Markus Trettin vom Winsener Stadtmarketing begrüßte Antje Schmidt (von links), Claudia Weiß und Esther Strozik vom HiPsy Café Kiek in aus Winsen als Premierengäste in der Wechselstube.
Markus Trettin vom Winsener Stadtmarketing begrüßte Antje Schmidt (von links), Claudia Weiß und Esther Strozik vom HiPsy Café Kiek in aus Winsen als Premierengäste in der Wechselstube. (Foto: rin)

Wissenswertes in der Wechselstube

Die Wechselstube auf dem Winsener Wochenmarkt feierte am Dienstag Premiere. Bis März ist die Bude aus dem Sofortprogramm Perspektive Innenstadt bereits ausgebucht. 

Winsen. Aha, in Winsen gibt es ein HiPsy Café. Nicht wenige Kunden auf dem Winsener Wochenmarkt lernten das Kiek in aus der Schmiedestraße am Dienstag überhaupt zum ersten Mal kennen. Die Wechselstube, die Dienstag ihre Premiere auf dem Markt feierte, machte das möglich.

Das Team aus der Winsener Stadtverwaltung darf wohl hinter der Idee der Wechselstube einen dicken Haken machen. Im Rahmen des Projekts „Perspektive Innenstadt“ wuchs die Idee, eine der im Bestand befindlichen Holzbuden künftig jedem, der mag, zur Verfügung zu stellen. Für 20 Euro kann die Bude an einem Markt-Dienstag gebucht werden. Vereine, Schulklassen, Hobbykünstler bekommen so eine kleine Plattform, um sich darzustellen und für sich zu werben.

Markus Trettin aus der Wirtschaftsförderung der Stadt hieß die Premierengäste vom HiPsy Café Kiek in willkommen. „Die Idee der Wechselstube ist gut angekommen“, freut er sich auf die Abwechselung, die in den kommenden Wochen in der Wechselstube auf Marktkunden wartet: Denn bis in den März ist die Wechselstube bereits ausgebucht.

Hyggelige Sachen aus Resten upgecycelt

„Ehrlich gesagt, haben wir über Mund-zu-Mund-Propaganda von der Wechselstube erfahren und uns gleich angemeldet“, sagt Antje Schmidt, Rehabilitationspädagogin in der Einrichtung an der Schmiedestraße. Mit Leiterin Esther Strozik und Stammgast Claudia Weiß sitzt sie dick eingemummelt in der Holzbude. Die drei Frauen haben die Auslage mit Dekoartikeln im nordischen Stil dekoriert – hyggelig würde man wohl neudeutsch sagen, eben schlicht und gemütlich. Gestrickte Überzieher für Windlichter, kleine Leinenbeutel fürs Handy, Anhänger aus alten Buchseiten und mehr gibt es gegen Spende. Nur die kleinen Lichterketten dazwischen bleiben aus – Stromausfall. Tut dem Hüttenzauber aber keinen Abbruch.

Die drei Frauen erklären gerne, was sie im HiPsy Café genau machen. Das Kiek in ist eine Begegnungsstätte für psychisch erkrankte Menschen, aber auch alle anderen Gäste sind willkommen. Kaffee, Tee und Kuchen gibt es ebenso gegen Spenden wie die Dekosachen, die in den Kreativgruppen der Einrichtung entstehen. „Von diesen Spenden leben wir“, veranschaulicht Antje Schmidt das Projekt: Sachspenden wie Woll- und Stoffreste, Einmachgläser und mehr werden gerne angenommen und upgecycelt. Die St.-Marien-Kirche überlässt der Einrichtung beispielsweise Kerzenreste, aus denen dann neue Kerzen gegossen werden. „Momentan sind wir dringend auf der Suche nach einer Nähmaschine“, berichten die Frauen.

Die Sozialpädagoginnen erkennen durchaus, dass Corona etwas mit ihren Gästen macht. „Die Verunsicherung ist bei vielen groß. Wir merken eine deutliche Zunahme von Ängsten“, bestätigt Esther Strozik. „Betroffene ziehen sich dann entweder komplett zurück oder finden den Weg zu uns. Vor allem die ständig wechselnden Verordnungen machen unseren Gästen zu schaffen.“ Sie und Antje Schmidt bieten mit ihrem Team lebensnahe Hilfe an: „Wir klären vor allem auf: Was gilt gerade? Oder wie wendet man eigentlich einen Selbsttest an?“

Den Blick auf das Positive lenken

Neben einer sozialpädagogischen Beratung bei akuten Sorgen geht es im Kiek in vor allem darum, den Blick auf das Positive zu lenken. Da helfen die Gruppenangebote wie Qigong, Malen, Schach oder Handarbeiten, den Kopf frei zu kriegen. „Wir helfen dabei, einfach wieder ins Tun zukommen. Es gibt viele soziale Faktoren, die das Wohlbefinden steigern können.

Dazu zählt das Beschäftigen mit schönen Sachen, das kreative Gestalten oder auch das Klönen mit anderen“, erklärt Antje Schmidt. Und wer mehr Unterstützung braucht, dem können die Sozialpädagoginnen natürlich auch weiterhelfen. Für das Kiek in liefert die Wechselstube eine perfekte Win-win-Situation. „Eine breitere Öffentlichkeit kann uns hier mal wahrnehmen, und wir können unsere Arbeit vorstellen“, sagt Esther Strozik. „Für uns ist diese Arbeit im Sozialraum wichtig. Wir beteiligen uns gerne. Das Mitmachen bei so einer Aktion ist eben auch eine Form der gesellschaftlichen Teilhabe.“

Von Kathrin Röhlke

HiPsy Café in Winsen

Da dürfen alle Sorgen draußen bleiben

Genau so schön hyggelig wie die Arbeiten in der Wechselstube ist auch das Café eingerichtet. Das Kiek in gehört zum Gemeindepsychiatrischen Zentrum und ist derzeit montags und freitags von 10 bis 15 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 12 bis 17 Uhr in der Schmiedestraße 3 (Telefon: 0 41 71 – 84 83 86-0) geöffnet. Mittwochs bleibt es geschlossen. Donnerstags und freitags gibt es frischen Kuchen.

Speisen und Getränke werden zum Selbstkostenpreis angeboten. Auch aus Resten selbst gestalteten Dekoartikel sind dort zu haben. Willkommen ist jeder, insbesondere aber psychisch erkrankte Menschen und Angehörige.

Es gibt jeweils einen Monatsplan mit wöchentlichen Angeboten wie Kaffee & Klönen, Spielegruppen oder Kreativzeit, an denen alle Sorgen draußen bleiben. Außerdem finden Aktionen zu bestimmten Tagen statt. So steht am Dienstag, 15. Februar, ein Pizzatag auf dem Programm.

Am Dienstag, 22. Februar, folgt ein Suppentag. Um am Valentinstag, 14. Februar, sind Wellness und Selfcare angesagt: Zum Beauty-Tag bringt man alles fürs Make-up selbst mit. Für den 6. und 20. Februar ist jeweils ein Sonntagsspaziergang einplant; los geht es um 11 Uhr vom Kiek in. Um eine vorherige Anmeldungen dafür wird gebeten.