälschte, österreichische Papiere vor, die ihn als Volker Adam auswiesen. Und von den Probefahrten kamen dann weder B. noch die hochwertigen Fahrzeuge zurück. Letztere wurden vielmehr übers Internet mit neuen Papieren und neuer ID weiterverkauft.

Audi A6 im Wert von rund 45.000 Euro

Seevetal und Braunschweig waren die ersten beiden Tatorte. Auch in Kirchweyhe südlich von Bremen gelangten B. und A. so in den Besitz eines Audi A6 im Wert von rund 45.000 Euro. Doch den Mitarbeitern des geschädigten Autohauses ließ das keine Ruhe. Sie durchforsteten Verkaufsplattformen im Internet, entdeckten schließlich dort ihr Fahrzeug, vereinbarten inkognito einen Termin mit den Verkäufern und informierten darüber die Polizei.

Die kam den Straftätern schnell auf die Schliche. „Auf einem Bild des Autos bei ebay war im Hintergrund ein anderes Auto samt Hamburger Kennzeichen zu sehen“, schilderte ein Ermittler vor Gericht. „Außerdem waren in dem Wagen an verschiedenen Stellen SIM-Karten verbaut, die immer wieder Daten senden und die wir orten konnten.“ Und tatsächlich nannten auch die Verkäufer dann als Treffpunkt eine Straße im Stadtteil Othmarschen.

Als sich Verkäufer und Interessenten dort trafen, lag das Mobile Einsatzkommando längst auf der Lauer. Die beiden verdeckt arbeitenden Polizisten unternahmen sogar noch eine Probefahrt – kurze Zeit später lagen Christian B. und Elvis A. mit Handschellen gefesselt auf dem Bürgersteig.

Fahrzeugschein war eine Totalfälschung

Den gefälschten, österreichischen Führerschein sowie den Personalausweis auf den Namen Volker Adam hatte B. bei sich, außerdem ein Handy, auf dem die bei ebay eingestellten Fotos gespeichert waren. „Der Fahrzeugschein war eine Totalfälschung, der Brief war ein gestohlenes Blankodokument, das in der Zulassungsstelle Rotenburg/Wümme gestohlen worden war“, schildert ein Ermittler.

Die beiden Angeklagten haben vor Gericht umfangreiche Aussagen gemacht, schieben aber jeweils dem anderen die Hauptschuld an den Taten zu. Die Papiere will keiner gefälscht haben, Elvis A. behauptet sogar, er sei nur der Fahrer seines Kumpels gewesen und habe keine Ahnung gehabt, was der da so trieb. Das aber stellte der Einsatzleiter des MEK vor Gericht anders dar: „Er hat ständig auf ihn eingeredet und in Richtung des gestohlenen Wagens gestikuliert.“ Und als sich Christian B. auf den Weg zum Kaufinteressenten machte, konnte ein Zivilfahnder die Bemerkung aufschnappen: „Ich bin in deinem Rücken“.

Der Prozess wird am Dienstag, fortgesetzt.

Von Thomas Mitzlaff